Hei­ne-In­sti­tut zeigt „Dich­ter in Ba­de­ho­sen“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KULTUR - VON JES­SI­CA BALLEER

14 Ur­laubs­fo­tos von Schrift­stel­lern sind seit ges­tern in der Trep­pen­haus­aus­stel­lung zu se­hen. Vor­trä­ge be­glei­ten die Aus­stel­lung.

Um­strit­ten war die­ser Hanns Heinz Ewers schon zu Leb­zei­ten. Ein Pro­vo­ka­teur von Dich­ter, der die The­men Ero­tik und Fan­tas­tik lieb­te und be­dien­te. Auch in der neu­en Aus­stel­lung des Düs­sel­dor­fer Hei­ne-In­sti­tuts ist es ein Bild von Ewers, das in Er­in­ne­rung bleibt: Auf ei­nem Fo­to aus dem Jah­re 1903 ist der Glo­be­trot­ter mit sei­ner Frau beim

Mar­tin Wil­lems Nackt­ba­den am da­ma­li­gen „FKKHots­pot“Ca­pri zu se­hen. Ein Schrift­stel­ler im Ur­laub? Das gab es.

Und ge­nau ge­nom­men ist es nicht nur ein, son­dern sind es gleich 14 Schnapp­schüs­se, die die Trep­pen­haus­aus­stel­lung „Dich­ter in Ba­de­ho­sen“zeigt. Jan von Holtum, Mit­ar­bei­ter am Hei­ne-In­sti­tut, er­öff­ne­te sie mit sei­nem Vor­trag „Hein­rich Hei­ne im See­bad“– da­zu wur­den leich­te Pe­tit Fours und Sand­dornCock­tails ge­reicht. „Schrift­stel­ler wer­den oft als rei­ne Geis­tes­men­schen ge­se­hen, sie sind aber auch in den Ur­laub ge­fah­ren und ha­ben na­tür­lich all­täg­li­che Din­ge ge­tan“, sagt Ku­ra­tor Mar­tin Wil­lems. Die Idee zu die­ser Aus­stel­lung kam Wil­lems und le und Ba­de­mo­de der ver­gan­ge­nen Zeit. Bloß­ge­stellt wer­den die Schrift­stel­ler auf kei­nem Bild. Denn ei­nen erns­ten Aspekt ver­schwei­gen ge­ra­de die Fo­tos nicht, die Dich­ter im Exil zei­gen. Vie­le Aus­lands­rei­sen sind durch deut­sche NS-Macht­ha­ber er­zwun­gen wor­den. So sind Hein­rich Mann und Li­on Feucht­wan­ger am Strand von Sa­na­ry-SurMer an der fran­zö­si­schen Cô­te d’Azur zu se­hen – ei­nem Treff­punkt vie­ler im Exil le­ben­der Dich­ter.

Zi­ta­te, Ein­sich­ten in Ta­ge­buch­ein­trä­ge und die Vor­le­sun­gen rund um die Trep­pen­haus­aus­stel­lung ver­lei­hen der Schau wei­te­re Tie­fe. Et­wa die Le­sung „Die Ge­burts­stun­de der Feu­er­zan­gen­bow­le am Starn­ber­ger See“am 7. Sep­tem­ber (19.30 Uhr). Sie wird Ein­bli­cke in die Ge­dan­ken Hein­rich Spo­erls zu­las­sen, der im Au­gust 1931 mit ei­ner Schreib­blo­cka­de und in Geld­not nach Leo­ni reis­te. Brie­fe be­zeu­gen, wie ver­zwei­felt Spo­erl zu­nächst war. Am Starn­ber­ger See aber fand er In­spi­ra­ti­on.

Die „Feu­er­zan­gen­bow­le“ent­sprang sei­ner Fe­der – und da­mit ei­nes der heu­te be­kann­tes­ten Wer­ke deut­scher Li­te­ra­tur- und Film­ge­schich­te. Den Vor­trag im Sep­tem­ber wird ei­ne Nach­fah­rin von ihm mit­ge­stal­ten: Anna-Kat­ha­ri­na Spo­erl Kolb, die En­ke­lin des Dich­ters, wird im Hei­ne-In­sti­tut aus den Brief­wech­seln zwi­schen Hein­rich Spo­erl und des­sen Ehe­frau le­sen – pas­sen­der­wei­se wer­den an dem Abend „Brezn“und Weiß­bier ge­reicht.

„Schrift­stel­ler wer­den oft als rei­ne Geis­tes­men­schen ge­se­hen, sie sind aber auch in den

Ur­laub ge­fah­ren“

Ku­ra­tor

Schrift­stel­ler und Hu­ma­nist Her­bert Eu­len­berg ba­det im Jor­dan (1927).

Hein­rich Spo­erl mit Ger­trud und Sohn Alex­an­der am Schlier­see (1933).

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