Sig­mar Ga­b­ri­els son­der­ba­re Rhe­to­rik

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON MICHAEL BRÖCKER KAI­SER’S-DE­AL: „GABRIEL MUSS RASCH . . ., SEI­TE B 3 VON DETLEV HÜWEL VON JAN DREBES DAS BR­EX­IT-KA­BI­NETT, SEI­TE A 4

Der Vi­ze­kanz­ler und SPD-Chef neigt zur schar­fen Re­plik, wenn es je­mand wagt, ihn zu kri­ti­sie­ren. Da macht Sig­mar Gabriel auch nicht vor Rich­tern halt. So em­pört er sich über an­geb­lich „fal­sche Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen“des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf im Ten­gel­mann-Ur­teil. Das ist schon frech. Das Ge­richt hat­te ziem­lich nüch­tern und sprach­lich di­plo­ma­tisch die „Be­sorg­nis“über ei­ne mög­li­che Be­fan­gen­heit und „feh­len­de Neu­tra­li­tät“bei der Mi­nis­ter­er­laub­nis für die Fu­si­on aus­ge­drückt.

Dass der De­al nicht so trans­pa­rent zu­stan­de ge­kom­men ist, wie es Gabriel mit sei­nem Vo­tum ge­gen die Kar­tell­wäch­ter (und ei­ge­ne Ex­per­ten) weis­ma­chen will, da­für gibt es ja Hin­wei­se. Der Mi­nis­ter kann bis­her nicht er­klä­ren, war­um es kei­ne Ak­ten­no­tiz zu den Ge­sprä­chen mit den Ten­gel­mann- und Ede­ka-Chefs gibt. Und war­um das münd­li­che Re­weAn­ge­bot mit ei­ner Job­zu­sa­ge of­fen­bar kei­ne Rol­le spiel­te. Da­bei hat­te Gabriel ex­pli­zit die Si­che­rung der Ar­beits­plät­ze als aus­schlag­ge­bend ge­nannt. War die Zu­sa­ge von Rewe we­ni­ger wert? Ga­b­ri­els har­sche Re­ak­ti­on sagt nun viel aus über ei­nen Par­tei­chef, der in­nen­po­li­tisch un­ter Druck steht, und ei­nen Vi­ze­kanz­ler mit frag­wür­di­gem Rechts­staats­ver­ständ­nis. BE­RICHT

Neue Fra­gen zu Köln

Mehr als ein hal­bes Jahr nach den Sil­ves­terÜber­grif­fen in Köln gibt es jetzt neue Be­rich­te über Ver­ge­wal­ti­gun­gen auf dem Bahn­hofs­vor­platz und da­mit neue Fra­gen. War­um er­fah­ren wir erst jetzt da­von? Die Schil­de­run­gen stam­men von den bei­den be­trof­fe­nen Frau­en, die sich ei­ner Be­ra­tungs­stel­le an­ver­traut ha­ben. Of­fen­bar moch­ten sie sich nicht an die Be­hör­den – Po­li­zei oder Jus­tiz – wen­den.

Das mag man be­dau­ern, weil sie mög­li­cher­wei­se da­zu bei­tra­gen könn­ten, die Tä­ter ding­fest zu ma­chen. An­de­rer­seits muss man die­se Ent­schei­dung der ge­schun­de­nen Frau­en re­spek­tie­ren. Sie konn­ten sich auf die ih­nen zu­ge­sag­te Dis­kre­ti­on ver­las­sen. Erst jetzt, vor dem Un­ter­su­chungs­aus­schuss, der ge­richt­s­ähn­li­che Voll­mach­ten hat, muss­te die Be­ra­tungs­stel­le ihr Wis­sen an­ony­mi­siert preis­ge­ben.

Bleibt zu hof­fen, dass bald Klar­heit über die­se un­ge­heu­er­li­chen Vor­gän­ge herrscht. An­ge­sichts des rie­si­gen Cha­os bei der Auf­klä­rung der Sil­ves­ter­über­grif­fe (Stich­wort: Lö­schung von Te­le­fon­da­ten) mag man dar­an aber nicht mehr so recht glau­ben. BE­RICHT: KÖLN: NEUE VER­GE­WAL­TI­GUNGS­VOR­WÜR­FE, TI­TEL­SEI­TE

ZJohn­son in der Pflicht

unächst wirkt es wie ein Trep­pen­witz der Ge­schich­te, dass aus­ge­rech­net der zot­te­li­ge, laut­star­ke Wort­füh­rer der Br­ex­it-Kam­pa­gne, Bo­ris John­son, Au­ßen­mi­nis­ter Groß­bri­tan­ni­ens wird. Er, der seit Jah­ren nicht mü­de wur­de, mög­lichst vie­le in­ter­na­tio­na­le Spit­zen­po­li­ti­ker zu be­schimp­fen. Da­bei hat er sich nicht nur vie­le Fein­de ge­macht, de­nen er jetzt über­all auf der Welt wie­der un­ter die Au­gen tre­ten muss. Er hat da­mit auch un­ter Be­weis ge­stellt, dass er kein In­ter­es­se an Di­plo­ma­tie hat.

John­son muss nun erst ein­mal or­dent­lich hin­ter sich selbst auf­räu­men, um über­haupt als Ge­sprächs­part­ner ernst ge­nom­men zu wer­den. An­ders­her­um hat aber die Staa­ten­ge­mein­schaft an­ge­sichts zahl­rei­cher Kri­sen ein In­ter­es­se dar­an, mit dem Au­ßen­mi­nis­ter En­g­lands ver­nünf­tig re­den zu kön­nen – sei­ne Amts­kol­le­gen wer­den ihm al­so ver­zei­hen müs­sen. Und so steht die Ge­win­ne­rin auch schon fest: Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May, die den Br­ex­it nie woll­te, be­ru­higt mit der Personalie vie­le An­hän­ger John­sons in ih­rer Par­tei. Und zwingt den Brand­stif­ter, die Fol­gen sei­nes Han­delns mit­zu­tra­gen. BE­RICHT

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.