Von we­gen ewi­ges Eis

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WISSEN - VON RAI­NER KURLEMANN

Ein deut­sches For­schungs­schiff ist zur­zeit am Nord­pol un­ter­wegs. Die Wis­sen­schaft­ler un­ter­su­chen,

wie es um die dor­ti­ge Eis­de­cke steht. Denn das Eis schmilzt im­mer wei­ter.

Der Kli­ma­wan­del schrei­tet am Nord­pol wei­ter vor­an. Zu­letzt mel­de­ten die Eis­for­scher nach der Aus­wer­tung von Sa­tel­li­ten­da­ten ei­nen neu­en Ne­ga­tiv­re­kord für die Aus­deh­nung der Eis­flä­che auf dem nörd­li­chen Po­lar­meer. Mit 9,53 Mil­lio­nen Qua­drat­ki­lo­me­tern liegt der ak­tu­el­le Wert noch un­ter­halb der Mess­wer­te, die von 1981 bis 2010 ge­mes­sen wur­den. Der Durch­schnitts­wert für En­de Ju­ni lag in die­sem Zei­t­raum mit et­wa elf Mil­lio­nen Qua­drat­ki­lo­me­tern Eis 15 Pro­zent hö­her als die ak­tu­el­le Eis­be­de­ckung.

„Wir rech­nen da­mit, dass wir im ark­ti­schen Som­mer im Sep­tem­ber ein neu­es Mi­ni­mum er­rei­chen“, er­klärt Tors­ten Kan­zow vom Al­f­re­dWe­ge­ner-In­sti­tut (AWI), das in den Po­lar­re­gio­nen forscht. „Der bis­he­ri­ge Ne­ga­tiv­re­kord von 2012 wird wohl un­ter­schrit­ten wer­den.“Die Ten­denz ist ein­deu­tig. Seit 37 Jah­ren wird die Eis­flä­che mit Sa­tel­li­ten ver-

„Das Schmel­zen der Grön­land­glet­scher trägt

zum An­stieg des Mee­res­spie­gels bei“

Tors­ten Kan­zow

For­schungs­lei­ter

mes­sen – die 13 ge­rings­ten Wer­te stam­men aus den ver­gan­ge­nen 13 Jah­ren. Auch die Di­cke des Mee­rei­ses hat zu­letzt deut­lich ab­ge­nom­men. In den 1960er Jah­ren be­trug die Eis­di­cke et­wa drei Me­ter. Seit 2010 ist das Eis nur noch ein Drit­tel so dick.

Die­ser Ta­ge ist For­scher Kan­zow als For­schungs­lei­ter mit dem deut­schen For­schungs­schiff „Po­lar­stern“ins Nord­po­lar­meer un­ter­wegs. Ihn in­ter­es­siert be­son­ders die Nord­ost­küs­te Grön­lands. Die Wis­sen­schaft­ler an Bord des Eis­bre­chers wol­len das Schmel­zen der dor­ti­gen Glet­scher un­ter­su­chen. Die­ser Be­reich macht et­wa ein Sechs­tel der grön­län­di­schen Eis­mas­sen auf dem Fest­land aus. Wenn al­les gut läuft, wird die „Po­lar­stern“in der Nä­he der Glet­scher fest­ma­chen und dort auch Was­ser­pro­ben neh­men. Die Iso­to­pen­ver­tei­lung der Was­ser-Mo­le­kü­le im al­ten Eis der Glet­scher un­ter­schei­det sich ge­ring­fü­gig von der heu­ti­gen Zu­sam­men­set­zung. Der Un­ter­schied reicht aus, da­mit die For­scher mit emp­find­li­chen Ana­ly­se-Me­tho­den den An­teil des Schmelz­was­sers im Po­lar­meer be­stim­men kön­nen. „Das Schmel­zen der Grön­land­glet­scher trägt sub­stan­zi­ell zum An­stieg des Mee­res­spie­gels bei“, sagt Kan­zow.

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