Ein­wan­de­rungs­land Deutsch­land

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

2015 sind so vie­le Men­schen in die Re­pu­blik und nach NRW ge­kom­men wie noch nie. Ein Grund: der star­ke Zustrom von Flücht­lin­gen.

BER­LIN/WIES­BA­DEN (RP) Ein be­lieb­tes Ein­wan­de­rungs­land ist Deutsch­land schon lan­ge. So vie­le Men­schen wie 2015 sind al­ler­dings seit Be­ste­hen der Bun­des­re­pu­blik noch nie ge­kom­men. Gleich­zei­tig ver­lie­ßen aber auch noch nie so vie­le Men­schen – Aus­län­der wie Deut­sche – das Land. So er­gibt sich, wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt ges­tern mit­teil­te, un­term Strich ein Plus von rund 1,1 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land – eben­falls ein Re­kord. Zu­wan­de­rung Mehr als 2,1 Mil­lio­nen Men­schen ka­men ins Land, vor al­lem Flücht­lin­ge aus den Kriegs­re­gio­nen und Ar­beits­su­chen­de aus dem EU-Aus­land. Das wa­ren laut Sta­tis­tik 672.000 Men­schen oder 46 Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Die größ­te Grup­pe der Zu­wan­de­rer hat­te ei­nen sy­ri­schen Pass (310.000), ge­folgt von Ru­mä­nen (221.000) und Po­len (191.000). Et­wa 45 Pro­zent der Ein­wan­de­rer ka­men aus ei­nem EUMit­glieds­land. Das wa­ren ins­ge­samt et­wa 967.000 Men­schen (plus vier Pro­zent). In­ner­halb Eu­ro­pas sorg­ten Al­ba­ner ( um 35.000 auf 47.000), Ru­mä­nen (um 12.000 auf 90.000), Kroa­ten (um 15.000 auf 40.000) und Bul­ga­ren (um 5000 auf 40.000) für die stärks­ten Zu­wäch­se. Aus Po­len ka­men et­wa so vie­le Men­schen wie im Vor­jahr. Die Zu­wan­de­rung aus süd­eu­ro­päi­schen Kri­sen­staa­ten spiel­te den Sta­tis­ti­kern zu­fol­ge ei­ne ge­rin­ge Rol­le. Ab­wan­de­rung 2015 ver­lie­ßen so vie­le Men­schen die Bun­des­re­pu­blik wie in kei­nem Jahr zu­vor. 998.000 Per­so­nen wan­der­ten aus, 83.000 (neun Pro­zent) mehr als im Jahr zu- vor. Dar­un­ter wa­ren 138.000 Deut­sche, die ih­re Hei­mat ver­lie­ßen. Vier von zehn da­von zog es da­bei ins EUAus­land. Mit Ab­stand be­lieb­tes­tes Zi­el­land: die Schweiz, ge­folgt von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und Ös­ter­reich. Bun­des­län­der Ins­ge­samt ver­zeich­ne­ten al­le Bun­des­län­der für 2015 mehr Zu­wan­de­rung. Al­ler­dings kon­zen­trier­te sie sich zu fast drei Vier­teln auf fünf Bun­des­län­der: Den höchs­ten Wan­de­rungs­über­schuss hat­te Nord­rhein-West­fa­len (277.000), ge­folgt von Ba­den-Wür­tem­berg (173.000), Bay­ern (169.000), Nie­der­sach­sen (115.000) und Hes­sen (95.000). NRW Mit 636.300 Zu­wan­de­rern ka­men 2015 so vie­le Men­schen nach Nord­rhein-West­fa­len wie noch nie seit Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik 1949. Die meis­ten Zu­wan­de­rer ka­men aus Sy­ri­en (77.000), Ru­mä­ni­en (45.100), Po­len (44.400), Irak (26.100) und Al­ba­ni­en (24.500). Mög­li­cher­wei­se ist die Zu­wan­de­rung so­gar ein his­to­ri­scher Re­kord: Aus den ers­ten Jah­ren seit 1946 lie­gen aber laut Lan­des­amt für Sta­tis­tik kei­ne ver­läss­li­chen Da­ten für NRW vor. Im bis­he­ri­gen Re­kord­jahr 1990 wa­ren 497.700 Men­schen nach NRW ge­kom­men.

Un­term Strich ist die Ein­woh­ner­zahl von NRW aber nur um 1,3 Pro­zent (227.400 Men­schen) ge­stie­gen. Denn das Land hat­te zu­gleich ei­nen er­heb­li­chen Ader­lass zu ver­kraf­ten: 372.300 Men­schen kehr­ten NRW im ver­gan­ge­nen Jahr den Rü­cken – neun Pro­zent mehr als im Jahr zu­vor. 211.100 NRW-Bür­ger gin­gen ins Kle­ve -6332 Aus­land, über­wie­gend nach Po­len, Ru­mä­ni­en und Bul­ga­ri­en.

Auch die Bi­lanz bei Ge­bur­ten und Ster­be­fäl­len drück­te auf die Ein­woh­ner­zahl: 2015 star­ben in NRW 43.900 Men­schen mehr, als Kin­der ge­bo­ren wur­den. En­de ver­gan­ge­nen Jah­res leb­ten in Nord­rhein-West­fa­len 17,9 Mil­lio­nen Men­schen. Der Höchst­stand von 18,1 Mil­lio­nen Men­schen aus dem Jahr 2003 wur­de da­mit nicht er­reicht.

Die vor­läu­fi­ge Sta­tis­tik ba­siert auf den An­ga­ben der Mel­de­be­hör­den und bil­det nach Ein­schät­zung des

Düs­sel­dorf Bun­des­am­tes die Wirk­lich­keit nicht ge­nau ab, vor al­lem weil sich ei­ni­ge Flücht­lin­ge noch nicht an­mel­den konn­ten, an­de­re wur­den mög­li­cher­wei­se dop­pelt er­fasst. Flücht­lin­ge Wenn sich die Flücht­lin­ge den Wohn­ort aus­su­chen kön­nen, zie­hen die meis­ten in städ­ti­sche Bal­lungs­räu­me. Zu­gleich stre­ben sie in je­ne Re­gio­nen, in de­nen sie schon Freun­de oder Ver­wand­te ha­ben. Die Bun­des­agen­tur für Ar­beit hat un­ter die Lu­pe ge­nom­men, wo­hin die Asyl­be­wer­ber aus den acht Duis­burg 910 -2818

Bonn -1304 - 764 wich­tigs­ten nicht-eu­ro­päi­schen Her­kunfts­län­dern zie­hen. Ins­ge­samt wur­den die Wohn­adres­sen von 215.000 Flücht­lin­gen be­rück­sich­tigt. Es han­delt sich um je­ne Grup­pe, die schon ei­nen Auf­ent­halts­sta­tus hat und als er­werbs­fä­hig ge­mel­det ist. Ver­tei­lung Die Ana­ly­sen der Bun­des­agen­tur zei­gen, dass es ei­ne ho­he Kon­zen­tra­ti­on von Flücht­lin­gen in NRW, in Hes­sen, in Ham­burg und in Ber­lin gibt. Auch nach Nie­der­sach­sen und ins klei­ne Saar­land sind vie­le ge­zo­gen. Im Os­ten, in Bay­ern und in Ba­den-Würt­tem­berg ist die Kon­zen­tra­ti­on eher ge­ring. Ein­zel­ne Na­tio­na­li­tä­ten tum­meln sich in be­stimm­ten Re­gio­nen: Af­gha­nen be­vor­zu­gen das süd­li­che Hes­sen und Ham­burg. Men­schen aus dem Irak sind vor al­lem in NRW und Ber­lin zu fin­den. Auch Ira­ner stre­ben eher nach NRW, aber auch nach Hes­sen und Ber­lin. Gro­ße Grup­pen von Pa­kis­ta­nern le­ben in Hes­sen, in Ber­lin und Ham­burg. Die größ­te Streu­ung zei­gen die Sy­rer, die auch die größ­te Grup­pe der Flücht­lin­ge sind. Sie fin­den sich schwer­punkt­mä­ßig in Nord­rheinWest­fa­len, im Saar­land, in Nie­der­sach­sen, in Ham­burg und Ber­lin. Aus Sicht der Kom­mu­nen ist die Bal­lung ein­zel­ner Na­tio­na­li­tä­ten ein Pro­blem, sie fürch­ten Ghet­toi­sie­rung. Wenn Flücht­lin­ge ge­nug Lands­leu­te um sich ha­ben, sei der Druck, sich zu in­te­grie­ren und Deutsch zu ler­nen, ge­rin­ger, als in deut­scher Nach­bar­schaft. Wohn­sitz­auf­la­ge Die Bun­des­re­gie­rung re­agier­te auf die Sor­gen der Kom­mu­nen mit der Wohn­sitz­auf­la­ge. Sie ver­pflich­tet die Flücht­lin­ge, in je­nem Bun­des­land zu blei­ben, in dem ihr Asyl­ver­fah­ren läuft. Die Län­der kön­nen zu­sätz­li­che Wohn­sitz­auf­la­gen ma­chen, in­dem sie den Flücht­lin­gen vor­schrei­ben, in wel­chen Kreis oder wel­che Stadt sie zie­hen sol­len. Al­ter­na­tiv kön­nen die Län­der auch be­stim­men, dass die Flücht­lin­ge frei sind in ih­rer Wohn­ort­wahl – da­bei aber be­stimm­te Städ­te oder Stra­ßen­zü­ge aus­neh­men, in de­nen be­reits be­son­ders vie­le Flücht­lin­ge le­ben.

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