Ge­schenk­te Kraft

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

Leu­te, es sind Fe­ri­en! Al­le ma­chen blau, von Flens­burg bis nach Obe­r­am­mer­gau! Was ist das für ei­ne er­fri­schen­de Er­in­ne­rung an Kin­der­ta­ge, wenn in der ers­ten Wo­che der Fe­ri­en die freie Zeit so groß­zü­gig vor ei­nem liegt. Ver­gnü­gen an schlich­ten Ak­tio­nen: Stö­cke schnit­zen, Feu­er­chen ma­chen, He­xen­sup­pe ko­chen, den Bach­lauf stau­en…

Ach, was war das ei­ne Wei­te im Her­zen und im Kopf. Das ist vor al­lem dank­ba­re Er­in­ne­rung, die gut tut. Er­in­ne­rung an das Gu­te, an Frei­heit, die ich er­lebt ha­be.

Von Je­an Paul stammt das Wort: „Die Er­in­ne­rung ist das ein­zi­ge Pa­ra­dies, aus dem wir nicht ver­trie­ben wer­den kön­nen“. Ja, es ist wohl so. Man­che Er­in­ne­rung ha­ben wir ge­schönt. Vie­les er­scheint noch idea­ler, als es viel­leicht ge­we­sen ist – sei es drum. Sei­en wir dank­bar für pa­ra­die­si­sche Er­in­ne­run­gen. Heu­te fällt es mir viel schwe­rer her­un­ter­zu­kom­men: Die freie Zeit liegt vor mir, aber sie muss ge­plant wer­den, sind doch die Ur­laubs­ta­ge kost­bar.

„Du, Gott, stellst mei­ne Fü­ße auf wei­ten Raum“heißt es in Psalm 31. Der Vers er­in­nert nicht nur an Ver­gan­ge­nes, son­dern öff­net un­se­re Au­gen für den wei­ten Raum, der uns in der Ge­gen­wart ge­schenkt ist. Gott schenkt uns im­mer wie­der neue Räu­me, auch wenn wir es gar nicht wahr­ha­ben wol­len. Leis­tungs­be­reit­schaft und Per­fek­tio­nis­mus neh­men uns den Blick da­für.

Der Som­mer und sei­ne Er­in­ne­rung an Freu­den in Kin­der­ta­gen hilft uns an­zu­knüp­fen an die Er­fah­rung des wei­ten Raums um uns her­um, schafft Dis­tanz zu uns sel­ber. Denn das Wich­tigs­te im Le­ben be­kom­men wir ge­schenkt: Leis­tungs­stär­ke bei Ar­beit und Sport ist ge­schenk­te Kraft. Ja, auch En­ge und Angst blei­ben uns Men­schen nicht er­spart. Uns sind Gren­zen ge­setzt. Wir kön­nen Frei­heit ver­spie­len und durch Krank­heit in un­se­rem Le­ben ver­lie­ren. Im Raum des Le­bens gibt es An­lass zur Kla­ge und zum Lob, ei­ne Zeit der Ver­zweif­lung und ei­ne Zeit des Hof­fens, ei­ne Pha­se der Un­ge­wiss­heit und Pha­sen der in­ne­ren Ru­he. Wir dür­fen je­doch dar­auf ver­trau­en: Gott stellt uns nicht ein­fach in die Wei­te hin­ein, über­lässt uns un­se­rem Schick­sal, son­dern er be­glei­tet uns. Las­sen wir doch den lie­ben Gott ei­nen gu­ten Mann sein, der uns schenkt, was wir brau­chen. Leu­te, es sind Fe­ri­en! PFAR­RE­RIN ELI­SA­BETH SCHWAB EV. MATTHÄI-KIR­CHEN­GE­MEIN­DE

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Pfar­re­rin Eli­sa­beth Schwab er­in­nert sich gern an die Fe­ri­en ih­rer Kin­der­zeit.

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