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Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WISSEN -

Die Vor­gän­ge im Grön­land­eis be­rei­tet dem For­scher Sor­ge. „Im Süd­os­ten und Wes­ten be­ob­ach­ten wir schon seit vie­len Jah­ren das Schmel­zen der Glet­scher, dass die­ser Ef­fekt jetzt auch im Nord­os­ten auf­tritt, ist neu“, er­klärt er. Es ist al­ler­dings kei­ne Über­ra­schung. Denn ein be­acht­li­cher Teil des Glet­scher­ei­ses schwimmt di­rekt auf dem Was­ser. Welt­weit ha­ben die Po­lar­for­scher be­ob­ach­tet, dass die Was­ser­mas­sen, die aus dem At­lan­tik in die Po­lar­re­gi­on strö­men, durch den Kli­ma­wan­del wär­mer ge­wor­den sind. Die­ser na­tür­li­che Strom lässt nicht nur die Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren lang­sam klet­tern, er bringt auch an­de­res Le­ben in die Ark­tis. Wenn die Bio­lo­gen ih­re Was­ser­pro­ben neh­men, fin­den sie vie­le Kleinst­le­bewe- sen, de­nen es dort bis­lang zu kalt war. In ei­nem in­ter­na­tio­na­len Pro­jekt er­mit­telt Tors­ten Kan­zows Team die Tem­pe­ra­tur­ver­än­de­run­gen in den Mee­ren der Po­lar­re­gi­on. „Das wär­me­re Was­ser strömt ent­lang der nor­we­gi­schen und rus­si­schen Küs­te in das Po­larbe­cken“, er­klärt er.

Zu An­fang der For­schung ha­ben sich die Wis­sen­schaft­ler auf die Fram­stra­ße zwi­schen Grön­land und Nor­we­gen kon­zen­triert, qua­si das Ein­gangs­por­tal für die Strö­mun­gen aus dem At­lan­tik. 1991 wur­den die ers­ten Son­den aus­ge­setzt, doch mitt­ler­wei­le ha­ben die Po­lar­for­scher ihr Sys­tem per­fek­tio­niert, da­mit sie das kom­pli­zier­te Strö­mungs­sys­tem der Ark­tis bes­ser ver­ste­hen. Ei­ni­ge Son­den sind fest am Bo­den ver­an­kert, an­de­re trei­ben mo­na­te­lang in be­stimm­ter Tie­fe. Die Po­lar­stern wird sie wäh­rend ih­rer Tour an Bord ho­len und aus­wer­ten. Zu­dem wol­len die For­scher ki­lo­me­ter­lan­ge Bän­der mit Sen­so­ren im Meer ver­sen­ken, die die Tem­pe­ra­tu­ren in ver­schie­de­nen Tie­fen er­mit­teln sol­len.

Im ver­gan­ge­nen Jahr war Tors­ten Kan­zow auf ei­nem rus­si­schen Eis­bre­cher un­ter­wegs und hat sei­ne Tem­pe­ra­tur­sen­so­ren vor der si­bi­ri­schen Küs­te aus­ge­setzt. Die­se Re­gi­on im Po­lar­meer ist schlech­ter un­ter­sucht als an­de­re, 2017 wol­len die Rus­sen ge­mein­sam mit dem AWI die Mess­ge­rä­te wie­der ber­gen. So lässt sich ein drei­di­men­sio­na­les Pro­fil der Mee­res­strö­mun­gen er­stel­len. Die Aus­wer­tung ist noch nicht voll­stän­dig. Aber der Trend, dass sich die Tem­pe­ra­tu­ren ver­än­dern, scheint für den Groß­teil der Po­lar­re­gi­on ein­deu­tig. Zwar gibt es im Sü­den Grön­lands ei­ni­ge klei­ne­re Ge­bie­te, an de­nen das Was­ser käl­ter wird, aber an al­len an­de­ren Mess­sta­tio­nen er­mit­teln die For­scher ei­nen Tem­pe­ra­tur­an­stieg von min­des­tens 0,5 Grad ver­gli­chen mit dem Zei­t­raum von 1979 bis 1999.

Die Da­ten wer­den auch die Com­pu­ter­mo­del­le ver­bes­sern, mit de­nen die wei­te­re Zu­kunft der Po­lar­re­gi­on si­mu­liert wer­den kann. Das Tra­gi­sche an die­ser Ent­wick­lung: Die For­scher kön­nen zwar Tem­pe­ra­tur­ver­än­de­run­gen do­ku­men­tie­ren und im­mer bes­ser ver­ste­hen, aber sie kön­nen den Pro­zess nicht auf­hal­ten. Eis­mas­sen Das Eis in der Nord­po­lar­re­gi­on setzt sich aus zwei Ar­ten zu­sam­men. Das Meer­eis ent­steht aus ge­frie­ren­dem Oze­an­was­ser. Glet­scher­eis und Eis­schil­de bil­den sich durch das Ge­frie­ren von Nie­der­schlag. Glet­scher­eis Auf Grön­land wird das Eis bis zu 3400 Me­ter dick, nur in der Ant­ark­tis sind die Eis­di­cken noch hö­her. Wür­de das ge­sam­te In­land­eis von Grön­land schmel­zen, so wür­de der Was­ser­stand welt­weit um sechs bis sie­ben Me­ter stei­gen.

FO­TO: DPA

Das For­schungs­schiff „Po­lar­stern“ist ein Eis­bre­cher, der zur­zeit wie­der durch die Po­lar­re­gi­on fährt – so wie auf die­sem Ar­chiv­fo­to von 2014.

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