Köln: Neue Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wür­fe

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE - VON DETLEV HÜWEL

Der Un­ter­su­chungs­aus­schuss zur Sil­ves­ter­nacht zeigt sich über­rascht.

DÜS­SEL­DORF Vor dem Köl­ner Haupt­bahn­hof ist es nach Aus­sa­ge der Mit­ar­bei­te­rin ei­ner Be­ra­tungs­stel­le in der Sil­ves­ter­nacht zu Ver­ge­wal­ti­gun­gen zwei­er Frau­en ge­kom­men. Dies be­rich­te­te die Ko­or­di­na­to­rin des Köl­ner Ver­eins „Lob­by für Mäd­chen“, Frau­ke Mahr, im Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Land­tags. Sie be­rief sich auf die An­ga­ben zwei jun­ger Frau­en, die sich an die Be­ra­tungs­stel­le ge­wandt hat­ten. Ei­ne von ih­nen, ei­ne Frau mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, ha­be ge­sagt, sie sei auf dem Bahn­hofs­vor­platz ver­ge­wal­tigt wor­den. „Es war Pe­ne­tra­ti­on“, be­kräf­tig­te Mahr. Ne­ben der Frau sei ei­ne 18-Jäh­ri­ge am Bo­den ver­ge­wal­tigt wor­den; dann sei im Ge­drän­ge plötz­lich ein Po­li­zist auf­ge­taucht. Die Frau mit Mi­gra­ti­ons- hin­ter­grund, die wei­ter in Kon­takt zur Be­ra­tungs­stel­le ste­he, ha­be die Ge­le­gen­heit zur Flucht ge­nutzt. Sie sei da­nach meh­re­re Ta­ge im Kran­ken­haus be­han­delt wor­den und im­mer noch ar­beits­un­fä­hig. Die an­de-

Frau­ke Mahr re Frau ha­be die Be­ra­tungs­stel­le nur ein­mal an­ge­ru­fen.

Bis­her galt als ein­zi­ge Ver­ge­wal­ti­gung der Sil­ves­ter­nacht, dass ei­ner Frau ein Fin­ger in Kör­per­öff­nun­gen ge­steckt wor­den war. Im Un­ter­su­chungs­aus­schuss lös­te die neue Schil­de­rung ges­tern Ver­wun­de­rung aus. Aus den Ak­ten ge­he das nicht her­vor; es ge­be auch kei­nen ent­spre­chen­den Be­richt der Po­li­zei, hieß es. Der Aus­schuss will jetzt ver­su­chen, den Zeit­punkt in Er­fah­rung zu brin­gen, da­mit der Po­li­zei­be­am­te aus­fin­dig ge­macht wer­den kann.

Nach Aus­kunft Mahrs will kei­ne der Frau­en Straf­an­zei­ge stel­len. Da­hin­ter ste­cke wohl die Scheu, vor ei­ner Be­hör­de das Ge­sche­hen zu be­schrei­ben; zu­dem fühl­ten sich Frau­en mit­un­ter in die Be­weis­rol­le ge­drängt. „Was die Mäd­chen er­lebt ha­ben, ist un­vor­stell­bar schlimm“, sag­te Mahr. Je gra­vie­ren­der der Miss­brauch sei, des­to ge­rin­ger sei die Wahr­schein­lich­keit ei­ner An­zei­ge. Ei­ne Frau, die sich ei­ner Be­ra­tungs­stel­le an­ver­traue, wol­le, dass man ihr Glau­ben schen­ke und sie sta­bi­li­sie­re. Sie müs­se sicher sein kön­nen, dass nichts nach au­ßen dringt. Leit­ar­ti­kel

„Was die Mäd­chen

er­lebt ha­ben, ist un­vor­stell­bar schlimm“

Ver­ein „Lob­by für Mäd­chen“Köln

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