Deut­sche Bank schließt 51 Fi­lia­len in NRW

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON ANT­JE HÖNING

Die Bank re­agiert auf On­li­ne-Trend und Kos­ten­druck – und ver­setzt die Be­leg­schaft in Auf­ruhr: Kün­di­gun­gen sind nicht aus­ge­schlos­sen. Al­le Fi­li­al­lei­ter muss­ten sich neu be­wer­ben. In Deutsch­land fal­len 4000 Stel­len weg.

FRANK­FURT Die Deut­sche Bank macht Ta­bu­la ra­sa: Um die Kos­ten zu sen­ken, dünnt sie ihr Netz mas­siv aus. Bun­des­weit schließt sie bis En­de des nächs­ten Jah­res 188 von 723 Fi­lia­len. Am stärks­ten be­trof­fen ist Nord­rhein-West­fa­len: Hier fal­len 51 von 205 Fi­lia­len weg. Selbst wenn man be­rück­sich­tigt, dass NRW das be­völ­ke­rungs­reichs­te Land ist, fällt der Kahl­schlag über­pro­por­tio­nal aus. Die Bank ver­öf­fent­lich­te ges­tern die Lis­te der be­trof­fe­nen Or­te (www.db.com/spe­cials/de/ghp/zu­kunft.htm). Dem­nach fal­len al­lein in Düs­sel­dorf vier Fi­lia­len weg. In Städ­ten wie Er­kelenz oder Xan­ten ist die Bank künf­tig gar nicht mehr mit ei­ner Fi­lia­le ver­tre­ten.

Am zweit­stärks­ten be­trof­fen ist Ber­lin: Hier fal­len 43 Fi­lia­len weg. In der Haupt­stadt war das Fi­li­al­netz we­gen der Toch­ter Ber­li­ner Bank be­son­ders dicht. Zum Ver­gleich: In Ba­den-Würt­tem­berg ma­chen nur zwölf Fi­lia­len dicht, in Bay­ern elf.

Die Bank ver­tei­dig­te ihr Vor­ge­hen. Im­mer we­ni­ger Men­schen nutz­ten Fi­lia­len und im­mer mehr das On­li­ne-Ban­king, sag­te Pri­vat­kun­den­vor­stand Chris­ti­an Sewing. „Wir freu­en uns über je­den Kun­den, der in die Fi­lia­le kommt. Rich­tig ist lei­der aber auch, dass im­mer we­ni­ger Men­schen die­ses An­ge­bot auch nut­zen.“Von den 188 Fi­lia­len, die ge­schlos­sen wer­den, soll­ten 30 an länd­li­chen Stand­or­ten in „Fi­nanz­agen­tu­ren“um­ge­wan­delt wer­den. Fol­gen für Kun­den Wo die Fi­lia­le schließt, müs­sen sich Kun­den auf län­ge­re We­ge ein­stel­len. „Wenn wir in klei­ne­ren Städ­ten die ein­zi­ge Deut­sche Bank-Fi­lia­le mit ei­ner Fi­lia­le in ei­nem an­de­ren Ort zu­sam- men­le­gen, ist dies ei­ne spür­ba­re Ein­schrän­kung im Vor-Ort-Ser­vice“, räumt die Bank ein. In Groß­städ­ten könn­ten sich Kun­den da­ge­gen ei­ne Fi­lia­le in der Nä­he su­chen, des­halb ha­be man die Schlie­ßun­gen auf Bal­lungs­zen­tren kon­zen­triert. Im Zu­ge der Zu­sam­men­le­gung kön­ne es ei­nen Wech­sel des Be­ra­ters ge­ben. Die Kon­to­num­mer (Iban) blei­be da­ge­gen un­ver­än­dert. Kun­den­ver­lus­te kön­ne man nicht aus­schlie­ßen, lang­fris­tig hof­fe man aber, den Markt­an­teil zu stei­gern.

Und wie­der ein­mal setzt die Bank stär­ker auf ver­mö­gen­de Kun­den: In je­der Fi­lia­le soll es künf­tig Be­ra­tung zur Ver­mö­gens­ver­wal­tung ge­ben. Da­für wird die Zahl der Ex­per­ten in die­sem Be­reich auf­ge­stockt. Fol­gen für Mit­ar­bei­ter In­tern ru­mort es ge­wal­tig. Par­al­lel zu den Fi­li­al­schlie­ßun­gen streicht Bank-Chef John Cryan Tau­sen­de Stel­len. Ins­ge­samt baut die Bank in Deutsch­land bis 2020 net­to 4000 von 46.000 Stel­len ab, da­von al­lein 2500 im Pri­vat­und Fir­men­kun­den­ge­schäft. Welt­weit wer­den 9000 von 101.000 Stel­len ge­stri­chen. Kün­di­gun­gen sol­len ver­mie­den wer­den, sind aber aus- drück­lich nicht aus­ge­schlos­sen. „Wir set­zen dar­auf, die Mit­ar­bei­ter auf freie Ar­beits­plät­ze in­ner­halb des Kon­zerns zu ver­mit­teln. Dar­über hin­aus wird die Bank Mit­ar­bei­ter un­ter­stüt­zen, au­ßer­halb des Un­ter­neh­mens ei­nen neu­en Ar­beits­platz zu fin­den.“Das dürf­te schwer wer­den: In der ge­sam­ten Bran­che fal­len der­zeit Stel­len weg.

Be­son­ders hart trifft es die 723 Fi­li­al­lei­ter des Bran­chen­pri­mus. Al­le – und nicht nur die, de­ren Fi­lia­le ge­schlos­sen wird – muss­ten sich in den ver­gan­ge­nen Wo­chen auf ih­re ei­ge­ne oder ei­ne an­de­re Stel­le be- wer­ben, be­rich­ten Be­trof­fe­ne. Da­mit wol­le man für Chan­cen­gleich­heit sor­gen, lau­tet die in­ter­ne An­sa­ge. Tat­säch­lich hat die Bank die Be­leg­schaft in Auf­ruhr ver­setzt. „Statt mit den Kun­den sind hier al­le nur noch mit sich selbst be­schäf­tigt“, sagt ei­ner. Wer nicht ge­nom­men wur­de, kann sich nun auf Stel­len in der Zen­tra­le oder an­de­ren Be­rei­chen be­wer­ben. Wer auch hier leer aus­geht, soll die Bank ver­las­sen – die macht Ab­fin­dungs­an­ge­bo­te. War­ten auf den Stress­test Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te die Deut­sche

FOTO: DPA

Die Deut­sche Bank hat­te bis­lang 723 Fi­lia­len in Deutsch­land. Bis En­de 2017 dünnt sie ihr Netz kräf­tig aus. Am stärks­ten ist Nord­rhein-West­fa­len be­trof­fen.

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