Rei­se in die Grau­zo­ne

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KINO - VON THO­MAS MAI­ER

Ei­ne neue Do­ku­men­ta­ti­on nä­hert sich den Men­schen in Nord­ko­rea.

(dpa) Sung-Hyung Cho ist in Süd­ko­rea auf­ge­wach­sen. Da­mals wur­de der Nor­den in Schul­bü­chern ver­teu­felt. Jetzt hat sich die seit vie­len Jah­ren bei Frankfurt le­ben­de Fil­me­ma­che­rin schwe­ren Her­zens von ih­rem al­ten Pass ge­trennt, um sich mit Hil­fe ih­res neu­en deut­schen Do­ku­ments in das un­be­kann­te Nord­ko- rea auf­zu­ma­chen. „Mei­ne Brü­der und Schwes­tern im Nor­den“heißt die do­ku­men­ta­ri­sche An­nä­he­rung an die ab­ge­schot­te­te Dik­ta­tur.

Cho hat dort als ers­te ge­bür­ti­ge Süd­ko­rea­ne­rin of­fi­zi­ell ge­dreht. Schon die ers­ten Bil­der vom hei­li­gen Berg der Nord­ko­rea­ner, auf dem sich die Sol­da­ten mit ihr fo­to­gra­fie­ren las­sen wol­len, ver­mit­teln un­ge­wohn­te Ein­drü­cke. Das setzt sich fort beim Be­such ei­ner Bau­ern­kom­mu­ne, ei­ner Tex­til­fa­brik, im gi­gan­ti­schen neu­en „Was­ser­ver­gnü­gungs­bad“im vom Re­gime her­aus­ge­putz­ten Pjöng­jang so­wie bei ei­nem An­ge­stell­ten zu Hau­se. Nord­ko­rea wird vor al­lem mit sei­nem mar­tia­li­schen Füh­rer Kim Jong Un und des­sen ag­gres­si­ver Po­li­tik as­so­zi­iert. Doch Cho, die durch ih­ren preis­ge­krön­ten Film „Full Me­tal Vil­la­ge“(2006) über das Hard­rock­fes­ti­val in Wa­cken be­kannt wur­de, in­ter­es­siert sich für den All­tag. Mit ih­rer of­fe­nen Art ge­lingt es ihr, hin­ter der Mas­ke der Uni­for­mier­ten das Mensch­li­che sicht­bar wer­den zu las­sen Ei­ne 26jäh­ri­ge Of­fi­zie­rin ent­puppt sich als scheu-lä­cheln­des Mäd­chen, das ger­ne hei­ra­ten will. Ei­ne für Ak­kord­leis­tun­gen prä­mier­te Zu­schnei­de­rin träumt da­von, als De­si­gne­rin Klei­der zu ent­wer­fen, die un­ter Um­ge­hung der Sank­tio­nen in den Ex­port ge­hen. Die Po­li­tik klam­mert die Fil­me­ma­che­rin in ih­ren Ge­sprä­chen be­wusst aus. Dies führ­te da­zu, dass ihn we­der die Ber­li­na­le noch gro­ße ame­ri­ka­ni­sche Fes­ti­vals zei­gen woll­ten. Da­für be­geg­net Cho im Film den Men­schen – die je­doch ge­mein­sam mit den nord­ko­rea­ni­schen Be­hör­den aus­ge­sucht wur­den – mit Re­spekt. Und schafft so neue Ein­bli­cke in ei­ne der letz­ten glo­ba­len Grau­zo­nen. Mei­ne Brü­der und Schwes­tern im Nor­den, Re­gie: Sung-Hyung Cho, Deutsch­land 2016, 106 Mi­nu­ten

FOTO: DPA

„Mei­ne Brü­der und Schwes­tern im Nor­den“gibt neue Ein­bli­cke.

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