Ei­ner täuscht, al­le haf­ten

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - BERUF KARRIERE & -

Beim Ver­kauf ge­brauch­ter Im­mo­bi­li­en wer­den üb­li­cher­wei­se die Ge­währ­leis­tungs­rech­te des Käu­fers wei­test­ge­hend aus­ge­schlos­sen. Es soll ver­kauft wer­den, „wie es steht und liegt“. Die­ser Haf­tungs­aus­schluss greift in­des nicht, wenn der Ver­käu­fer Män­gel arg­lis­tig ver­schwei­gt. Da­zu muss nicht ein­mal be­trü­ge­ri­sche Ab­sicht vor­lie­gen.

Aus­rei­chend ist, dass ein Man­gel bloß für mög­lich ge­hal­ten oder sei­ne Exis­tenz in Kauf ge­nom­men, der Käu­fer aber nicht in­for­miert wird. Hier zielt die Recht­spre­chung auf Um­stän­de ab, die den Ver­trags­zweck ver­ei­teln und so­mit für den Kauf­ent­schluss maß­geb­lich sein kön­nen. Auf wen aber kommt es an, wenn die Ver­käu­fer­sei­te aus meh­re­ren Per­so­nen be­steht, et­wa ei­nem Ehe­paar oder ei­ner Er­ben­ge­mein­schaft? Dies hat der Bun­des­ge­richts­hof in sei­nem Ur­teil vom 8. April die­sen Jah­res (Az.: V ZR 150/15) durch­aus pra­xis­ge­recht ent­schie­den: Ver­schwei­gt ei­ner von meh­re­ren Ver­käu­fern ei­nen Man­gel der Kauf­sa­che arg­lis­tig, kön­nen sich sämt­li­che Ver­käu­fer nicht auf ei­nen ver­trag­li­chen Aus­schluss der Sach­män­gel­haf­tung be­ru­fen.

Klagt al­so der Er­wer­ber we­gen des Man­gels auf Scha­dens­er­satz, müs­sen al­le Ver­käu­fer mit­haf­ten. Der Bun­des­ge­richts­hof ver­weist auf das so­ge­nann­te In­nen­ver­hält­nis un­ter den Ver­käu­fern. In die­sem müs­sen sie da­für Sor­ge tra­gen, dass und in wel­chem Um­fang die ei­nem Er­wer­ber ge­gen­über be­ste­hen­de Of­fen­ba­rungs­pflicht ord­nungs­ge­mäß er­füllt wird. Wenn sich al­so meh­re­re Ver­käu­fer auf ei­ne Per­son als Ver­hand­lungs­füh­rer ei­ni­gen, muss die­ser von al­len Mit­ver­käu­fern um­fas­send über die Im­mo­bi­lie in­for­miert sein.

Ger­hard Fries Der Au­tor ist Part­ner der So­zie­tät Krö­mer, Ste­ger, West­hoff.

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