BEOPLAST (1/20) Nur noch kurz die Welt ret­ten

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON FLO­RI­AN RIN­KE

Mit dem Her­stel­len von Kunst­stoff­tei­len ist das Lan­gen­fel­der Un­ter­neh­men Beoplast sehr er­folg­reich. Doch dann ent­deck­te Grün­der Theo Bes­gen sei­ne grü­ne Sei­te – seit­dem trimmt er den Be­trieb ra­di­kal auf Nach­hal­tig­keit. Mit gro­ßem Er­folg.

LAN­GEN­FELD Mit ei­nem Ruck setzt sich der Arm von Il­se in Be­we­gung, greift, legt ab, greift er­neut. Es hat et­was Me­di­ta­ti­ves, wie die Ma­schi­ne ein Kunst­stoff­teil nach dem an­de­ren in ei­ne Kis­te sta­pelt. Theo Bes­gen hat al­len sei­nen Ma­schi­nen ei­nen Na­men ge­ge­ben. „Die ers­te war Ade­le“, sagt er. Hin­zu ka­men Ger­trud, Pau­la, Ra­mo­na – und eben auch Il­se. Sie al­le ste­hen in ei­ner Fa­b­rik­hal­le in ei­nem Lan­gen­fel­der In­dus­trie­ge­biet, in der im Drei-Schicht-Be­trieb Kunst­stoff­tei­le ge­fer­tigt wer­den.

Beoplast hat Bes­gen sein Un­ter­neh­men ge­nannt. Die Fir­ma ist ein ge­frag­ter Lie­fe­rant von Spritz­guss­tei­len – von der Hal­te­rung für den An­schnall­gurt bis hin zum ver­chrom­ten Küh­ler­grill. „Wir le­ben vom Auto“, sagt Bes­gen.

Be­gon­nen hat die Ge­schich­te von Beoplast 1990. Sechs Jah­re hat­te Bes­gen zu­vor beim Che­mie­kon­zern Bay­er ge­ar­bei­tet – un­ter an­de­rem un­ter dem heu­ti­gen Auf­sichts­rats­chef Wer­ner Wen­ning – und da­bei im­mer mehr über Kunst­stof­fe ge­lernt. Dann ent­schloss sich Bes­gen zum Schritt in die Selbst­stän­dig­keit. Ein hal­bes Jahr ha­be er sich dar­auf vor­be­rei­tet, mit po­ten­zi­el­len Kun­den ge­spro­chen und in ei­ner klei­nen Hal­le des Schwie­ger­va­ters die ers­ten Spritz­guss-Ma­schi­nen auf­ge­baut. Dann konn­te es los­ge­hen – doch das Te­le­fon blieb still. „Der Be­ginn der Selbst­stän­dig­keit war kom­plett frus­trie­rend“, sagt Bes­gen heu­te. Er klap­per­te sei­ne Kon­tak­te ab, führ­te Ge- sprä­che, doch die Auf­trä­ge blie­ben aus. Ir­gend­wann ge­lang der Durch­bruch, ei­ne Fir­ma aus So­lin­gen be­auf­trag­te Beoplast mit der Her­stel­lung von Tei­len für Kof­fer. We­nig spä­ter folg­te ein Auf­trag des frü­he­ren Kü­chen­ge­rä­te­her­stel­lers Krups. Beoplast war im Ge­schäft.

Heu­te sind die gro­ßen Au­to­her­stel­ler die wich­tigs­ten Kun­den – für den Mi­ni Co­oper stellt Beoplast die Kunst­stoff-Ver­klei­dung für die Rü- cken­leh­nen der Sit­ze her, in der GKlas­se von Mer­ce­des stam­men so­gar 70 Ein­zel­tei­le aus Lan­gen­feld. „Da sind wir Haupt­lie­fe­rant für die Kunst­stoff­tei­le“, sagt Bes­gen stolz. 95 Pro­zent des Ge­schäfts macht die Auto-In­dus­trie aus. Das wer­de sich so schnell auch nicht än­dern, sagt Bes­gen. Trotz­dem ar­bei­tet er am Wan­del sei­nes Be­triebs. „Mein Ziel ist es, weg von den öl­ba­sier­ten zu bio­ba­sier­ten Kunst­stof­fen zu kom- men.“Tech­nisch sei das kein Pro­blem. Schon jetzt pro­du­ziert er die Hül­le für ei­ne Com­pu­ter-Maus aus bio­ba­sier­tem Plas­tik, wei­te­re Ar­ti­kel sind ge­ra­de in Pla­nung. Das Pro­blem: „Die Roh­stof­fe sind teu­rer.“

Aus dem Un­ter­neh­mer ist ein Kli­ma­freund ge­wor­den, der sei­nen Be­trieb in­ner­halb kür­zes­ter Zeit auf Nach­hal­tig­keit ge­trimmt hat: Vor dem Fa­b­rik­ge­bäu­de hän­gen Elek­tro­fahr­zeu­ge an den Steck­do­sen, das Dach pflas­tern Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen und die Hei­zung wird mit der Ab­wär­me von Il­se, Ger­trud und Co. be­trie­ben. „Wir pro­du­zie­ren und ver­sen­den CO2-neu­tral“, sagt Bes­gen, der sei­nen Mit­ar­bei­tern Zu­schüs­se zahlt, wenn sie en­er­gie­spa­ren­de Kühl­schrän­ke oder Wasch­ma­schi­nen für den ei­ge­nen Haus­halt kau­fen. In Zu­kunft sol­len auch fast al­le ver­wen­de­ten Kunst­stof­fe bio sein. Dar­an forscht Beoplast je­den­falls mit der Uni­ver­si­tät in Han­no­ver.

Dass aus­ge­rech­net ein Un­ter­neh­mer, der von der Ab­gas­skan­dal-ge­plag­ten Auto-In­dus­trie lebt, zum grü­nen Vor­rei­ter ge­wor­den ist, ist aus Bes­gens Sicht kein Wi­der­spruch: „Spä­tes­tens mit den Elek­tro­au­tos wird sich der Um­welt­ge­dan­ke auch in der Au­to­bran­che wei­ter durch­set­zen.“Und Beoplast soll ein Teil die­ses Wan­dels sein. Wenn VW, Daim­ler und BMW nun mas­siv in die E-Mo­bi­li­tät in­ves­tie­ren, will Bes­gen sie über­zeu­gen, auf Bio-Kunst­stof­fe zu set­zen: „Ziel ist es, fünf bio­ba­sier­te Ar­ti­kel in ein E-Auto zu be­kom­men.“Denn so­bald die Stück­zah­len für Bio-Kunst­stoff­tei­le stei­gen und der Roh­öl-Preis auf dem Welt­markt an­zieht, zäh­le das Preis-Ar­gu­ment nicht mehr. „Das wird ver­gleich­bar.“

Über­haupt, sagt Bes­gen, sei­en die Un­ter­schie­de oft gar nicht so groß, wie man­cher viel­leicht denkt. Beoplast ha­be Strom­kos­ten von rund 300.000 Eu­ro im Jahr. „Der Wech­sel auf Ökostrom kos­tet uns nur 5000 Eu­ro mehr – pro Jahr.“Auch im Ver­pa­ckungs­sek­tor hät­ten sich Bi­oKunst­stof­fe schon durch­ge­setzt. „Ich bin über­zeugt, dass sich das in der Au­to­welt wie­der­ho­len wird“, sagt er. Schließ­lich hat es auch bei Bes­gen ir­gend­wann „Klick“ge­macht.

Die Ein­sicht kam dem 58-Jäh­ri­gen, als sein Sohn ihn dar­auf hin­wies, dass das Pen­deln zwi­schen Be­trieb und Haus „öko­lo­gi­scher Schwach­sinn“sei. Als Theo Bes­gen die Ge­schich­te er­zählt, grinst Jo­han­nes Bes­gen. Wel­che Aus­wir­kun­gen der Spruch ha­ben wür­de, ist ihm wohl auch nicht klar ge­we­sen. In­zwi­schen wird so­gar die Ra­sen­pfle­ge kli­ma­neu­tral be­trie­ben, den Ra­sen­mä­her hat Bes­gen durch zwei Bre­to­ni­sche Zwerg­scha­fe er­setzt. Und weil sich das Gas Ar­gon beim Schwei­ßen nicht er­set­zen ließ, pflanz­te Bes­gen zum Aus­gleich sechs Ap­fel­bäu­me. „Das CO2 ha­ben wir so sub­sti­tu­iert, und un­se­re Mit­ar­bei­ter ha­ben da­durch auch noch fri­sches Obst.“

FOTO: MATZERATH

Theo Bes­gen zeigt Com­pu­ter-Mäu­se, de­ren Hül­le aus bio­ba­sier­tem Plas­tik be­steht.

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