Wei­te­res EU-Hilfs­pa­ket für Milch­bau­ern

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT -

We­gen des star­ken Preis­ver­falls könn­te Brüs­sel am Mon­tag Fi­nanz­hil­fen auf den Weg brin­gen.

BRÜS­SEL (dpa) Deut­sche Milch­bau­ern sol­len er­neut fi­nan­zi­el­le Hil­fe von der EU er­hal­ten. Am kom­men­den Mon­tag wer­de beim Tref­fen der EU-Agrar­mi­nis­ter ein eu­ro­pa­wei­tes Maß­nah­men­pa­ket vor­ge­stellt, sag­te Agrar­kom­mis­sar Phil Ho­gan in Brüs­sel. Dort sprach er mit dem deut­schen Bun­des­agrar­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt (CSU) und den Län­der­ver­tre­tern über die an­ge­spann­te Si­tua­ti­on auf dem Milch­markt.

Wie und un­ter wel­chen Be­din­gun­gen das Geld an die Bau­ern flie­ßen soll, ließ Ho­gan zu­nächst of­fen. „Ich den­ke, das wird in zwei Rich­tun­gen ge­hen: ein wei­te­res Li­qui­di­täts­pro­gramm (Fi­nanz­hil­fen) und Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen für Milch­bau­ern, die ih­re Pro­duk­ti­on frei­wil­lig re­du­zie­ren“, sag­te der baye­ri­sche Agrar­mi­nis­ter Hel­mut Brun­ner (CSU) .

Ei­ne künf­ti­ge De­cke­lung der eu­ro­pa­wei­ten Milch­pro­duk­ti­on mit Hil­fe von fest­ge­setz­ten Quo­ten lehn­te EUKom­mis­sar Ho­gan klar ab. Die EU re­gel­te die Milch­men­ge über 30 Jah­re lang mit ei­ner vor­ge­ge­be­nen Ober­gren­ze. Im ver­gan­ge­nen Jahr lief die EU-Milch­quo­te aus.

Wenn die Land­wir­te bes­se­re Prei­se woll­ten, dürf­ten sie nicht so viel pro­du­zie­ren wie jetzt, sag­te Ho­gan. Die Milch­prei­se in Deutsch­land und ganz Eu­ro­pa wa­ren in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten we­gen ei­nes Über­an­ge­bots ab­ge­stürzt. Et­li­che Er­zeu­ger­be­trie­be pro­du­zier­ten aber noch mehr, um über­haupt et­was zu ver­die­nen. Auch Agrar­mi­nis­ter Schmidt be­ton­te, dass die Milch­bau­ern ih­re Pro­duk­ti­on im Ge­gen­zug für EUHilfs­gel­der nicht noch wei­ter stei­gern dürf­ten. Er­zeu­ger, die noch mehr pro­du­zie­ren, sol­len nach Schmidts An­sicht kein eu­ro­päi­sches Geld be­kom­men. Ei­ne vom Staat oder der EU fest­ge­leg­te Men­gen­schran­ke lehn­te er eben­falls ab: „Wenn wir nicht ein­mal die frei­wil­li­ge Re­du­zie­rung ge­tes­tet ha­ben, ist es völ­lig ver­früht, über das zu re­den.“

An­ders se­hen das die grü­nen Agrar­mi­nis­ter der Län­der: Nie­der­sach­sens Res­sort­chef Chris­ti­an Mey­er hat­te im Vor­feld der Kon­fe­renz für ei­ne vor­über­ge­hen­de staat­li­che Be­gren­zung der Milch­men­ge plä­diert. Die Bau­ern soll­ten ih­re Pro­duk­ti­on um drei bis fünf Pro­zent zu­rück­fah­ren. Die Milch­kri­se sei eu­ro­pa­weit zu spü­ren und da­her nur auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne zu lö­sen, so Mey­er.

Milch­pro­duk­te spie­len in Deutsch­land ei­ne zen­tra­le Rol­le in der Er­näh­rung. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den pro Kopf rein rech­ne­risch 52 Li­ter Milch ge­trun­ken und 17 Ki­lo­gramm Jo­ghurt ge­löf­felt. Noch lie­ber war den Deut­schen der Kä­se: 25 Ki­lo­gramm pro Per­son wur­den ver­speist, da­von acht Ki­lo­gramm Frisch­kä­se. 2014 lie­fer­ten über vier Mil­lio­nen Tie­re in der Bun­des­re­pu­blik rund 30,8 Mil­li­ar­den Li­ter Milch. Da­mit könn­te man et­wa 8200 olym­pi­sche Schwimm­be­cken fül­len.

FO­TO: DPA

Milch­kü­he na­he der Kümpflalm in Ober­bay­ern.

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