Früh­zei­tig für das Al­ter spa­ren

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - REISE&WELT - VON SA­BI­NE MEU­TER

Seit 2002 ha­ben Ar­beit­neh­mer die Mög­lich­keit, von ih­rem Ar­beit­ge­ber ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge ein­zu­for­dern. Ent­schei­dend ist, dass man mög­lichst früh mit dem Spa­ren an­fängt.

Ei­ne ge­setz­li­che Ren­te wird es ver­mut­lich zwar auch künf­tig noch ge­ben. Ob sie aber aus­reicht, um im Al­ter fi­nan­zi­ell über die Run­den zu kom­men, ist un­ge­wiss. „Die Angst vor Al­ters­ar­mut be­schäf­tigt heut­zu­ta­ge selbst Be­rufs­ein­stei­ger“, hat die Ver­mö­gens- und Al­ters­vor­sor­ge­be­ra­te­rin Ve­ra Moll von No­vethos Fi­nan­ci­al Par­tners be­ob­ach­tet. Doch jun­ge Leu­te kön­nen ge­gen­steu­ern. Je eher sie fürs Al­ter spa­ren, des­to bes­ser.

Ei­ne Va­ri­an­te hier­bei ist die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung (bAV). „Wer in ei­nem Be­trieb an­fängt und An­spruch auf ei­ne

Ve­ra Moll ar­beit­ge­ber­fi­nan­zier­te be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge hat, soll­te sie so früh wie mög­lich nut­zen“, rät Ralf Scher­f­ling von der Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW. Die klas­si­schen Be­triebs­ren­ten sind ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung des Ar­beit­ge­bers. Er selbst legt die Hö­he des Be­trags fest, den er für sei­ne Mit­ar­bei­ter zu­rück­legt. „Die bAV ist mitt­ler­wei­le ein In­stru­ment ge­wor­den, mit dem Un­ter­neh­men Be­schäf­tig­te an sich bin­den“, er­klärt Moll.

Seit Ja­nu­ar 2002 ha­ben ge­setz­lich ren­ten­ver­si­cher­te Ar­beit­neh­mer auch die Mög­lich­keit, von ih­rem Ar­beit­ge­ber ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung ein­zu­for­dern – wenn sie be­reit sind, auf Ent­gelt zu ver­zich­ten. „Hier ist aber nicht die Fra­ge ent­schei­dend, wann jun­ge Men­schen mit der bAV an­fan­gen, son­dern viel­mehr, ob sie im Rah­men der bAV spa­ren soll­ten“, be­tont Scher­f­ling. Denn die bAV ste­he in Kon­kur­renz zu an­de­ren An­la­ge­mög­lich­kei­ten.

Al­ter­na­ti­ven wä­ren staat­lich ge­för­der­te Pro­duk­te wie die Ries­ter-Ren­te, aber auch un­ge­för­der­te Mög­lich­kei­ten wie Fonds­spar­plä­ne oder pri­va­te Ren­ten­ver­si­che­run­gen. „Hier soll­te je­der Ar­beit­neh­mer prü­fen, wel­che Form der Al­ters­vor­sor­ge für ihn am sinn­volls­ten ist“, sagt der Ver­brau­cher- schüt­zer. Moll weist dar­auf hin, dass auch et­wa über ei­nen ETF-Spar­plan ge­spart wer­den kann. „Das Wich­tigs­te ist, über­haupt mit der Vor­sor­ge zu star­ten.“

Wer sich für die bAV ent­schei­det, hat ei­nen Vor­teil: Nicht nur das zu ver­steu­ern­de Ein­kom­men sinkt, auch die Bei­trä­ge für Ren­ten- und Kran­ken­ver­si­che­rung wer­den nied­ri­ger. „Die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung lohnt sich oft be- son­ders dann, wenn der Chef zum Bei­trag noch Geld bei­steu­ert“, sagt Mar­tin Schulz von der Stif­tung Wa­ren­test.

Ar­beit­neh­mer ha­ben das Recht auf Ent­gelt­um­wand­lung – al­so aus ei­ge­nen Mit­teln im Rah­men der bAV zu spa­ren. Der­zeit dür­fen Ar­beit­neh­mer bis zu 2976 Eu­ro jähr­lich be­zie­hungs­wei­se 248 Eu­ro mo­nat­lich steu­er- und so­zi­al­ver­si­che­rungs­frei von ih­rem Brut­to­ge­halt in ei­ne be­trieb­li­che Al­ters- ver­sor­gung in­ves­tie­ren. „Das sind vier Pro­zent der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze West in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung“, er­läu­tert Scher­f­ling. Bei ei­nem bAV-Ver­trag gibt es ver­schie­de­ne Va­ri­an­ten. „Hier ist für Ar­beit­neh­mer wich­tig zu wis­sen, dass es kei­nen Rechts­an­spruch auf ei­nen be­stimm­ten Durch­füh­rungs­weg gibt, son­dern dass der Ar­beit­ge­ber in Gren­zen ei­nen be­stimm­ten Weg vor­ge­ben kann.“

Weit ver­brei­tet ist die Di­rekt­ver­si­che­rung. „Sie ist für Ar­beit­ge­ber un­kom­pli­ziert“, er­läu­tert Schulz. Die Un­ter­neh­men über­wei­sen die Bei­trä­ge, um die Ver­wal­tung küm­mert sich die Ver­si­che­rung. Bei der Di­rekt­ver­si­che­rung han­delt es sich meist um ei­ne Le­bens­ver­si­che­rung, die der Ar­beit­ge­ber für den Be­schäf­tig­ten ab­schließt. „Oft be­steht zu­dem über den Ar­beit­ge­ber ein Grup­pen­ver­trag, der den Mit­ar­bei­tern güns­ti­ge Son­der­kon­di­tio­nen bie­tet“, sagt Moll.

Wer den Job wech­selt, kann die Di­rekt­ver­si­che­rung beim neu­en Ar­beit­ge­ber fort­füh­ren – und zwar oh­ne neue Ab­schluss­kos­ten. Vor­aus­set­zung hier­für: „Der al­te und neue Ver­si­che­rer sind dem Über­tra­gungs­ab­kom­men des Ver­si­che­rungs­ver­ban­des GDV bei­ge­tre­ten“, be­tont Schulz. Ne­ben der Di­rekt­ver­si­che­rung gibt es noch vier wei­te­re Mög­lich­kei­ten bei ei­nem bAV-Ver­trag: Di­rekt­zu­sa­ge der Fir­ma an den Be­schäf­tig­ten, Un­ter­stüt­zungs­kas­se, Pen­si­ons­kas­se oder Pen­si­ons­fonds.

Al­ler­dings hat die bAV auch Nach­tei­le: In der An­spar­pha­se ist der Ar­beit­neh­mer ent­las­tet, in der Ren­ten­zeit aber be­las­tet. „Die spä­ter ge­zahl­te Ren­te muss zu 100 Pro­zent mit dem in­di­vi­du­el­len Steu­er­satz ver­steu­ert wer­den“, er­klärt Scher­f­ling. Au­ßer­dem müs­sen ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te auf bAV-Ren­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zah­len. Ist der Rent­ner pri­vat kran­ken­ver­si­chert, wer­den auf die bAV le­dig­lich Steu­ern fäl­lig.

Der Ver­brau­cher­schüt­zer weist auf ei­nen wei­te­ren Nach­teil hin: So füh­re die So­zi­al­ab­ga­ben­frei­heit da­zu, dass be­stimm­te Leis­tun­gen wie Kran­ken-, El­tern- und Ar­beits­lo­sen­geld so­wie nicht zu­letzt auch die Hö­he der ge­setz­li­chen Ren­te ge­rin­ger aus­fal­len.

„Das Wich­tigs­te ist, über­haupt mit der Vor­sor­ge

zu star­ten“

No­vethos Fi­nan­ci­al Par­tners

FO­TOS: THINKSTOCK/KATARZYNABIALASIEWICZ/LJUPCO

Wer in jun­gen Jah­ren schon Geld für spä­ter zu­rück­legt, kann ent­spann­ter in die Ren­te ge­hen.

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