Die Strip­pen­zie­her der Bun­des­li­ga

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON PATRICK SCHERER

Ein Füh­rungs­zeug­nis reicht, um im Fuß­ball als Spie­ler­be­ra­ter ar­bei­ten zu dür­fen. Da­durch tum­meln sich auch vie­le schwar­ze Scha­fe in der Bran­che und mi­schen mit im Mil­li­ar­den­ge­schäft. Ex-Na­tio­nal­spie­ler Si­mon Rol­fes for­dert ei­nen Füh­rer­schein für Be­ra­ter.

DÜSSELDORF 127,73 Mil­lio­nen Eu­ro – so viel ha­ben die Fuß­ball-Bun­des­li­gis­ten in der ver­gan­ge­nen Sai­son an Spie­ler­be­ra­ter ge­zahlt. Zum Ver­gleich: Das sind knapp 18 Mil­lio­nen Eu­ro mehr als Bo­rus­sia Dort­mund für Mats Hum­mels, Il­kay Gün­do­gan und Hen­rikh Mk­hi­ta­ryan zu­sam­men ein­ge­nom­men hat. Spit­zen­rei­ter der Be­ra­ter-Ta­bel­le ist der FC Schal­ke 04 mit 16,86 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Bran­che der Be­ra­ter ist un­durch­sich­tig und von ne­ga­ti­ven

Si­mon Rol­fes Vor­ur­tei­len über­la­gert. Ei­ne Mo­ment­auf­nah­me.

Dass in die­sem Jahr erst­mals über­haupt of­fi­zi­el­le Zah­len zum Geld­fluss ver­öf­fent­licht wur­den, ist auf die neue Vor­schrift des Fuß­bal­lWelt­ver­ban­des, „Fi­fa-Re­gle­ment zur Ar­beit mit Ver­mitt­lern“, zu­rück­zu­füh­ren, die seit 1. April gilt. Da­mit will die Fi­fa mehr Trans­pa­renz schaf­fen. Spie­ler­be­ra­ter wer­den in Deutsch­land bei ei­nem Ver­trags­ab­schluss vom Ver­ein be­zahlt. Je nach Ver­hand­lungs­ge­schick ge­hen dann jähr­lich fünf bis zwölf Pro­zent des Brut­to-Jah­res­ge­halts des Spie­lers an den Be­ra­ter.

Jörg Neb­lung be­haup­tet sich seit En­de der 1990er Jah­re in die­sem Ge­schäft. Zu sei­nen Kli­en­ten ge­hör­ten Ro­bert En­ke, Ti­mo Hil­de­brand und Bas­ti­an Rein­hardt. Sein ak­tu­ell wert­volls­ter Kli­ent ist Ro­bin Him­mel­mann, Tor­hü­ter beim Zweit­li­gis­ten FC St. Pau­li. Neb­lung sagt in ei­nem Fern­seh­bei­trag: „Es gibt ei­ne Kul­tur des Mit­ver­die­nens von Brü­dern oder Kum­pels von Spie­lern. Das macht das al­les nicht leich­ter.“

Im­mer mehr Leu­te wit­tern schnell zu ver­die­nen­des Geld und drän­gen in den Markt. Denn: Seit dem 1. April 2015 ist die Li­zenz­prü­fung für Spie­ler­be­ra­ter ab­ge­schafft wor­den. Da­mit ist je­de Per­son, die ein ent­spre­chen­des Füh­rungs­zeug­nis vor­wei­sen kann, in der La­ge, Spie­ler­be­ra­ter zu wer­den. En­de 2014 lag die Zahl der li­zen­zier­ten Be­ra­ter bei 450, mitt­ler­wei­le sind es viel mehr. Der Wett­be­werb um die 527 Spie­ler, die in der Bun­des­li­ga der­zeit un­ter Ver­trag ste­hen, ist groß.

Si­mon Rol­fes, Ex-Pro­fi von Bay­er Le­ver­ku­sen, hat noch wäh­rend sei­ner ak­ti­ven Kar­rie­re 2012 mit Fi­nanz­ex­per­te Mar­kus El­säs­ser die Rol­fes&El­säs­ser Ca­re­er Com­pa­ny ge­grün­det. Rol­fes sieht es nicht kri­tisch, dass die Li­zen­zie­rungs­prü­fung in ih­rer al­ten Form ab­ge­schafft wur­de. „Die­ser Mul­ti­ple-Choice­Test hat es auch nicht bes­ser ge­macht“, sagt der 34-Jäh­ri­ge, des­sen Agen­tur sich der­zeit vor al­lem auf die Un­ter­stüt­zung jun­ger Ta­len­te un­ter 18 Jah­ren spe­zia­li­siert hat. „Es ist schwie­rig, aber so wie es ei­ne Trai­ner­aus­bil­dung gibt, soll­te es auch ei­ne Aus­bil­dung für Be­ra­ter ge­ben, um Qua­li­täts­un­ter­schie­de auch in die­sem Be­reich noch sicht­ba­rer zu ma­chen.“Solch ei­ne Pflicht gibt es noch nicht. Hoch­schu­len bie­ten mitt­ler­wei­le aber den Stu­di­en­gang „Ath­le­ten­ma­nage­ment“an.

Der Wunsch des Groß­teils der Bran­che: schwar­ze Scha­fe aus­sor­tie­ren. Das ge­stal­tet sich aber schwie­rig. Neb­lung hat schon häu­fig an­ge­deu­tet, dass man­che Ver­ei­ne mit ge­wis­sen Be­ra­tern Ei­ni­gun­gen ha­ben – so ge­nann­te Kick­backDe­als. Da­bei zah­len die Ver­ei­ne ver­deck­te Pro­vi­sio­nen. Ein In­ter­es­sens­kon­flikt ent­steht, da der Be­ra­ter nicht mehr nur im Sin­ne des Spie­lers han­delt.

Für Rol­fes ist der ge­schä­dig­te Ruf der Bran­che aber nicht nur auf die teils mie­sen Ge­schäf­te sei­ner Kol­le­gen zu­rück­zu­füh­ren. „Die Ver­ei­ne ma­chen es sich auch manch­mal ein­fach und schie­ben in den Me­di­en die Schuld auf die Be­ra­ter. Drei Mi­nu­ten nach dem In­ter­view ru­fen sie den Be­ra­ter dann an und fra­gen, wo sie noch schnell ei­nen Links­ver­tei­di­ger her­be­kom­men“, sagt er. „Das Ge­schäft wird im­mer trans­pa­ren­ter. Es wird ein Pro­zess, der nicht von heu­te auf mor­gen geht, aber die schwar­zen Scha­fe wer­den we­ni­ger wer­den.“

Was die Wahl des rich­ti­gen Be­ra­ters an­geht, rät die Spie­ler­ge­werk­schaft zur sorg­sa­men Um­sicht. Denn das Tä­tig­keits­feld be­schränkt sich meist nicht nur auf den Ver­hand­lungs­tisch. Vor al­lem der Job des See­len­klemp­ners wird nach An­sicht der Be­ra­ter häu­fig un­ter­schätzt. Ge­sprä­che über die Be­zie­hung zum Trai­ner, zur Freun­din, über den Er­näh­rungs­plan, Trai­nings­ein­hei­ten und die Leis­tung in den Spie­len sind dem­nach mit ent- schei­den­de Kri­te­ri­en für ei­ne funk­tio­nie­ren­de Spie­ler-Be­ra­ter-Be­zie­hung. Da­bei fällt im­mer wie­der das Wort Ver­trau­en. „Es geht dar­um, ei­nen Ver­trau­ten zu fin­den. Ver­ei­ne, Ma­na­ger, Trai­ner – das al­les än­dert sich wäh­rend ei­ner Kar­rie­re. Der Be­ra­ter bleibt im bes­ten Fall die gan­ze Zeit an der Sei­te.“

Aus Neb­lungs Sicht über­neh­men die­se Tä­tig­kei­ten aber zu­neh­mend Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge oder Freun­de, die dem Spie­ler noch nä­her ste­hen. Und nicht sel­ten füh­ren die­se dann auch ir­gend­wann die Ver­hand­lun­gen. Gre­gor Rei­ter, An­walt und Ge­schäfts­füh­rer der „Deut­schen Fuß­ball­spie­ler-Ver­mitt­ler Ver­ei­ni­gung”, sagt in ei­nem In­ter­view mit der „Welt”: „Die Ver­ei­ne freu­en sich, denn sie ma­chen bei Ver­hand­lun­gen mit Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen fast im­mer ein Plus. Die Spie­ler aber ver­lie­ren.” Rol­fes stößt ins sel­be Horn: „Grund­sätz­lich soll­ten Kar­rie­ren nicht am Kü­chen­tisch be­spro­chen wer­den. Wenn die El­tern gleich­zei­tig Ma­na­ger sind, ist das kei­ne gu­te Kon­stel­la­ti­on. Da soll­te man aus ei­ner Un­pro­fes­sio­na­li­tät her­aus­kom­men. Wenn wir krank sind, ope­rie­ren wir uns ja auch nicht selbst, son­dern ge­hen zum Arzt.“

„So wie es ei­ne Trai­ner­aus­bil­dung gibt, soll­te es auch ei­ne Aus­bil­dung

für Be­ra­ter ge­ben“

Ex-Na­tio­nal­spie­ler

FO­TO: IMA­GO

Gut ver­netzt ist halb ge­won­nen: Die Spie­ler­be­ra­ter Vol­ker St­ruth (links) und Dirk He­bel (rechts/be­treu­en un­ter an­de­rem Mar­co Reus) bei ei­ner Fir­men­fei­er mit dem ehe­ma­li­gen Le­ver­ku­sen-Ma­na­ger Rei­ner Cal­mund.

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