Tlat­lik schmun­zelt über Wer­be­gag

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER SPORT - VON THOMAS SCHUL­ZE

Der Düs­sel­dor­fer Pro­fi­bo­xer steigt heu­te in Mün­chen in den Ring. Sein Her­aus­for­de­rer mit dem Künst­ler­na­men Ho­wik Be­bra­ham soll als Nach­fol­ger von Ex-Welt­meis­ter Ar­thur Abra­ham auf­ge­baut wer­den.

Die „Mia san mia“-Men­ta­li­tät der Bay­ern ist hin­läng­lich be­kannt. Jetzt hat sie auch der Ar­me­ni­er Ho­wik Bar­se­g­jan auf ein­drucks­vol­le Wei­se ken­nen­ge­lernt. Der 25 Jah­re al­te Bo­xer, der für den TSV 1860 Mün­chen 162 von 170 Ama­teur­kämp­fen ge­wann und sich des­halb auch „Der Lö­we“nennt, wech­sel­te im Ok­to­ber 2015 als Pro­fi in den Box­stall der Pro­mo­ter Alex­an­der Pet­ko­vic und Na­di­ne Ra­sche. Und sie ha­ben gro­ße Plä­ne für ih­ren Schütz­ling ge­schmie­det. Des­halb ha­ben sie Bar­se­g­jan auch den Künst­ler­na­men Be­bra­ham ver­passt – er soll der Nach­fol­ger von Ar­thur Abra­ham wer­den. „Ich bin ganz fest da­von über­zeugt, dass Ho­wik der ers­te of­fi­zi­el­le baye­ri­sche Box­welt­meis­ter wird“, sagt Pet­ko­vic. Auf dem Weg dort­hin muss er heu­te den Düs­sel­dor­fer Ro­bert Tlat­lik aus dem Weg räu­men. Der 27 Jah­re al­te Kämp­fer aus dem Box­camp von Trai­ner Stefan Freu­den­reich ist in­ter­na­tio­na­ler deut­scher Meis­ter im Su­per-Leicht­ge­wicht und hat al­le 18 Pro­fi­kämp­fe ge­won­nen.

Für Be­bra­ham, der jetzt im DreiMo­nats-Takt Kämp­fe be­strei­tet, ist es sein vier­ter Auf­tritt als Pro­fi. Dass er im­mer nur in Mün­chen in den Ring klet­tert, sei Teil der Mar­ke­ting­stra­te­gie. Doch das neh­men die Düs­sel­dor­fer dem baye­ri­schen Ma­nage­ment nicht oh­ne Wei­te­res ab. „In Bay­ern ist es schwie­rig zu ge­win­nen“, sagt Ro­bert Tlat­lik. „Da schlägt manch­mal das Herz für die hei­mi­schen Bo­xer und des­halb sind die Punkt­rich­ter nicht im­mer ganz so ob­jek­tiv.“Da­her er­gibt sich sein Plan fast von selbst: „Ich muss klar ge­win­nen, am bes­ten vor­zei­tig, dann kann es auch kei­ne Mau­schelein ge­ben.“

Na­tür­lich hat sich Tlat­lik bes­tens auf die­sen Kampf vor knapp 3000 Zu­schau­ern im Ball­haus Fo­rum, der Event­lo­ca­ti­on mit Ho­tel, in Un­ter­schleiß­heim vor­be­rei­tet. „Stefan hat mich nicht ge­schont und mir al­les ab­ver­langt“, sagt er und blickt zu sei­nem Trai­ner. „Wir ha­ben meist zwei­mal pro Tag ge­ar­bei­tet.“Fünf­ein­halb Wo­chen hat er in­ten­siv trai­niert, da­mit sei­ne Bi­lanz auch nach dem 19. Kampf ma­kel­los ist. Für ihn spricht die Er­fah­rung als Pro­fi­bo­xer. „Ho­wik hat zwar 170 Ama­teur­kämp­fe be­strit­ten, aber das ging im­mer nur über drei Run­den“, er­klärt Tlat­lik, des­sen Trai­ner Stefan Freu­den­reich da­her mit ei­nem stür­mi­schen Be­ginn von Be­bra­ham rech­net: „Er wird ver­su­chen, den Kampf früh zu be­en­den. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass er den Kampf hin­ten raus bo­xe­risch ge­win­nen will.“

Doch für Tlat­lik ist der Kampf nur eins von drei auf­re­gen­den Er­eig­nis­sen in den nächs­ten Mo­na­ten. Un­mit­tel­bar nach dem Kampf wird der Stu­dent für an­ge­wand­te Ko­gni­ti­ons- und Me­di­en­wis­sen­schaft sei­ne Ba­che­l­or­ar­beit in An­griff neh­men, die er am liebs­ten bis No­vem­ber ab­schlie­ßen möch­te. Denn dann er­war­tet sei­ne Freun­din Scar­lett das ers­te Kind.

Weg­wei­send ist der Kampf, der im In­ter­net li­ve und am Sams­tag auf SAT1 ge­zeigt wird, auf je­den Fall. Der Sie­ger darf auf gu­te in­ter­na­tio­na­le An­ge­bo­te hof­fen. Ei­nes aber ist sicher: Wenn Tlat­lik ge­winnt, wird er auf kei­nen Fall den Künst­ler­na­men Ce­bra­ham an­neh­men.

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