ANA­LY­SE

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS -

Mit gro­ßen Er­war­tun­gen be­ginnt in St. Pe­ters­burg ei­ne neue Run­de im deutsch-rus­si­schen Dia­log. Seit der Krim-Anne­xi­on sind die Be­zie­hun­gen fros­tig. Sen­den Mer­kel und Pu­tin jetzt ein Si­gnal zur bes­se­ren Ko­ope­ra­ti­on?

müss­ten sich staat­li­che wie nicht­staat­li­che Or­ga­ni­sa­tio­nen an die Ge­set­ze hal­ten. Punkt. Ge­or­gi Pol­tawt­schen­ko, Gou­ver­neur von St. Pe­ters­burg, setzt noch ei­nen drauf: Der Be­griff „aus­län­di­scher Agent“sei doch gar nicht neu, den ha­be man doch Ge­set­zen west­li­cher De­mo­kra­ti­en ent­lehnt.

Die deut­schen Teil­neh­mer neh­men sich vor, sich da­von nicht ent­mu­ti­gen zu las­sen und bei den nach­fol­gen­den Ar­beits­grup­pen­sit­zun­gen be­son­ders kras­se Bei­spie­le zu nen­nen. Et­wa das der Ver­fech­te­rin von harm­lo­sen Frau­en­pro­jek­ten, der we­gen Tä­tig­keit als „aus­län­di­sche Agen­tin“der Pro­zess ge­macht wer­den soll. Po­fal­la bringt die Über­grif­fe auf Teil­neh­mer ei­nes Ge­schichts­wett­be­werbs der Grup­pe „Me­mo­ri­al“zur Spra­che und er­in­nert dar­an, dass Russ­land schon 130 Grup­pen als „aus­län­di­sche Agen­ten“ge­brand­markt ha­be, sich vie­le da­nach auf­ge­löst hät­ten. Zwei­mal geht Po­fal­la auf die Anne­xi­on der Krim ein, und auch von Fritsch warnt die Rus­sen da­vor, ein neu­es in­ter­na­tio­na­les Sys­tem er­rei­chen zu wol­len. „Wir kön­nen doch nicht wie­der ei­ne Ord­nung der gro­ßen Mäch­te in­sze­nie­ren, in der die Klei­nen nur den Platz ein­neh­men dür­fen, den ih­nen die Gro­ßen zu­wei­sen“, sagt der Di­plo­mat.

Die­se An­sa­ge bleibt oh­ne Bei­fall. Aber als der Pe­ters­bur­ger Gou­ver­neur fest­stellt: „Sie nen­nen die Vor­gän­ge auf der Krim Anne­xi­on, für uns ist es ei­ne Wie­der­ver­ei­ni­gung, die von 95 Pro­zent un­ter­stützt wird“, da klat­schen vie­le Mit­glie­der der rus­si­schen De­le­ga­ti­on. Es ver­spricht mal wie­der of­fen und kon­tro­vers zu wer­den. Fort­schrit­te? Sub­kow be­schwört die Ver­gan­gen­heit, als der Han­dels­aus­tausch noch 80 Mil­li­ar­den Eu­ro um­fass­te – und nicht nur die Hälf­te wie heu­te. Hier die Wen­de zu schaf­fen, scheint Pu­tin dring­lich. Auch Scholz be­schwört die Ver­gan­gen­heit, in­dem er die Ent­wick­lung von Ent­span­nung und Men­schen­rech­ten nach­zeich­net. Auch Scholz sieht ei­nen Licht­blick: das Ab­kom­men von Minsk zur Be­frie­dung der Ukrai­ne. Wenn es hier Fort­schrit­te ge­be, müss­ten auch die EU-Sank­tio­nen ge­gen Russ­land das Bild nicht mehr be­stim­men.

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