Stadt will von Ham­burg ler­nen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST - VON STE­FA­NI GEILHAUSEN UND DE­NI­SA RICH­TERS

In Si­cher­heits­krei­sen gel­ten die Kon­zep­te, mit de­nen die Han­se­stadt den Kiez rund um die Ree­per­bahn im Griff hat, als er­folg­reich. Po­li­zei und Ord­nungs­be­hör­den aus Düs­sel­dorf wol­len sich heu­te da­von über­zeu­gen.

Er­leb­nis­hung­ri­ge Men­schen­mas­sen, reich­lich Al­ko­hol, Ro­cker, Die­be und Dro­gen – die Pro­ble­me auf St. Pau­li sind de­nen an der längs­ten The­ke der Welt durch­aus ähn­lich. Weil Ham­burgs Lö­sungs­we­ge aber er­folg­ver­spre­chend schei­nen, wol­len der Düs­sel­dor­fer Ord­nungs­de­zer­nent Ste­phan Kel­ler und Po­li­zei­prä­si­dent Nor­bert Wes­se­ler sich heu­te und mor­gen ein Bild da­von ma­chen. Mit da­bei sind ne­ben den Chefs von Alt­stadt­wa­che, Stadt­mar­ke­ting und OSD auch Ver­tre­ter der Alt­stadt­wir­te, die mor­gen von Ham­burgs In­nen­se­na­tor An­dy Gro­te emp­fan­gen wer­den.

Wie die Düs­sel­dor­fer Alt­stadt ist auch die Ree­per­bahn ein Tou­ris­ten­ma­gnet. Die 0,85 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Par­ty­mei­le der Han­se­stadt ist aber auch als „stän­di­ges Ge­fah­ren­ge­biet“aus­ge­wie­sen, in dem Waf­fen- und Glas­fla­schen­ver­bo­te dau­er­haft gel­ten. Über zwölf Vi­deo­ka­me­ras be­hal­ten die Be­am­ten der Da­vid­wa­che die Sze­ne im Blick – al­ler­dings erst, seit es dort in der Sil­ves­ter­nacht wie in Düs­sel­dorf und Köln zu mas­si­ven Über­grif­fen kam. Bis da­hin wa­ren die Ka­me­ras nach ei­ner An­woh­ner­kla­ge ab­ge­schal­tet ge­we­sen. Jetzt sind sie zu­min­dest an den Wo­che­n­en­den wie­der scharf ge­schal­tet, al­ler­dings mit be­grenz­tem Schwenk­be­reich, um die Pri­vat­sphä­re der An­woh­ner zu wah­ren.

Wie in der Alt­stadt wird seit den Sil­ves­ter­über­grif­fen auch in St. Pau­li die Kiez-Po­li­zei an den Wo­che­n­en­den durch Be­reit­schafts­po­li­zis­ten ver­stärkt. In Ham­burg kom­men dann auch die in Düs­sel­dorfs erst- mals beim Kar­ne­val ge­nutz­ten mo­bi­len Ka­me­ras zum Ein­satz. An den Wo­che­n­en­den herr­sche dort „die höchs­te Po­li­zei­dich­te Deutsch­lands“, sagt Frank Re­schrei­ter, Spre­cher der In­nen­be­hör­de.

Gleich­wohl sind auch in Ham­burg die Res­sour­cen knapp: In an­de­ren Stadt­be­zir­ken reicht das Po­li­zei-Per­so­nal nicht mehr, um al­le Strei­fen­wa­gen zu be­set­zen. Dem will der Stadt­staat in den kom­men­den fünf Jah­ren mit 300 neu­en Stel­len ab­hel­fen, 8000 Be­am­te wer­de die Po­li­zei bis da­hin ha­ben. „Wenn die Stadt an Ein­woh­nern wächst, muss auch die Po­li­zei wach­sen“, sagt Re­schrei­ter.

Der Pro­zess, der den Kiez si­che­rer ma­chen soll, ha­be vor et­wa zehn Jah­ren be­gon­nen. Am wich­tigs­ten und er­folg­reichs­ten sei ein star­kes Netz­werk der Ak­teu­re vor Ort: Po­li­zei, Ord­nungs­kräf­te, Ein­zel­händ­ler, Bür­ger­ver­ei­ne, So­zi­al­ver­bän­de sä­ßen re­gel­mä­ßig ge­mein­sam am Run­den Tisch, Tür­ste­her und Da­vid­wa­che pfleg­ten ei­nen gu­ten Kon­takt. Und durch kon­se­quen­tes Durch­grei­fen ha­be die Po­li­zei den Re­vier­kämp­fen von Ro­cker­ban­den ein En­de be­rei­tet. Die Po­li­zei wer­de „nicht als Stör­fak­tor wahr­ge­nom­men, son­dern ist als Teil des Gan­zen ak­zep­tiert“, so Re­schrei­ter. Nur die Rol­len­ver­tei­lung müs­se „ge­le­gent­lich neu klar­ge­stellt“wer­den.

Dass das Quar­tier zum „Busi­ness De­ve­lop­ment District“wur­de, ist zwar der tra­di­tio­nell star­ken lin­ken Sze­ne ein Dorn im Au­ge, die Gen­tri­fi­zie­rung be­fürch­tet. Der Spre­cher der In­nen­be­hör­de ver­si­chert aber, dass die Bür­ger bei den Um­struk­tu­rie­run­gen im Vier­tel be­tei­ligt wür-

FOTO: DPA

In leuch­tend gel­ben Wes­ten und in deut­lich er­höh­ter Stär­ke geht die Po­li­zei seit Über­grif­fen an Sil­ves­ter auf der Ham­bur­ger Ree­per­bahn Strei­fe.

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