„Uto­pisch heißt nicht un­rea­li­sier­bar“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER RHEINKIRMES - VON TAN­JA KARRASCH

Ar­chi­tek­tur-Stu­den­ten der Pe­ter Beh­rens School of Arts der Hoch­schu­le Düs­sel­dorf stel­len ih­re Ab­schluss­ar­bei­ten vor. Dar­un­ter gibt es vie­le in­no­va­ti­ve Bau­ide­en für die Stadt, man­che ver­blüf­fen.

GOLZ­HEIM Zwei Mi­nis­te­ri­en und ein Fo­rum für NRW an der Schnitt­stel­le zwi­schen Kö und Rhein – das ist die Auf­ga­be, mit der sich die Ar­chi­tek­tur­stu­den­tin­nen Mo­ni­ka Korth, Andrea Walc­zyk und Vi­via­ne Pal­mer in den letz­ten Mo­na­ten be­schäf­tigt ha­ben. Nach der­zei­ti­gen Pla­nun­gen soll das Are­al an der Ha­rold­stra­ße um­ge­stal­tet und das frü­he­re In­nen­mi­nis­te­ri­um ab­ge­ris­sen wer­den, er­klärt Pro­fes­sor Jo­chen Schus­ter. Doch wie könn­te ein neu­es Mi­nis­te­ri­um an dem Stand­ort aus­se­hen? Bis ins kleins­te De­tail ha­ben die Ba­che­lor-Stu­den­tin­nen je­weils ei­nen Ort ent­wor­fen, an dem sich NRW prä­sen­tie­ren kann. Ge­mein­sam mit ih­ren Kom­mi­li­to­nen stel­len sie heu­te und mor­gen ih­re Ab­schluss­ar­bei­ten in der Pe­ter Beh­rens School of Arts der Fach­hoch­schu­le Düs­sel­dorf vor. Ins­ge­samt 140 Ar­bei­ten sind zu se­hen. Die Ent­wür­fe las­sen nur er­ah­nen, wie viel Ar­beit da­hin­ter steckt.

An Mo­ni­ka Korths Ab­schluss­ar­beit lobt Schus­ter, das Ge­bäu­de sei fast schon la­by­rinthar­tig, im über­tra­ge­nen Sin­ne müs­se man sich NRW er­ar­bei­ten. Vi­via­ne Pal­mer hin­ge­gen hat die Be­zie­hung zwi­schen Kö und Rhein in den Vor­der­grund ge­stellt, sich für meh­re­re Bü­ro­tür­me ent­schie­den. Brü­cken füh­ren zu den Mi­nis­te­ri­en hin. Sie hat das Um­welt­mi­nis­te­ri­um ein­zie­hen las­sen. Schwie­rig­kei­ten ha­be sie mit den In­nen­räu­men ge­habt, da­bei, die amor­phen For­men ih­rer Bü­ro­tür­me mit ei­ner klas­si­schen Bü­ro­struk­tur zu fül­len, sagt Pal­mer.

Et­wa 200 Stu­den­ten be­gin­nen jähr­lich ein Ar­chi­tek­tur-Stu­di­um an der Fach­hoch­schu­le Düs­sel­dorf. Erst vor der Ab­schluss­ar­beit ent- schei­den sie sich für ei­nen Schwer­punkt: Ar­chi­tek­tur oder In­nen­ar­chi­tek­tur. An an­de­ren Hoch­schu­len sind dies se­pa­ra­te Stu­di­en­gän­ge.

Die Ba­che­lor-Ab­sol­ven­ten von Pro­fes­sor Ro­bert Niess ha­ben für Golz­heim in der Nä­he des Aqua Zoos „Low Cost Hou­sing“-Kon­zep­te er­ar­bei­tet. Wo heu­te ei­ne Flücht­lings­un­ter­kunft steht, könn­te sich Niess ge­nau das vor­stel­len: „Es be­steht gro­ßer Be­darf an Wohn­raum für Men­schen mit ge­rin­ge­rem Ein­kom­men in gu­ter La­ge“, sagt er.

Auf stark re­du­zier­ter Flä­che hat sich Ni­co­las Micha­e­ly für ein Wohn­kon­zept mit au­ßer­ge­wöhn­li­chen Grund­ris­sen ent­schie­den. In Wohn­ge­mein­schaf­ten sol­len meh­re­re Mi­ni-Woh­nun­gen ent­ste­hen, um ho­he Miet­kos­ten zu ver­mei­den: So könn­ten bei­spiels­wei­se ein äl­te­res Ehe­paar, ein Sing­le und ein al­lein­er­zie­hen­des El­tern­teil mit Kind in ei­ne Woh­nung zie­hen. Je­de Par­tei hat ein ei­ge­nes Bad, in ei­nem Ge­mein­schafts­raum mit gro­ßer Kü­che könn­ten sie sich aus­tau­schen, mit­ein­an­der es­sen.

Noch aus­ge­fal­le­ner plant Lev­ke Dan­ker. „Für die­sen Ent­wurf müss­te der Bo­den der Rea­li­tät et­wa aus­ge­dehnt wer­den“, sagt der Pro­fes­sor. Dan­ker sieht vor, drei Wohn­Ge­bäu­de zu er­rich­ten, de­ren Grund­ris­se un­ter an­de­rem durch fle­xi­ble Wand­ele­men­te oh­ne gro­ßen Auf­wand ver­än­dert wer­den kön­nen. Ei­ne Wand könn­te in­ner­halb ei­nes Tages ver­setzt wer­den. Die Be­woh­ner kön­nen ihr Zu­hau­se stän­dig neu in­ter­pre­tie­ren. Da­für sind meh­re­re Krä­ne dau­er­haft in Dan­kers Plan in­te­griert, die den Ent­wurf-Häu­sern ei­nen be­son­de­ren Charme ver­lei­hen. „Das ist uto­pisch, aber das heißt nicht, dass es nicht rea­li­sier­bar ist“, fin­det Niess.

FO­TO: ENDERMANN

Die Ent­wür­fe von Mo­ni­ka Korth, Andrea Walc­zyk und Vi­via­ne Pal­mer (v.l.) für die Ent­ste­hung neu­er Mi­nis­te­ri­en­ge­bäu­de an der Ha­rold­stra­ße ge­hö­ren zu den bes­ten des Jahr­gangs.

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