Ko­chen als Er­leb­nis

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON KAT­HA­RI­NA PAVLUSTYK

Sch­nib­beln, rüh­ren, an­rich­ten: Koch­kur­se sind bei Düs­sel­dor­fern be­liebt. Doch war­um ist das ei­gent­lich so?

Das Mes­ser in der ei­nen Hand, den Fisch in der an­de­ren: Lau­ra Ken­gels ist be­reit für die ers­te Auf­ga­be im Koch­kurs „Fi­schers Fritz“. Die Düs­sel­dor­fe­rin kocht zu Hau­se viel, will in der Koch­schu­le im Me­di­en­ha­fen ler­nen, wie sie Fisch rich­tig zu­be­rei­tet. Zu­sam­men mit ih­ren El­tern Man­fred und El­ly Ken­gels, ih­rem Part­ner Niclas Kur­sie­fen, ih­rem Bru­der Chris­ti­an und sei­ner Freun­din Si­byl­le Schmid steht sie in der Kü­che und lauscht den An­wei­sun­gen von Chef­koch Ste­ve Dens­born.

Zu ver­dan­ken hat die Fa­mi­lie den Kurs Man­fred Ken­gels, der sei­nen Lie­ben ei­nen schö­nen Tag ge­schenkt hat. „Wir ha­ben das ein­mal mit Freun­den ge­macht“, sagt er. Das ge­mein­sa­me Ko­chen brin­ge nä­her zu­sam­men. Aber das Fa­mi­li­en­ober­haupt ver­bin­det noch mehr da­mit: „Kom­mu­ni­ka­ti­on, Han­dys aus­schal­ten, Spaß ha­ben, gut le­ben.“

„Ko­chen ist wie­der in“, sagt Ti­na Schee­rer. Sie führt mit Patri­cia Roa Ca­na­les die Koch­schu­le, die An­fang Ju­ni er­öff­net wur­de. „Ich ken­ne von mei­ner Groß­mut­ter, dass man ge­mein­sam ge­kocht und ge­ges­sen hat“, sagt Schee­rer. Heu­te hin­ge­gen es­sen vie­le Fa­mi­li­en in ge­trenn­ten Zim­mern oder vor dem Fern­se­her, Singles ge­hen al­lein ins Re­stau­rant. Das wol­len die bei­den Ge­schäfts- part­ne­rin­nen än­dern. Die Teil­neh­mer ih­rer Kur­se sol­len Ge­sel­lig­keit beim Ko­chen und Es­sen er­fah­ren – und wis­sen, was sich da auf ih­ren Tel­lern be­fin­det. Oft­mals trau­en sich die Teil­neh­mer nicht an be­stimm­te Ge­rich­te, Fisch zum Bei­spiel. „Hier be­kom­men sie ei­nen Leit­fa­den, um die Spei­sen zu Hau­se nach­zu­ko­chen“, sagt Schee­rer.

Zum Bei­spiel das Fi­le­tie­ren ei­nes Fischs: Das Mes­ser muss scharf sein, mit bieg­sa­mer Klin­ge, mit der man an der Grä­te ent­lang­scha­ben kann, er­klärt Koch Dens­born. Jetzt sind die Ken­gels dran: Das Mes­ser hin­ter der Brust­flos­se an­set­zen, dre­hen, bis zum Schwanz füh­ren, und das Gan­ze auf der an­de­ren Sei­te wie­der­ho­len. Was bei Dens­born leicht aus­sieht, er­for­dert bei den Koch­schü­lern viel Kon­zen­tra­ti­on.

Den Aha-Ef­fekt su­chen auch vie­le Teil­neh­mer, die in die Düs­sel­dor­fer Koch­schu­le von Marc Ger­ber­mann kom­men. Die Kli­en­tel sei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ei­ne an­de­re ge­wor­den, sagt er: In den An­fän­gen sei­ner Koch­schu­le sei das Durch­schnitts­al­ter der Teil­neh­mer 40 plus ge­we­sen. Meist Män­ner, die von ih­ren Frau­en in die Kur­se ge­schickt wur­den. „Heu­te ha­ben wir mehr Leu­te um die 30, in de­ren Kind­heit die El­tern ten­den­zi­ell ar­bei­ten wa­ren.“Die­se Teil­neh­mer wol­len Wis­sens­lü­cken schlie­ßen. Wie be­rei­te ich Hum­mer oder ei­ne per­fek­te So­ße zu? Wie bra­te ich Fleisch an? Das In­ter­es­se an spe­zi­fi­schen Teil­be­rei­chen des Ko­chens ist hoch.

Ei­ne ge­stie­ge­ne Nach­fra­ge nach Koch­kur­sen be­stä­tigt auch Frank Petz­chen. Sei­ne Koch­buch­hand­lung na­he dem Carls­platz gibt es seit 2005. Er sagt, die Teil­neh­mer woll­ten nicht nur ko­chen ler­nen, son­dern such­ten nach ei­ner Al­ter­na­ti­ve zum Re­stau­rant­be­such. „Vie­len ist es zu lang­wei­lig, im­mer die glei­che Spei­se­kar­te zu le­sen“, sagt Petz­chen. „Das Gros ist da, um Wis­sen zu ver­tie­fen und Leu­te ken­nen­zu­ler­nen.“Und ei­ni­ge wol­len ko­chen ler­nen, weil sie nach ei­ner Schei­dung oder dem Tod der Ehe­frau al­lein zu­recht­kom­men müs­sen. Die Mo­ti­va­ti­on der Koch­schü­ler ist so in­di­vi­du­ell wie sie selbst.

Das lässt sich auch über die Kun­den der Pem­pel­for­ter Koch­schu­le „Da cooks­te!“sa­gen. „Die Leu­te sind schon sehr an­spruchs­voll. Sie wol­len nicht nur Zwie­beln schä­len“, sagt Ge­schäfts­füh­re­rin Andrea Gabriel. Die meis­ten Teil­neh­mer hät­ten brei­tes Wis­sen, das sie ver­tie­fen woll­ten. „Die fra­gen die Kö­che rich­tig aus.“Äl­te­re Kun­den möch­ten Neu­es ler­nen, jün­ge­re nach­ho­len, was sie zu Hau­se nicht ge­lernt ha­ben. Doch die meis­ten ver­ei­ne der Wunsch nach Ge­sel­lig­keit, nach Un­ter­hal­tung, In­ter­ak­ti­on.

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