Eklat um Po­li­ti­ker-Posts bei Face­book

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON ANDREAS GRUHN

Der Rats­herr stell­te die Ent­schä­di­gung ver­ur­teil­ter Ho­mo­se­xu­el­ler in­fra­ge.

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Ei­ne Ver­öf­fent­li­chung des Mön­chen­glad­ba­cher Kom­mu­nal­po­li­ti­kers Christoph Doh­men (CDU) bei Face­book über die Ent­schä­di­gung ver­ur­teil­ter Ho­mo­se­xu­el­ler hat ei­nen Sturm der Ent­rüs­tung aus­ge­löst. „Ich fin­de, was ges­tern falsch war, muss auch falsch blei­ben, auch wenn es heu­te mög­li­cher­wei­se nicht mehr falsch ist“, schrieb Doh­men (41). Er be­ton­te in ei­nem wei­te­ren Post, es sei ihm um die Fra­ge ge­gan­gen, ob nach heu­ti­ger Ge­set­zes­la­ge in der Ver­gan­gen­heit ge­sche­he­nes Un­recht ent­schä­digt wer­den sol­le, und zog die­sen Ver­gleich: „Fah­re ich heu­te in der Stadt 60 km/h, ob­wohl nur 50 er­laubt ist, wer­de ich be­straft. Wenn auf die­ser Stra­ße in zwei Jah­ren dann Tem­po 70 er­laubt wird, wer­de ich dann auch ent­schä­digt?“

Bis 1994 war Ho­mo­se­xua­li­tät auf­grund des Pa­ra­gra­fen 175 straf­bar. Mehr als 50.000 Män­ner wur­den auf die­ser Grund­la­ge ver­ur­teilt. Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) will die Op­fer nun re­ha­bi­li­tie­ren und ent­schä­di­gen. „Die Op­fer sind durch Ver­fol­gung und Ver­ur­tei­lung im Kern­be­stand ih­rer Men­schen­wür­de ver­letzt wor­den“, sagt da­zu Chris­tia-

Christoph Doh­men ne Lü­ders, Lei­te­rin der An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le des Bun­des.

Po­li­ti­ker und Ak­ti­vis­ten war­fen dem Rats­herrn Ho­mo­pho­bie vor. Der Vor­stand des Glad­ba­cher Chris­to­pher Street Days sprach von ei­ner „grup­pen­be­zo­ge­nen Men­schen­feind­lich­keit“. Der ho­mo­se­xu­el­le Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Vol­ker Beck nann­te die Posts zy­nisch: „Herrn Doh­men geht der Res- pekt vor der Men­schen­wür­de der Ho­mo­se­xu­el­len ab.“Der NRW-Lan­des­ver­band der Les­ben und Schwu­len in der Uni­on schrieb, die Ver­glei­che lie­ßen „Zy­nis­mus und star­ke Ge­schichts­ver­ges­sen­heit er­ken­nen“. Fa­bi­an Spies, Lan­des­vor­sit­zen­der der Schwu­sos, sag­te, die Aus­füh­run­gen re­la­ti­vier­ten ge­sche­he­nes Jus­ti­z­un­recht und im­pli­zier­ten, dass die Ver­ur­tei­lung von Ho­mo­se­xu­el­len auch heu­te noch recht sein kön­ne.

Staats­se­kre­tär Gün­ter Krings, Vor­sit­zen­der der Mön­chen­glad­ba­cher CDU, sag­te: „Ich hät­te das sicher nicht so aus­ge­drückt, wie es Christoph Doh­men aus­ge­drückt hat. Es ist aber ei­ne le­gi­ti­me Mei­nung.“Krings selbst kön­ne sich „prin­zi­pi­ell vor­stel­len, dass ei­ne Ent­schä­di­gung ei­ne an­ge­mes­se­ne hu­ma­ne Ges­te ge­gen­über den­je­ni­gen ist, die dar­un­ter zu lei­den hat­ten“. Doh­men sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on, er be­dau­re den Post, weil er un­ge­wollt je­man­den ver­letzt ha­ben könn­te und nun im Netz ei­ne Hetz­jagd statt­fin­de.

„Was ges­tern falsch war, muss falsch blei­ben, auch wenn es heu­te nicht mehr falsch ist“

CDU

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