Ju­ry gibt Froo­me das Gel­be Tri­kot zu­rück

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON EMA­NU­EL REIN­KE

Der bri­ti­sche Rad­pro­fi ver­liert Zeit bei ei­nem un­ver­schul­de­ten Sturz, doch die Tour-Lei­tung sorgt für ein Hap­py End.

MONT VEN­TOUX (sid) In sei­ner Ver­zweif­lung rann­te Chris Froo­me im Gel­ben Tri­kot den le­gen­dä­ren Mont Ven­toux hin­auf – und schließ­lich fand ei­ner der größ­ten Skan­da­le der Tour-Ge­schich­te doch noch ein Hap­py End für den bri­ti­schen Rad­pro­fi. Trotz ei­nes Crashs mit ei­nem TV-Mo­tor­rad hat Froo­me die Ge­samt­füh­rung ver­tei­digt und sei­nen ärgs­ten Ri­va­len um Nai­ro Quin­ta­na so­gar wei­te­re Zeit ab­ge­nom­men.

„Ich bin sehr er­leich­tert. Die Ent­schei­dung der Kom­mis­sa­re ist kor­rekt. Ich dan­ke der Or­ga­ni­sa­ti­on der Tour de Fran­ce“, sag­te Froo­me, nach­dem die Ju­ry um 18.04 Uhr die ein­zig rich­ti­ge Ent­schei­dung ge­trof­fen und das Etap­pen­er­geb­nis zu­guns­ten des Bri­ten noch ein­mal ge­kippt hat­te. Sie­ger blieb al­ler­dings der Bel­gi­er Thomas De Gendt, der als Aus­rei­ßer nichts mit den Ge­scheh­nis­sen um Froo­me zu tun ge­habt hat­te.

Der 31-Jäh­ri­ge durf­te da­mit nach ban­gen 30 Mi­nu­ten tief durch­at­men und ist sei­nem drit­ten Tour-Sieg er­neut ein Stück nä­her­ge­kom­men. Der Schre­cken nach den üb­len Sze­nen am my­thi­schen Gip­fel in der Pro­vence war dem er­fah­re­nen Froo­me aber noch deut­lich an­zu­mer­ken. Der ge­bür­ti­ge Ke­nia­ner hat­te auf dem we­gen hef­ti­ger Win­de ver­kürz­ten Schluss­an­stieg ins Ziel sei­ne größ­ten Kon­tra­hen­ten um den Ko­lum­bia­ner Quin­ta­na schon ab­ge­hängt. Doch an­dert­halb Ki­lo­me­ter vor dem Ziel kam un­mit­tel­bar vor der klei­nen Grup­pe um Froo­me ein Mo­tor­rad ab­rupt zum Ste­hen, nach­dem es förm­lich in ei­ner Wand von dis­zi­plin­lo­sen Fans ste­cken ge­blie­ben war. Der Aus­tra­li­er Ri­chie Por­te, der Nie­der­län­der Bau­ke Mol­le­ma und schließ­lich auch Froo­me rausch­ten ins Stau­en­de – den Bri­ten er­wisch­te es am schlimms­ten.

In sei­nen Rad­schu­hen sprin­te­te Froo­me berg­auf, wäh­rend sei­ne Ri­va­len nicht halt mach­ten und vor­bei­zo­gen – zu­min­dest ein dis­ku­ta­bles Ver­hal­ten. Auf ein Er­satz­bike war­te­te der Bri­te quä­lend lan­ge. Froo­me ver­lor mehr als ei­ne Mi­nu­te auf Quin­ta­na und Co., in der zu­nächst gül­ti­gen Ge­samt­wer­tung führ­te Ya­tes mit neun Se­kun­den vor Mol­le­ma, Quin­ta­na (14) war Drit­ter. Froo­me (53) lag auf Platz sechs. „So will ich das Tri­kot nicht ge­win­nen. Ich will es mit den Bei­nen ho­len“, sag­te Ya­tes. Nach kur­zer Be­ra­tung kipp­te die Ju­ry das Re­sul­tat, wer­te­te die Ab­stän­de zum Zeit­punkt des Stur­zes, als Froo­me rund 20 Se­kun­den vor Ya­tes und Quin­ta­na lag. Da­mit liegt der Bri­te in der Ge­samt­wer­tung nun 47 Se­kun­den vor Ya­tes, Quin­ta­na (54) ist Drit­ter.

Nach der Ju­ry-Ent­schei­dung herrsch­te im Sky-La­ger aus­ge­las­se­ne Stim­mung, Ka­pi­tän Froo­me durf­te sich lie­be­vol­le Frot­ze­lei­en an­hö­ren. „Chris ist Ke­nia­ner. Da er­war­tet man, dass er zu Fuß los­rennt, wenn er kein Fahr­rad hat“, wit­zel­te Sky-Fah­rer Ge­raint Thomas.

Aus deut­scher Sicht war al­lein der Auf­tritt von Sprint-Ass André Grei­pel be­mer­kens­wert. Der „Go­ril­la“, der zur teil­wei­se 20 Mi­nu­ten ent­eil­ten Aus­rei­ßer­grup­pe ge­hör­te, ver­such­te sich als „Berg-Go­ril­la“und at­ta­ckier­te am Fu­ße des Ven­toux. Letzt­lich war das 34 Jah­re al­te Kraft­pa­ket aus Ros­tock aber chan­cen­los und wur­de schnell durch­ge­reicht.

To­ny Mar­tin, der 2009 als Zwei­ter für das bes­te deut­sche Er­geb­nis auf dem Ven­toux ge­sorgt hat­te, hielt sich zu­rück. Der drei­ma­li­ge Zeit­fahr-Welt­meis­ter spar­te Kör­ner für den Kampf ge­gen die Uhr heu­te über 37,5 km nach La Ca­ver­ne du Pont-d’Arc, wo er sich Sieg­chan­cen aus­rech­net.

FO­TO: REU­TERS

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