Viel­leicht mag ich dich mor­gen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - UNTERHALTUNG - AUS DEM ENG­LI­SCHEN VON KA­RIN DUF­NER

Bist du siert?“„Nein. Ich su­che mir mei­ne Be­glei­ter lie­ber sel­ber aus.“„Und das klappt ja so spit­zen­mä­ßig! Wie lan­ge treibst du dich jetzt schon im In­ter­net rum? Und? Hast du je­man­den ge­fun­den? Wann warst du zum letz­ten Mal mit ei­nem Ty­pen zu­sam­men? Ich mei­ne, be­zie­hungs­tech­nisch?“An­na wand sich ein we­nig. „Vor ei­ner Ewig­keit“, füg­te Ag­gy, noch im­mer durch den Po­ly­es­ter­vor­hang, hin­zu. „War­um über­lässt du die Wahl nicht ein­mal mir? Wenn du nicht mit ihm kannst, kein Pro­blem.“

„Nein, nein, ich wer­de mich über­haupt nicht un­ter Druck ge­setzt füh­len, nur weil es dei­ne Hoch­zeit ist!“An­na schau­te in den Spie­gel und ver­dreh­te die Au­gen. „Wer ist es denn?“

„Du er­in­nerst dich be­stimmt an un­se­ren Cou­sin Mat­teo, oder?“

nicht

in­te­res-

„Oh. Äh . . . ja“, er­wi­der­te An­na. „Das war doch der, der bei Dads Fünf­zigs­tem mit Mum zu „When You’re In Lo­ve With A Be­au­ti­ful Wo­man“ge­tanzt hat. Mit viel Hüft­ge­wa­ckel und Zei­ge­fin­ger­ge­fuch­tel, rich­tig? Und der au­ßer­dem in Mus­cle-Shirts rum­läuft? Und dar­über hin­aus un­ser Cou­sin ist? Das ist kaum zu top­pen!“

„Nun, ich re­de von Mat­te­os Freund Pri­mo. Wenn du ja sagst, rich­te ich Mat­teo aus, dass er ihn als Be­glei­tung mit­brin­gen soll. Für dich.“

„Ich krieg die Kri­se, noch ein Mus­kel­protz! Was soll­te so ei­ner an mir fin­den? Die­se ita­lie­ni­schen Jungs ste­hen doch auf von Kopf bis Fuß durch­ge­styl­te Mä­dels aus der Hei­mat, die au­ßer­dem ko­chen kön­nen wie ih­re Non­na, und nicht wie ich Spa­ghet­ti­nes­ter mit po­chier­ten Ei­ern gar­nie­ren.“

„Das sind nichts als tum­be Vor­ur­tei­le“, ent­geg­ne­te Ag­gy.

Im nächs­ten Mo­ment schoss Ag­gys Arm, das Te­le­fon in der Hand, durch den Vor­hang, wor­auf An­na ei­nen Schre­ckens­schrei aus­stieß. „Pri­mo.“Vom Dis­play des iPho­nes schmach­te­te An­na der In­be­griff des ita­lie­ni­schen Ado­nis ent­ge­gen. Er hat­te kas­ta­ni­en­brau­ne Lo­cken und gro­ße Au­gen wie ein Min­st­rel. An­na steck­te halb in ei­nem Hä­kel­kleid mit trä­ger­lo­sem, füll­s­pach­tel­bei­gem Ober­teil, das ih­re Tit­ten zu­sam­men­quetsch­te wie Was­ser­bom­ben un­ter ei­nem Pflas­ter­stein. Bei­na­he wä­re sie rot an­ge­lau­fen.

„War­um soll­te der was von mir wol­len? Er sieht aus wie zwan­zig und ist wahr­schein­lich Mit­glied ei­ner Boy­group wie One Di­rec­tion. Una Dire­zio­ne.“

„Er ist drei­und­drei­ßig und Ar­chi­tekt.“

„Wow. Okay, ein Punkt für dich. Aber war­um ich?“

Seuf­zend zog Ag­gy ih­ren Arm zu­rück. „Bist du je auf den Ge­dan­ken ge­kom­men, dass die Leu­te dich wie ei­ne ein­sa­me al­te Scha­b­ra­cke be­han­deln, weil du dich wie ei­ne be­nimmst?“

„Ja, das muss es sein. Wenn ich al­lei­ne zu Hau­se rum­sit­ze, geht mir nur die­ser ei­ne Ge­dan­ke durch den Kopf: Es könn­te dar­an lie­gen, dass ich drauf bin wie ei­ne ein­sa­me al­te Scha­b­ra­cke . . .“

„Ich mei­ne es ernst! Dei­ne ers­te Re­ak­ti­on ist im­mer, dass sich so­wie­so kein net­ter Mann für dich in­ter­es­sie­ren wür­de. Du soll­test The Sel­fEs­te­em Re­pair Kit von Oprah le­sen, um dein Selbst­be­wusst­sein auf­zu­mö­beln. Ich ha­be mich mit Pri­mo an­ge­freun­det, da­mit er als Freund ei­nes Freun­des dei­ne Fo­tos bei Face­book an­schau­en konn­te. Er sagt, du bist okay, und er ist be­reit.“

„Su­per, Ag­gy. War­um ver­kaufst du mich nicht gleich als Ka­ta­log­braut nach Flo­renz und bringst es end­lich hin­ter dich?“(Fort­set­zung folgt)

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