Tri­ath­le­tin Lin­de­mann bit­tet Kanz­le­rin um Hil­fe

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT -

Die 20-Jäh­ri­ge will sich nicht mit dem Olym­pia-Aus ab­fin­den und hat ei­nen emo­tio­na­len Brief ge­schrie­ben.

DÜSSELDORF (sid/dpa) Die Ver­zweif­lung ist groß im La­ger der deut­schen Tri­ath­le­ten. So groß, dass für die Er­fül­lung des Olym­pia­T­raums so­gar um Un­ter­stüt­zung von al­ler­höchs­ter Stel­le ge­fleht wird. „Lie­be Frau Mer­kel“, schrieb die nicht für Rio be­rück­sich­tig­te Lau­ra Lin­de­mann in ih­rem zwei­sei­ti­gen Brief an die Bun­des­kanz­le­rin, „auch wenn es viel wich­ti­ge­re The­men gibt: Bit­te hel­fen Sie mir! Bit­te hel­fen Sie dem deut­schen Tri­ath­lon!“

Die 20-Jäh­ri­ge ge­hört zu den ins­ge­samt sechs Ath­le­tin­nen und Ath­le­ten, die sich trotz feh­len­der Olym­pia-Nor­men Hoff­nun­gen auf ei­ne Teil­nah­me ge­macht hat­ten. Die Deut­sche Tri­ath­lon Union (DTU) schlug sie dem Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bund (DOSB) zur No­mi­nie­rung vor – oh­ne Er­folg. Lin­de­mann spricht von ei­nem „Schlag in das Ge­sicht“, und sie meint: „Der DOSB hat sich in un­se­rem Fall ge­gen den Sport und für sei­nen Rechts­frie­den ent­schie­den.“

Aber den hat die Da­ch­or­ga­ni­sa­ti­on noch lan­ge nicht. Re­bec­ca Ro­bisch, ei­ne an­de­re der Nicht-No­mi­nier­ten, reich­te mit Hil­fe ih­res An­walts Micha­el Leh­ner ei­ne Kla­ge im Eil­ver­fah­ren ein, über die bis Mon­tag ent­schie­den wer­den soll. „Ich neh­me es nicht hin“, sag­te sie dem Fach­ma­ga­zin tri-mag.de, „dass wir uns jah­re­lang den Hin­tern auf­rei­ßen und un­se­re Olym­pia-Start­plät­ze nun an sport­lich schlech­te­re Ath­le­tin­nen ver­ge­ben wer­den“.

Durch ih­re Leis­tun­gen in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten hat­ten Lin­de- mann, Ro­bisch und Co. fünf Plät­ze für Deutsch­land er­kämpft. Der DOSB be­rief aber nur An­ne Haug, die als Ein­zi­ge die Olym­pia-Norm ge­knackt hat­te, in das Team für Rio – um nicht ein­zel­ne Ath­le­ten zu be­vor­zu­gen und da­mit zwi­schen zwei Stüh­len zu sit­zen. Ro­bisch hat­te vor dem Deut­schen Sport­schieds­ge­richt er­folg­reich ge­klagt, weil sie nicht auf der Vor­schlags­lis­te der DTU ge­stan­den hat­te, die am Mon­tag nach dem Ur­teil auch noch Han­na Phil­ip­pin zu­sätz­lich no­mi­nier­te.

Ei­gent­lich woll­te die DTU ne­ben Haug und Lin­de­mann noch An­ja Knapp vor­schla­gen. Der DOSB hat­te da­für Zu­stim­mung si­gna­li­siert, woll­te sich nun aber wohl nicht ent­schei­den, wel­che bei­den aus dem Quar­tett Knapp, Lin­de­mann, Ro­bisch, Phil­ip­pin nach Rio dür­fen.

Nun aber ha­gelt es Kri­tik und Un­ver­ständ­nis von al­len Sei­ten. „Für un­se­re jun­ge Sport­art ist das in Deutsch­land ein gro­ßer Scha­den“, sag­te DTU-Prä­si­dent Mar­tin En­gel­hardt. Auf Un­ver­ständ­nis stieß der Ver­zicht auf vier Start­plät­ze auch beim Welt­ver­band ITU. Der sei „er­schüt­tert“ge­we­sen, sag­te En­gel­hardt, denn schließ­lich sei Deutsch­land ja ei­ne der füh­ren­den Na­tio­nen im Tri­ath­lon. Die Plät­ze wer­den nun an (teil­wei­se schlech­te­re) Ath­le­ten ver­ge­ben.

FO­TO: DPA

Ju­nio­ren-Welt­meis­te­rin Lau­ra Lin­de­mann kurz vor dem Ziel.

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