Se­nio­rin ge­stal­tet Kunst­baum stets neu

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON HEI­DE-INES WILLNER

Eve­lin und Mar­tin Pen­ne­wiß ha­ben sich ei­ne baum-ähn­li­che Skulp­tur in ih­ren Vor­gar­ten ge­setzt. Mit viel Fan­ta­sie wird sie im­mer wie­der neu ge­stal­tet. Sie sen­det Bot­schaf­ten oder gibt den Pas­san­ten Hin­wei­se auf ak­tu­el­le Er­eig­nis­se.

OBER­KAS­SEL Für man­chen Pas­san­ten ist es schon zur Ge­wohn­heit ge­wor­den, mal eben ei­nen Blick in den Vor­gar­ten von Eve­lin und Mar­tin Pen­ne­wiß zu wer­fen. Denn dort gibt es im­mer wie­der et­was Neu­es an ei­nem aus dem Bo­den ra­gen­den Stahl­ge­stän­ge zu bestau­nen. Dies­mal bil­den klei­ne Fuß­bäl­le die Krö­nung. Auf hal­ber Hö­he dreht sich ein Mo­bi­le mit ei­nem Fuß­bal­ler im Wind, da­ne­ben hängt ei­ne Ta­fel, auf die bun­te Fla­schen­ver­schlüs­se wie Knöp­fe auf­ge­näht sind – ein Hin­weis auf die bun­te Viel­falt ei­nes kon­ti­nen­ta­len Pu­bli­kums. Denn noch ist die Er­in­ne­rung an die Fuß­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft le­ben­dig.

Jetzt darf man ge­spannt sein, wel­chen Sinn das hand­werk­lich be­gab­te Ehe­paar als Nächs­tes sei­nem Roh­ling, der zwecks Gestal­tung um­ge­legt wer­den kann, ge­ben wird. „Das bleibt der Fan­ta­sie mei­ner Frau über­las­sen“, sagt der Ehe­mann. Und die scheint un­er­schöpf­lich. Re­gel­mä­ßig wird das Ge­stän­ge mit Ob­jek­ten ge­schmückt, die ei­nen Be­zug zu welt­po­li­ti­schen wie ört­li­chen Er­eig­nis­sen ha­ben.

An­ge­fan­gen hat al­les, als der Ahorn im Vor­gar­ten ge­fällt wer­den und das Ehe­paar auf die Weih­nachts­be­leuch­tung ver­zich­ten muss­te. „So hat mein Mann eben ei­nen Kunst­baum ge­schaf­fen“, sagt sie. Er wur­de dann aber nicht nur zum Weih­nachts­fest de­ko­riert, son­dern mit je­weils wech­seln­den Kunst­wer­ken im­mer wie­der neu ge­stal­tet. So hat­te sie ne­ben den vier Jah­res­zei­ten auch ei­nen Os­ter­spa­zier­gang dar­ge­stellt, zum Ja­pan­tag Kar­p­fen, Fische und Vö­gel ins nach der Ver­trei­bung in Han­no­ver, wo sie hei­ra­te­ten. Mar­tin Pen­ne­wiß, der Au­to­me­cha­ni­ker­meis­ter war, nahm dann ei­ne Stel­le bei der Fir­ma „Ha­ni­el“in Düsseldorf an und wech­sel­te spä­ter als Be­triebs­lei­ter zur Zweig­stel­le nach Ober­kas­sel.

Als die bei­den Kin­der grö­ßer wur­den, fass­te Eve­lin Pen­ne­wiß sich ein Herz und be­warb sich bei der Düs­sel­dor­fer Kunst­aka­de­mie. „Ich wur­de an­ge­nom­men – und blüh­te auf.“Denn in der Bild­hau­er­klas­se von Bea­te Schiff ha­be sie neue Im­pul­se be­kom­men. „Ich lern­te, mit Draht und Po­ly­es­ter um­zu­ge­hen und ar­bei­te­te mich quer durch al­le Ma­te­ria­li­en.“Zehn Se­mes­ter ha­be sie an der Aka­de­mie stu­diert, was dann auch ei­ne gro­ße Schaf­fens­pe­ri­ode in Gang setz­te.

Die Woh­nung, in der das Ehe­paar schon 40 Jah­re lebt, zeugt da­von: Kunst­hand­werk wo­hin man blickt. „Mei­ne As­tro­nau­ten­pha­se“, sagt Eve­lin Pen­ne­wiß und zeigt auf ei­ne Skulp­tur im Raum­an­zug. Auf­fal­lend bei al­len Ar­bei­ten sind im­mer wie­der die Ma­te­ria­li­en: Quark­de­ckel, Kos­me­tik­do­sen, Me­di­ka­men­ten­schach­teln – kurz Weg­wer­far­ti­kel und Fund­stü­cke. Und wie ein ro­ter Fa­den zie­hen sich Bäu­me – mal ge­strickt, mal ge­stickt durch die häus­li­che Sze­ne. „Un­ser Le­bens­baum, der uns im­mer be­glei­tet“, sagt sie nach­denk­lich und wird nicht mü­de zu be­to­nen, dass sie kei­nen Kunst­an­spruch ha­be. Ver­erbt hat sie ih­re Be­ga­bung nicht di­rekt, denn ih­re bei­den Kin­der sind Aka­de­mi­ker, eins ih­rer drei En­kel­kin­der eben­falls. Jetzt ist Eve­lin Pen­ne­wiß auf dem Weg zur Ur­groß­mut­ter, ein neu­es fa­mi­liä­res Er­eig­nis, das sie si­cher wie­der in­spi­rie­ren wird.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.