Ab­schie­bung kos­tet NRW Mil­lio­nen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

Für die Rück­füh­rung von Asyl­be­wer­bern gab das Land 2016 schon ei­nen sie­ben­stel­li­gen Be­trag aus. Kei­ne Be­we­gung sieht das In­nen­mi­nis­te­ri­um bei den sto­cken­den Ab­schie­bun­gen in den Ma­ghreb.

DÜS­SEL­DORF In den ers­ten sechs Mo­na­ten die­ses Jah­res hat NRW nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on be­reits rund 4,6 Mil­lio­nen Eu­ro für Ab­schie­bun­gen aus­ge­ben müs­sen. Da­von ent­fal­len et­wa 1,9 Mil­lio­nen Eu­ro oder gut 40 Pro­zent auf so­ge­nann­te frei­wil­li­ge Aus­rei­sen, die das Land för­dert. „Wir un­ter­stüt­zen Men­schen, die von sich aus wie­der in ih­re Hei­mat­län­der zu­rück­keh­ren wol­len, ge­ben ih­nen da­für ein Über­brü­ckungs­geld, da­mit sie sich wie­der et­was auf­bau­en kön­nen“, sag­te ein Spre­cher von In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD).

In die­sem Jahr ha­ben nach An­ga­ben des Mi­nis­te­ri­ums bis­lang 6955 Flücht­lin­ge (plus 256 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum) frei­wil­lig NRW wie­der ver­las­sen. Hin­zu kom­men 2167 Zwangs­ab­schie­bun­gen (plus 62 Pro­zent). Zum Ver­gleich: Bay­ern hat den ak­tu­el­len Zah­len des Bun­des­kri­mi­nal­amts zu­fol­ge im glei­chen Zei­t­raum 1577 Men­schen ab­ge­scho­ben, Ba­denWürt­tem­berg 1388.

Zwar le­ben in Nord­rhein-West­fa­len als be­völ­ke­rungs­reichs­tem Bun­des­land auch die meis­ten ab­ge­lehn­ten Asyl­be­wer­ber – rund 60.000. „Doch da­von sind et­wa 45.000 ge­dul­de­te Fäl­le“, be­ton­te der Spre­cher des In­nen­mi­nis­te­ri­ums. In Bay­ern sind es et­wa nur rund 6000 Ge­dul­de­te. Den Sta­tus ei­ner Dul­dung er­hält ein ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber dann, wenn er noch nicht ab­ge­scho­ben wer­den darf. Grund kann zum Bei­spiel das Feh­len von Iden­ti­täts­pa­pie­ren wie Rei­se­päs­sen sein. Ge­dul­de­te ha­ben kei­nen Zu­gang zum Ar­beits­markt und be­kom­men kei­ne So­zi­al­leis­tun­gen.

Den­noch hät­te NRW be­reits mehr Flücht­lin­ge ab­schie­ben kön­nen, wenn das Land ih­nen nicht bis vor Kur­zem noch früh­zei­tig die Ter­mi­ne für ih­re Rück­füh­rung mit­ge­teilt hät­te. Das hat­te da­zu ge­führt, dass vie­le sich der Ab­schie­bung ent­zo­gen.

Aber nicht nur die Ge­dul­de­ten kön­nen nicht ab­ge­scho­ben wer­den. Auch die 1300 il­le­gal hier le­ben­den Nord­afri­ka­ner kön­nen nur sehr müh­sam zu­rück­ge­führt wer­den, ob­wohl es ein ent­spre­chen­des Ab- kom­men mit den Ma­ghreb-Staa­ten Al­ge­ri­en, Ma­rok­ko und Tu­ne­si­en gibt. Doch in der von der Bun­des­re­gie­rung aus­ge­han­del­ten Ver­ein­ba­rung ist fest­ge­hal­ten, dass ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber aus die­sen Staa­ten nur mit der ei­ge­nen staat­li- chen Flug­li­nie zu­rück­ge­bracht wer­den dür­fen – und auch nur ma­xi­mal vier Per­so­nen pro Flug. Wenn Nord­rhein-West­fa­len sie in an­de­ren Ma­schi­nen aus­flie­gen will, wei­gern sich die Staa­ten, sie auf­zu­neh­men. In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger hat­te des­halb vor Kur­zem Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Thomas de Mai­ziè­re (CDU) auf­ge­for­dert, den Druck auf die Ma­ghreb-Staa­ten zu er­hö­hen. Aus Ber­li­ner Re­gie­rungs­krei­sen hieß es, dass das of­fen­bar noch nicht aus­rei­chend pas­siert sei. „Auch wir ha­ben nicht ge­hört, dass sich et­was ge­än­dert hat“, sag­te Jä­gers Spre­cher.

Ins­ge­samt sind 2015 so vie­le Zu­wan­de­rer nach NRW ge­kom­men wie nie seit 1949: 636.000, knapp die Hälf­te mehr als 2014. Da­zu trug maß­geb­lich die Flücht­lings­wel­le bei – die größ­te Zu­wan­de­r­er­grup­pe kam aus Sy­ri­en. Vor al­lem bei den Sy­rern steigt in­zwi­schen der An­teil de­rer, die nur sub­si­diä­ren Schutz er­hal­ten, al­so we­der als Asyl­be­wer­ber noch als Flücht­lin­ge an­er­kannt sind. Für sie ist der Fa­mi­li­en­nach­zug zwei Jah­re lang ver­bo­ten. Po­li­tik

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.