NRW-Tür­ken in Sor­ge um Fa­mi­li­en

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - PUTSCH IN DER TÜRKEI - VON HEN­NING RA­SCHE

10.000 ge­hen für Er­do­gan auf die Stra­ße. Es gibt auch Ängs­te und Kri­tik.

DÜS­SEL­DORF Auf den Stra­ßen von Duis­burg, Es­sen, Düs­sel­dorf und et­li­chen wei­te­ren NRW-Städ­ten ha­ben sich am Wo­che­n­en­de mehr als 10.000 Men­schen mit dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan so­li­da­ri­siert. Über­all woll­ten sie nach dem miss­glück­ten Putsch Sams­tag­nacht Zei­chen pro Er­do­gan set­zen. In Nord­rhein-West­fa­len le­ben nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts fast 950.000 Men­schen mit tür­ki­schen Wur­zeln.

Auf den Stra­ßen in Düs­sel­dorf ist der Putsch­ver­such ein ver­brei­te­tes Ge­sprächs­the­ma. Ibra­him Isik lebt seit mehr als 40 Jah­ren in Deutsch­land, mit zwölf ist er mit sei­nen El­tern aus der Tür­kei ge­kom­men. Er ar­bei­tet als Ta­xi­fah­rer und war­tet ge­ra­de vor dem Düs­sel­dor­fer Haupt­bahn­hof. „Ich glau­be, dass der Putsch­ver­such ein Trick von Er­do­gan ist“, sagt er. „Er will un­be­dingt al­lei­ne re­gie­ren und nutzt die Chan­ce jetzt, Mi­li­tär und Jus­tiz noch wei­ter un­ter sei­ne Kon­trol­le zu brin­gen.“Isik hat Cou­si­nen und Tan­ten, die in Istan­bul le­ben. Er hat sie an­ge­ru­fen nach dem Putsch­ver­such, sich er­kun­digt, wie es ih­nen geht. „Die Angst vor der Es­ka­la­ti­on, vor dem Bür­ger­krieg ist da“, sagt Ibra­him Isik.

Elif ar­bei­tet in ei­ner tür­ki­schen Bä­cke­rei in Düs­sel­dorf. Sie be­kommt mit, dass vie­le ih­rer Kun­den und Freun­de über das The­ma dis­ku­tie­ren. „Ich bin froh, dass der Putsch­ver­such miss­lun­gen ist“, sagt Elif. In ih­rem Um­feld sei­en al­le für Er­do­gan. Als sie in Istan­bul ge­lebt ha­be und er noch nicht an der Macht war, fie­len re­gel­mä­ßig Strom und Was­ser aus. „Seit Er­do­gan Staats­prä­si­dent ist, pas­siert das nicht mehr“, er­zäh­len ih­re Cou­si­nen, die in bes­se­ren Stadt­tei­len der Me­tro­po­le le­ben.

Auf der Köl­ner Stra­ße der Lan­des­haupt­stadt geht Mer­ve Tas spa­zie­ren. Sie sagt: „Er­do­gan möch­te ein Präi­di­al­sys­tem und das Par­la­ment als Schein nut­zen, um al­les und je­den zu re­gie­ren.“Sie hält die Ak­ti­on am Frei­tag­abend eher nicht für ei­nen Putsch, son­dern mehr für ei­nen Pro­test ge­gen die Re­gie­rung aus Tei­len der Ar­mee. Er­do­gan ha­be De­mons­tran­ten stets als „Fein­de der Tür­kei“be­zeich­net. Als der Putsch dann be­gann, schick­te er selbst das Volk auf die Stra­ße. Das sei­en laut Er­do­gan nun „Freun­de der Tür­kei“.

FOTO: DPA

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