Kir­mes ge­denkt der Op­fer von Niz­za

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST - VON THORS­TEN BREIT­KOPF, STEFANI GEILHAUSEN UND AR­NE LIEB

Das Volks­fest be­gann mit ei­ner Schwei­ge­mi­nu­te und der Mar­seil­lai­se, die Tür­me strahl­ten in den fran­zö­si­schen Na­tio­nal­far­ben. Das Feu­er­werk wur­de ge­zün­det, ob­wohl Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel ei­ne Ab­sa­ge an­ge­regt hat­te.

Zum Auf­takt der 115. Rh­ein­kir­mes ha­ben Schau­stel­ler, Schüt­zen und Be­su­cher der Op­fer des An­schlags von Niz­za ge­dacht, bei dem am Vor­abend min­des­tens 84 Men­schen ums Le­ben ge­kom­men wa­ren. Vor der of­fi­zi­el­len Kirmes­er­öff­nung um 18 Uhr gab es ei­ne Schwei­ge­mi­nu­te, an­schlie­ßend wur­de die fran­zö­si­sche Na­tio­nal­hym­ne, die Mar­seil­la­se, ge­spielt. Au­ßer­dem setz­ten die Schau­stel­ler vie­le Zei­chen auf dem Fest­platz. Das spek­ta­ku­lärs­te: Die Frei­fall-Tür­me „Han­go­ver“(85 Me­ter) und „Po­wer To­wer“(66 Me­ter) er­strahl­ten in den fran­zö­si­schen Na­tio­nal­far­ben Blau, Weiß und Rot. Zu­dem hin­gen fran­zö­si­sche Fah­nen an vie­len Bu­den. Den 15 Me­ter gro­ßen Eif­fel­turm im fran­zö­si­schen Dorf, ei­ner Grup­pe von Bu­den im Stil ei­ner fran­zö­si­schen Alt­stadt, schmück­te ei­ne schwar­ze Schlei­fe.

Bis zum Nach­mit­tag hat­te so­gar ei­ne Ab­sa­ge des Feu­er­werks im Raum ge­stan­den, mit dem der Düs­sel­dor­fer Schau­stel­ler­ver­band den Se­bas­tia­nus-Schüt­zen zum 700jäh­ri­gen Be­ste­hen gra­tu­lie­ren woll­te – zu­sätz­lich zum re­gu­lä­ren Kir­mes­feu­er­werk der Schüt­zen, das am kom­men­den Frei­tag ge­zün­det wird. Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel kon­tak­tier­te be­reits am frü­hen Mor­gen Schüt­zen­chef Lothar In­den, um dar­über zu spre­chen, wie man an­ge­mes­sen auf die Er­eig­nis­se re­agiert. Er reg­te an, aus Re­spekt vor den Op­fern auf das Feu­er­werk zu ver­zich­ten. Der At­ten­tä­ter in Niz­za war in ei­ne Men­schen­men­ge ge­fah­ren, die sich ein Feu­er­werk zu Eh­ren des fran­zö­si­schen Na­tio­nal­fei­er­tags an­ge­schaut hat­te.

Schüt­zen und Schau­stel­ler woll­ten das Feu­er­werk aber trotz des An­schlags zün­den und teil­ten die­se Ent­schei­dung schließ­lich am Mit­tag dem Ober­bür­ger­meis­ter mit. „Wenn man auf ein sol­ches Zei­chen pu­rer Le­bens­freu­de ver­zich­tet, dann ha­ben die Ter­ro­ris­ten ge­won­nen“, sag­te Schau­stel­ler-Spre­cher Oli­ver Wil­me­ring. Man ste­he aber „Sei­te an Sei­te“mit den Fran­zo­sen und ha­be gro­ßes Mit­ge­fühl mit den Op­fern, so Wil­me­ring. Auch Schüt­zen­chef Lothar In­den be­ton­te die So­li­da­ri­tät mit Frank­reich. Man wer­de je­doch nicht dem Wunsch von Men­schen nach­kom­men, die al­les zer­stö­ren woll­ten, sag­te er bei der of­fi­zi­el­len Er­öff­nung der Kir­mes. Die Be­su­cher im Schüt­zen­zelt ap­plau­dier­ten für die­se Ent­schei­dung. Un­ter den Gäs­ten war auch der fran­zö­si­sche Ge­ne­ral­kon­sul Vin­cent Muller, der sich für die Zei­chen des Mit­ge­fühls be­dank­te.

Beim Deutsch-Fran­zö­si­schen Kreis war man be­stürzt über die Er­eig­nis­se. „Vor we­ni­gen Jah­ren wa­ren wir vom Ver­ein aus in Niz­za. Es war Freu­de pur, als wir auf der Pro­me­na­de des An­g­lais wa­ren. Und heu­te? Fas­sungs­lo­sig­keit und tie­fe Mit­ge­fühl emp­fin­den wir für al­le Fran­zo­sen, die nach zwei At­ten­ta­ten in Pa­ris und jetzt in Niz­za so grau­sam ge­trof­fen wor­den sind“, sag­te Chris­tia­ne von der Gro­eben, die Ge­schäfts­füh­re­rin des Deutsch-Fran­zö­si­schen Krei­ses. Eve­lyn Wen­zel, die in Niz­za wohnt und dem Vor­stand des Ver­eins na­he steht, be­rich­te­te ges­tern Abend am Te­le­fon da­von, dass vie­le Men­schen dort Angst ha­ben und An­samm­lun­gen strikt mei­den.

Aus­wir­kun­gen auf das Si­cher­heits­kon­zept für die Ju­bi­lä­ums-Kir­mes hat der An­schlag zu­nächst nicht. Die Schüt­zen se­hen oh­ne­hin mehr Ord­nungs­kräf­te als in den Vor­jah­ren vor. Zu­sätz­lich zu die­sen pri­va­ten Si­cher­heits­diens­ten sind 100 Po­li­zis­ten, uni­for­mier­te wie zi- vi­le, für die Werk­ta­ge ein­ge­teilt, an den Wo­che­n­en­den sei­en „deut­lich mehr“im Ein­satz, heißt es. Kon­kre­te Zah­len wer­den mit den Hin­weis auf tak­ti­sche und si­cher­heits­tech­ni­sche Er­wä­gun­gen nicht ge­nannt, aber: „Wir ste­hen in en­gem Aus­tausch mit al­len Si­cher­heits­be­hör­den, pas­sen un­se­re Kon­zep­te lau­fend der ak­tu­el­len La­ge an“, sagt ei­ne Prä­si­di­ums­spre­che­rin. Im so­ge­nann­ten BOS-Dörf­chen (BOS = Be­hör­den und Or­ga­ni­sa­tio­nen mit Si­cher­heits­auf­ga­ben) am Ran­de des Fest­plat­zes hat die Po­li­zei wie üb­lich ei­ne Kir­mes­wa­che ein­ge­rich­tet.

Zur Kirmes­er­öff­nung herrsch­te trotz der Er­eig­nis­se gu­te Stim­mung. Am Nach­mit­tag setz­ten sich die Fahr­ge­schäf­te in Be­we­gung. Erst­mals steht auf der Kir­mes auch ein Ten­nis­platz. Der Ro­chus-Club und die Agen­tur Jung von Matt/Sports wol­len da­mit den Ten­nis­sport populärer ma­chen. Die ers­ten Mat­ches be­strit­ten Pro­mi­nen­te wie Chris­toph Met­zel­der, Ex-Fuß­ball­Na­tio­nal­spie­ler und Grün­dungs­ge­schäfts­füh­rer der Sport-Agen­tur, Ex-Schal­ke-Pro­fi Hans Sar­pei und Ex-Ten­nis­pro­fi Alex­an­der Watz­ke. Kir­mes Pan­ora­ma­sei­te

RP-FO­TOS: ANDRE­AS BRETZ

Die Kir­mes zeig­te ges­tern die Far­ben der fran­zö­si­schen Tri­ko­lo­re als Zei­chen der Ver­bun­den­heit mit den Men­schen im Nach­bar­land.

Schwei­ge­mi­nu­te zur Er­öff­nung: Klau­dia Ze­p­unt­ke, Lothar In­den, Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel, Frank­reichs Ge­ne­ral­kon­sul Vin­cent Muller,

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