Tä­ter war vor­be­straft

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - TERROR IN NIZZA -

Der 31-jäh­ri­ge Fran­ko-Tu­ne­si­er und Fa­mi­li­en­va­ter Mo­ha­med LahouaiejBo­uh­lel war der Po­li­zei we­gen klei­ne­rer Ge­walt­de­lik­te be­kannt. Be­wei­se für ei­nen is­la­mis­ti­schen Hin­ter­grund der Amok­fahrt gibt es bis­her nicht.

NIZ­ZA (RP) In Frank­reich herrscht Fas­sungs­lo­sig­keit über die Amok­fahrt in Niz­za. Es wa­ren kei­ne Bom­ben oder Ku­geln, die min­des­tens 84 Men­schen tö­te­ten – es war ein Last­wa­gen. Über den Fah­rer wer­den im­mer mehr De­tails be­kannt. Es han­delt sich um den 31-jäh­ri­gen Fran­ko-Tu­ne­si­er Mo­ha­med LahouaiejBo­uh­lel. Das be­stä­tig­te die Staats­an­walt­schaft von Niz­za. In dem Lkw, mit dem der Tä­ter Don­ners­tag­nacht min­des­tens 84 Men­schen auf der Fla­nier­mei­le Pro­me­na­de des An­g­lais ge­tö­tet hat­te, fan­den Po­li­zei­be­am­te ei­ne Bank­kar­te. Der Na­me und die am Tat­ort fest­ge­stell­ten Fin­ger­ab­drü­cke führ­ten letz­ten En­des zu Lahouaiej-Bo­uh­lel. Zu­dem fan­den Er­mitt­ler in dem Lkw ein au­to­ma­ti­sches Schnell­la­de­ge­wehr, meh­re­re Pa­tro­nen und ei­ne At­trap­pe ei­ner Ka­lasch­ni­kow so­wie ei­nes M16-Ge­wehrs. Den Lkw hat­te Lahouaiej-Bo­uh­lel zwei Ta­ge vor sei­ner Amok­fahrt ge­mie­tet. Die Zei­tung „Nice-Ma­tin“be­rich­te­te, Lahouaiej-Bo­uh­lel ha­be den An­schlag im Vor­feld akri­bisch ge­plant.

Der At­ten­tä­ter war den Po­li­zei­be­hör­den be­kannt. Staats­an­walt François Mo­lins zu­fol­ge war er durch meh­re­re De­lik­te be­reits ak­ten­kun­dig. Im März war Lahouaiej-Bo­uh­lel we­gen Waf­fen­ge­walt zu sechs Mo­na­ten Haft auf Be­wäh­rung ver­ur­teilt wor­den. Da­bei ging es nach Be­hör­den­an­ga­ben um ei­nen Streit nach ei­nem Ver­kehrs­un­fall, bei dem Lahouaiej-Bo­uh­lel ei­ne Holz­pa­let­te auf sei­nen Kon­tra­hen­ten ge­wor­fen ha­be. Den Ge­heim­diens­ten sei Lahouaiej-Bo­uh­lel da­ge­gen „voll­kom­men un­be­kannt“ge­we­sen. Er sei auch in kei­ner Da­ten­bank we­gen mög­li­cher Ra­di­ka­li­sie­rung ge­führt wor­den. Auch tu­ne­si­schen Si­cher­heits­be­hör­den zu­fol­ge sei Lahouaiej-Bo­uh­lel nicht als ra­di­ka­li­siert be­kannt ge­we­sen. Der 31-Jäh­ri­ge soll aus dem tu­ne­si­schen Dorf Msa­ken, rund zwölf Ki­lo­me­ter süd­lich von Sous­se, stam­men.

Lahouaiej-Bo­uh­lel war ver­hei­ra­tet und Va­ter drei­er Kin­der. Von sei­ner Frau leb­te er seit ei­ni­gen Jah­ren ge­trennt. Die Frau wur­de ges­tern fest­ge­nom­men und ver­hört. La- houaiej-Bo­uh­lel soll im Nord­os­ten Niz­zas ge­wohnt ha­ben. Dort durch­such­ten Er­mitt­ler ges­tern Mor­gen ei­ne Woh­nung, in der der Tä­ter ge­lebt ha­ben soll. Ge­gen 9.30 Uhr sol­len Po­li­zei­be­am­te die Woh­nung ge­stürmt ha­ben, sa­gen Au­gen­zeu­gen. Von der Nach­rich­ten­agen­tur AFP be­frag­te Nach­barn be­schrie­ben den Mie­ter als „ru­hi­gen Ein­zel­gän­ger“. Man ha­be den Mann häu­fig in Shorts ge­se­hen, an re­li­giö­se Klei­dung er­in­nert sich vor Ort nie­mand. Ei­ne Mie­te­rin be­schrieb LahouaiejBo­uh­lel als „gut aus­se­hen­den Mann“, aber es ha­be sie ge­är­gert, dass er ih­re Töch­ter „zu sehr an­ge­starrt“ha­be.

Frank­reichs Prä­si­dent François Hol­lan­de schloss ges­tern nicht aus, dass hin­ter der Last­wa­gen­at­ta­cke auch meh­re­re Per­so­nen ste­hen. Hol­lan­de sag­te nach ei­nem Be­such des Tat­orts, Ziel des An­griffs sei es ge­we­sen, „die Grau­sam­keit ei­nes Ein­zel­nen oder viel­leicht ei­ner Grup­pe zu be­frie­den“. Bis­her ge­be es je­doch kei­ne In­di­zi­en da­für, dass der Tä­ter Hil­fe bei der Tat hat­te. Die Tat an sich deu­te aber auf is­la­mi­sche Ex­tre­mis­ten hin, er­klär­te Staats­an­walt Mo­lins. Die Aus­füh­rung des An­griffs ent­spre­che ge­nau den Auf­ru­fen von Is­la­mis­ten­grup­pen. Die Er­mitt­lun­gen kon­zen­trier­ten sich nun dar­auf, ob der Tä­ter ei­ner Ex­tre­mis­ten­or­ga­ni­sa­ti­on an­ge­hört ha­be.

FO­TO: IMA­GO

Das Klin­gel­schild an Lahouaiej-Bo­uh­lels Wohn­haus. Sein Na­me steht un­ten links.

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