Im­mer mehr Men­schen tei­len ihr Au­to

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - AUTO&MOBIL - VON CLAU­DI­US LÜ­DER

Die Zahl der Car­sha­rin­gNut­zer steigt ra­sant. Mitt­ler­wei­le gibt es ganz un­ter­schied­li­che An­ge­bo­te – auch Pri­vat­per­so­nen kön­nen ih­ren Wa­gen an­bie­ten.

Ob Wo­chen­ein­kauf, Arzt­ter­min oder ein Kurz­aus­flug in den Zoo: In vie­len Haus­hal­ten kommt das ei­ge­ne Au­to nur spo­ra­disch zum Ein­satz. Ent­spre­chend kön­nen sich auch im­mer mehr Bun­des­bür­ger vor­stel­len, Car­sha­ring-An­ge­bo­te zu nut­zen. „Ak­tu­el­len Um­fra­gen zu­fol­ge trifft das be­reits auf je­den Zwei­ten zu“, sagt An­ja Sme­ta­nin vom Ver­kehrs­club Deutsch­land (VCD). Die Vor­tei­le lä­gen auf der Hand. „Car­sha­ring er­laubt ei­ne ho­he Fle­xi­bi­li­tät oh­ne An­schaf­fungs- und Un­ter­halts-

An­ja Sme­ta­nin kos­ten für ein Au­to.“Wer sich ein­mal beim An­bie­ter an­ge­mel­det hat, kann je­der­zeit ein­stei­gen und los­fah­ren.

Ein seit Jah­ren wach­sen­des An­ge­bot deckt au­ßer­dem im­mer mehr Re­gio­nen ab. Laut Bun­des­ver­band Car­sha­ring (bcs) ist die Zahl der Fahr­zeu­ge von rund 4600 im Jahr 2010 auf 16.100 zu Be­ginn die­ses Jah­res ge­stie­gen. Über 1,2 Mil­lio­nen re­gis­trier­te Car­sha­ring-Nut­zer gibt es in Deutsch­land, was ei­nem Zu­wachs von 21,2 Pro­zent ge­gen­über dem Vor­jahr ent­spricht. Be­son­ders in den Bal­lungs­ge­bie­ten ist die Car­sha­ring-Dich­te hoch. Hier ha­ben Kun­den in der Re­gel die Aus­wahl zwi­schen al­len drei gän­gi­gen Car­sha­ring-Mo­del­len:

Beim sta­ti­ons­ba­sier­ten Car­sha­ring wie bei Flinks­ter und Cam­bio ent­leiht der In­ter­es­sent das Au­to an ei­nem fes­ten Punkt und gibt es dort wie­der ab. Beim Free-Floa­ting wie bei Car2go und Dri­veNow kön­nen sich die Au­tos an be­lie­bi­gen Punk­ten in ei­nem de­fi­nier­ten Be­reich – in der Re­gel das Stadt­ge­biet – be­fin­den. Beim pri­va­ten Mo­dell stellt der Au­to­be­sit­zer selbst sein Fahr­zeug über ein Por­tal je­dem oder ei- nem fes­ten Nut­zer­kreis zur Ver­fü­gung.

„Das sta­ti­ons­ba­sier­te Car­sha­ring bie­tet Vor­tei­le, wenn man ein Au­to gleich für meh­re­re Stre­cken be­nö­tigt und auch mal ein gan­zes Wo­che­n­en­de un­ter­wegs sein will“, sagt Sme­ta­nin. Vie­le An­bie­ter ge­wäh­ren dann auch Staf­fel­ta­ri­fe, was die Kos­ten wei­ter senkt. Wer nur ei­ne Ein­zel­fahrt von A nach B plant, ist mit Free-Floa­ting-An­ge­bo­ten bes­ser be­dient. „Groß­stadt­be­woh­ner nut­zen die­se Mög­lich­kei­ten ger­ne, wenn sie spon­tan statt Bus oder Bahn ein Au­to neh­men wol­len“, sagt Gun­nar Nehr­ke vom bcs.

Die zu­meist klei­nen Stadt­au­tos kön­nen in ei­nem vom An­bie­ter fest­ge­leg­ten Be­reich über­all ab­ge­stellt und an­ge- mie­tet wer­den. Auch E-Au­tos kom­men zum Ein­satz. Wo ein Au­to steht, kann über ei­ne App er­mit­telt wer­den. Der Zu­gang zum Fahr­zeug er­folgt per Kun­den­kar­te oder über das Smart­pho­ne. Al­ler­dings hat die Frei­heit und Fle­xi­bi­li­tät der Free-Floa­ting-An­ge­bo­te ih­ren Preis. „Für ei­ne Au­to­stun­de wer­den beim sta­tio­nä­ren Car­sha­ring zwi­schen zwei und sechs Eu­ro fäl­lig, bei FreeF­loa­ting-Fahr­zeu­gen hin­ge­gen sind es zwi­schen 14 und 17 Eu­ro“, sagt Nehr­ke.

Mitt­ler­wei­le kom­bi­nie­ren An­bie­ter in ei­ni­gen Städ­ten bei­de Va­ri­an­ten. „Hier­bei gibt es dann ne­ben der sta­tio­nä­ren Flot­te auch Fahr­zeu­ge, die frei ab­ge­stellt und an­ge­mie­tet wer­den kön­nen“, er­klärt Sme­ta­nin. „Im kom­bi­nier­ten Mo­dell fah­ren die free-floa­ten­den Fahr­zeu­gen dann zum güns­ti­gen sta­ti­ons­ba­sier­ten Ta­rif“, sagt Nehr­ke.

Be­son­ders im länd­li­chen Raum, wo sich kom­mer­zi­el­le An­bie­ter zu­rück­hal­ten und der öf­fent­li­che Nah­ver­kehr schwach aus­ge­baut ist, bie­tet das pri­va­te Car­sha­ring ei­ne Mög­lich­keit, mo­bil zu blei­ben. Hier­zu gibt es zwei Va­ri­an­ten: Wird das Au­to mit ei­nem fes­ten Nut­zer­kreis ge­teilt, emp­fiehlt sich ein Nach­bar­schafts­ver­trag. „Dar­in wird et­wa fest­ge­legt, dass ein Fahr­ten­buch ge­führt wird, zu wel­chen Be­din­gun­gen das Au­to ver­si­chert ist und in wel­chem Zu­stand der Wa­gen über­ge­ben wer­den muss“, sagt Sme­ta­nin. Letzt­lich han­de­le es sich um ei­ne Ver­ein­ba­rung zur Au­to­mit­nut­zung, mit der die Kos­ten ge­re­gelt wer­den, das Au­to aber im Be­sitz ei­ner Per­son ver­bleibt.

Bei der an­de­ren Va­ri­an­te bie­tet man den ei­ge­nen Pkw auf der In­ter­net-Platt­form ei­nes ge­werb­li­chen An­bie­ters an. Hier­bei über­nimmt der Platt­form­an­bie­ter die Ver­mitt­lung und kas­siert ei­ne Pro­vi­si­on. In der Re­gel ver­si­chert der An­bie­ter das Pri­vat­au­to zu­sätz­lich, da­mit der Au­to­be­sit­zer bei ei­nem even­tu­el­len Scha­den nicht von sei­ner pri­va­ten Ver­si­che­rung hoch­ge­stuft wird. Doch es gibt Ein­schrän­kun­gen. Die eu­ro­pa­weit tä­ti­ge Platt­form Dri­vy et­wa ak­zep­tiert nur Fahr­zeu­ge mit ei­nem Wert bis ma­xi­mal 45.000 Eu­ro und schließt den Ver­si­che­rungs­schutz für ein fi­nan­zier­tes oder ge­leas­tes Au­to aus, wenn der Lea­sing­ge­ber dies nicht aus­drück­lich zu­lässt.

„Der Vor­teil ist

ei­ne ho­he Fle­xi­bi­li­tät oh­ne Un­ter­halts­kos­ten“

Ver­kehrs­club Deutsch­land

FO­TO: DRI­VY

Bei be­stimm­ten An­bie­tern kann man sein ei­ge­nes Au­to mit an­de­ren tei­len. Da­für bie­tet man den Wa­gen auf ei­ner In­ter­net-Platt­form an, der An­bie­ter kas­siert im Ge­gen­zug für die Ver­mitt­lung ei­ne Pro­vi­si­on.

FO­TO: DRI­VE NOW

Im Zu­sam­men­spiel mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln set­zen vie­le Men­schen ge­ra­de in Groß­städ­ten auf so­ge­nann­te Free-Floa­ting-An­ge­bo­te.

FO­TO: CAM­BIO

Der Zu­gang er­folgt über ei­ne Kun­den­kar­te.

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