Kai­ser’s-De­al: „Gabriel muss rasch auf­klä­ren“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON JAN DREBES UND GE­ORG WIN­TERS

Die Op­po­si­ti­on macht Druck auf den Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter, den der OLG-Be­schluss be­las­tet.

BER­LIN/DÜS­SEL­DORF In den Streit zwi­schen Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Gabriel (SPD) und dem Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf um die Mi­nis­ter­er­laub­nis für die Über­nah­me von Kai­ser’s Ten­gel­mann durch Ede­ka hat sich die Op­po­si­ti­on ein­ge­schal­tet. Die wett­be­werbs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen-Frak­ti­on, Kat­ha­ri­na Drö­ge, sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Sig­mar Gabriel muss jetzt schnell und um­fas­send auf­klä­ren, wann er was mit wem ver­han­delt hat.“Es kön­ne nicht sein, dass es kei­ne Mit­schrift der Ge­sprä­che zwi­schen ihm so­wie den Kon­zern­chefs Haub (Ten­gel­mann) und Mo­sa (Ede­ka) ge­be, sag­te Drö­ge. „Hier­durch ent­ste­hen be­rech­tig­te Zwei­fel, ob Ga­b­ri­els Ver­si­on die rich­ti­ge ist“, so die Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin.

Auch Lin­ken-Par­tei­chef Bernd Ri­ex­in­ger kri­ti­siert Gabriel scharf. „Dass nun durch Ver­säum­nis­se im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um die Trans­pa­renz und Fair­ness des Ver­fah­rens nicht ge­währ­leis­tet sind, ist är­ger­lich“, sag­te er.

Man­geln­de Trans­pa­renz – das ist der Vor­wurf, den das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf (OLG) Gabriel in sei­nem Be­schluss macht. Das Ge­richt äu­ßer­te sich ges­tern nicht zu den Vor­wür­fen Ga­b­ri­els (er hat­te dem OLG fal­sche Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen vor­ge­wor­fen) und ver­wies nur auf sei­ne Ent­schei­dung vom Di­ens­tag. In der steht ent­ge­gen Ga­b­ri­els Kri­tik auch gar nicht, dass das Ge­richt ihm Be­fan­gen­heit vor­wirft. Das OLG spricht „nur“von der „Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit“und be­grün­det dies un­ter an­de­rem da­mit, dass Gabriel das Ver­fah­ren so ge­stal­tet ha­be, „dass Rewe und Mar­kant den Ein­druck ge­win­nen muss­ten, der Mi­nis­ter füh­re das Ver­fah­ren ein­sei­tig zu­guns­ten der zu­sam­men­schluss­be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men“.

Be­mer­kens­wert ist in der Tat bei­spiels­wei­se, dass Gabriel laut OLGBe­schluss noch vor dem Ein­gang ei­nes schrift­li­chen Rewe-An­ge­bots vom 30. No­vem­ber (mit Er­halt al­ler Kai­ser’s-Jobs) ei­nen Vor­schlag ge­macht hat, in dem er als so­ge­nann­te Rück­fall­po­si­ti­on für Ede­ka den Ab­bau von ma­xi­mal zehn Pro­zent des Kai­ser’s-Per­so­nals bin­nen fünf Jah­ren nennt. Dies wird als Al­ter­na­ti­ve er­wähnt, falls der be­ste­hen­de An­trag auf Mi­nis­ter­er­laub­nis ab­ge­lehnt, ei­ne Auf­tei­lung von Kai­ser’s er­wo­gen wer­de oder Ede­ka ein neu­es An­ge­bot vor­le­ge. Dass Gabriel die­se Al­ter­na­ti­ve hand­schrift­lich er­gänz­te, oh­ne das an­ge­kün­dig­te und in Sa­chen Stel­len­ab­bau bes­se­re An­ge­bot von Rewe ge­prüft zu ha­ben, ist schwer nach­voll­zieh­bar.

Ge­nau wie die Tat­sa­che, dass Ge­sprä­che mit Ede­ka- und Ten­gel­mann-Ver­ant­wort­li­chen An­fang De­zem­ber zwar durch Gabriel selbst vor­ge­schla­gen, aber nir­gend­wo in den Ak­ten durch das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um pro­to­kol­liert wor­den sind. „Grün­de, die es recht­fer­ti­gen konn­ten, mit Ver­ant­wort­li­chen von Ede­ka und Kai­ser’s Ten­gel­mann Ge­sprä­che un­ter Aus­schluss der üb­ri­gen Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten zu füh­ren so­wie die Tat­sa­che der bei­den Sechs-Au­gen-Ge­sprä­che als sol­che und den Ge­sprächs­in­halt in Gän­ze ge­heim zu hal­ten, sind nicht er­sicht­lich“, heißt es im Be­schluss des Ober­lan­des­ge­richts.

FO­TO: IM­A­GO

Ede­ka ist größ­ter deut­scher Le­bens­mit­tel­händ­ler, Kai­ser’s Nr. 13.

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