Dort­mund wird jün­ger

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

Der Vi­ze­meis­ter voll­zieht ei­nen Um­bruch. Gro­ße Spie­ler ge­hen, gro­ße Ta­len­te kom­men.

DORT­MUND Tho­mas Tu­chel hat ein Lieb­lings­wort. Es heißt „neu“. Bo­rus­sia Dort­munds Trai­ner spricht in die­sen Ta­gen oft von ei­nem „Neu­an­fang“, er sagt: „Wir müs­sen of­fen für neue Lö­sun­gen sein.“Oder er stellt fest: „Wir müs­sen uns nicht dar­an fest­hal­ten, was wir hat­ten, son­dern et­was Neu­es er­schaf­fen.“

Schon in sei­nem zwei­ten Jahr beim gro­ßen BVB steckt Tu­chel in der La­ge, die er vom klei­nen FSV Mainz 05 kennt. Er muss den Ab­gang nam­haf­ter Spie­ler aus­glei­chen, in­dem er ei­ne neue Mann­schaft mit Ta­len­ten auf­baut.

In Dort­mund darf er es al­ler­dings auf ei­nem ganz an­de­ren Ni­veau tun. Die Wech­sel von Mats Hum­mels (Bay­ern München), Hen­drik Mk­hi­ta­ryan (Man­ches­ter Uni­ted) und Il­kay Gün­do­gan (Man­ches­ter Ci­ty) spü­len 107 Mil­lio­nen Eu­ro in die Kas­se. Ver­pflich­tet wur­den Osu­ma­ne Dem­be­le (19/Sta­de Ren­nes), Se­bas­ti­an Ro­de (25/Bay­ern), Ra­pha­el Gu­er­re­ro (22/FC Lori­ent), Marc Bar­tra (25/FC Bar­ce­lo­na), Em­re Mor (18/Nords­ja­el­land) und Mi­kel Me­ri­no (20/Osa­su­na). Kurz vor der Ver­pflich­tung steht Ma­rio Göt­ze (24/ Bay­ern), mög­li­cher­wei­se kommt auch noch An­dré Schürr­le (25/ Wolfs­burg).

Das sind al­le­samt Spie­ler mit gro­ßer Per­spek­ti­ve, zwei (Göt­ze und Schürr­le) sind Fuß­bal­ler, die zu Tu­chels neu­em Lieb­lings­wort be­son­ders gut pas­sen. Die deut­schen Na­tio­nal­spie­ler su­chen ih­ren per­sön­li­chen Neu­an­fang.

Das birgt Ri­si­ken. Tu­chel weiß das, und er mahnt: „Wich­tig ist, dass wir den Ver­lust und den Neu­an­fang an­er­ken­nen.“Der Ab­gang prä­gen­der Ge­stal­ten wird viel­leicht den Dort­mun­der Stil ver­än­dern. Das meint der Coach, wenn er von „neu­en Lö­sun­gen“spricht. Ei­ne die­ser Lö­sun­gen be­steht in der ge­mein­sa­men Be­geis­te­rung für die Sa­che. „Wir ha­ben uns für ih­re Per­sön­lich­keit, ih­re Lust, ih­re Krea­ti­vi­tät und das Leuch­ten in ih­ren Au­gen ent­schie­den“, sagt Tu­chel über die Neu­en. Und er fällt dann selbst in den Ton­fall der Be­geis­te­rung. Er will das so.

Die An­sprü­che des Ver­eins wer­den von den per­so­nel­len Wech­seln nicht be­rührt. Dort­mund sieht sich wei­ter­hin zu­min­dest als ers­ter An­wär­ter auf den Platz hin­ter den Bay­ern. De­ren Vor­macht­stel­lung sieht der BVB-Ge­schäfts­füh­rer Hans-Joa­chim Watz­ke re­gel­recht ze­men­tiert. Die Bay­ern sei­en nun „un­an­tast­bar“, fin­det er. Das ist zu­nächst ein­mal kor­rekt. Auf lan­ge Sicht wird sich Dort­mund aber nicht da­mit ab­fin­den – ganz gleich, was die Funk­tio­nä­re da­zu er­klä­ren.

Mit Si­cher­heit dür­fen sie sich stark ge­nug füh­len, die klei­ne in­ter­ne Meis­ter­schaft der Bay­ern-Ver­fol­ger er­neut für sich ent­schei­den zu kön­nen. Min­des­tens eben­so sehr wie in der zu­rück­lie­gen­den Sai­son wird das da­von ab­hän­gen, ob Tu­chel die Leis­tungs­fä­hig­keit sei­ner deut­lich ver­jüng­ten Mann­schaft auf den Platz bringt. Er hat seit dem ver- gan­ge­nen Som­mer im­mer­hin ge­zeigt, dass er ei­nen Fuß­ball­ver­ein re­gel­recht über­ar­bei­ten kann. Er hat das lauf­in­ten­si­ve Ge­gen­pres­sing aus der Ära sei­nes Vor­gän­gers Jür­gen Klopp mit vie­len fuß­bal­le­ri­schen Fein­hei­ten be­rei­chert. Der BVB hat sich spie­le­risch un­ter Tu­chels Lei­tung enorm ent­wi­ckelt.

Das tak­ti­sche Händ­chen des Trai­ners und sei­ne Ga­be, aus der Grup­pe mehr her­aus­zu­ho­len, als in je­dem Ein­zel­nen steckt, sind so wich­tig wie die fuß­bal­le­ri­schen Qua­li­tä­ten sei­ner jun­gen Eu­ro­pa-Aus­wahl. „Un­ser Weg ist jung und ris­kant, aber Ri­si­ko wird auch be­lohnt“, er­klärt Tu­chel. Er sagt gar nicht erst: „Ri­si­ko kann be­lohnt wer­den.“Für ihn ist das kei­ne Fra­ge. Auf we­sent­lich be­schei­de­ne­rem Ni­veau ist ihm in Mainz der Nach­weis da­für be­reits ge­lun­gen. Des­we­gen muss er nun kei­ne schlaf­lo­sen Näch­te ha­ben.

Der neue BVB wird ver­mut­lich an An­griffs­lust noch ein­mal zu­le­gen. Da­für spre­chen die Ju­gend und die Spiel­rich­tung der Neu­en. Selbst Ab­wehr­spie­ler wie Marc Bar­tra und Ra­pha­el Gu­er­re­ro be­tei­li­gen sich sehr gern am Auf­bau. Das liegt in ih­rer fuß­bal­le­ri­schen Na­tur. Und von Göt­ze er­war­ten sie in Dort­mund, dass er an al­ter Wir­kungs­stät­te das Ver­spre­chen auf ei­ne Welt­kar­rie­re ein­löst, das er dort vor mehr als drei Jah­ren ab­leg­te. Das ist ei­ne gro­ße Chan­ce für Bo­rus­sia Dort­mund, aber na­tür­lich auch ein Ri­si­ko. „Es ist die rich­ti­ge Op­ti­on“, fin­det Bay­erns Ver­eins­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge. Er muss es ja wis­sen.

FOTO: DEFODI

Bo­rus­sia Dort­munds Trai­ner Tho­mas Tu­chel auf dem Trai­nings­ge­län­de vor dem al­ten Satz der BVB-Le­gen­de Adi Preiß­ler.

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