Schu­bert ar­bei­tet an der Fle­xi­bi­li­tät

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON KARS­TEN KELLERMANN

Die Drei­er­ket­te ist beim Bo­rus­sia-Coach ge­setzt. In der Of­fen­si­ve gilt es, die tak­ti­schen Mög­lich­kei­ten aus­zu­lo­ten.

ROTTACH-EGERN An­dré Schu­bert hat ei­ne grü­ne Tak­tik­ta­fel im hei­mi­schen Wohn­zim­mer ste­hen. Dar­auf schiebt der Trai­ner von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach blaue und ro­te Ma­gnet­fi­gu­ren hin und her, um aus­zu­bal­do­wern, was die bes­te For­ma­ti­on für sein Team sein kann. „Ich ha­be kei­ne Prä­fe­renz, wie wir spie­len, es kommt auf den Geg­ner an, auf die an­ste­hen­de Auf­ga­be, auf die Ver­fas­sung der Spie­ler“, sagt Schu­bert. Sein Cre­do für die neue Sai­son ist Of­fen­heit. Er will sich nicht fest­le­gen auf ein Sys­tem oder ei­ne Stamm­elf: „Wir wol­len sehr fle­xi­bel blei­ben.“Der­zeit ist er mit sei­ner Mann­schaft in Rottach-Egern am Te­gern­see im Trai­nings­la­ger. Dort gilt es, das, was er an der Tak­tik­ta­fel ent­wor­fen hat, auf den Platz zu brin­gen. Klar ist: Die neue Bo­rus­sia wird im­mer we­ni­ger Spu­ren­ele­men­te des al­ten Trai­ners Lu­ci­en Fav­re be­inhal­ten, son­dern mehr und mehr Schu­bert-Ide­en. Die Ent­fav­re­ri­sie­rung Bo­rus­si­as setzt sich al­so fort. „Wir sind im Um­bruch“, sagt Schu­bert.

In Gra­nit Xha­ka, der für 45 Mil­lio­nen Eu­ro zum FC Ar­senal nach Lon­don ge­wech­selt ist, ist das Herz­stück des Vor­jah­res ab­han­den­ge­kom­men, auch drei lang­jäh­ri­ge Füh­rungs­spie­ler sind nicht mehr da: Mar­tin Stranzl (Kar­rie­re-En­de), Ha­vard Nordtveit (West­ham Uni­ted) und Ro­el Brou­wers (Ro­da Kerk­ra­de).

Da­für ist Chris­toph Kramer von Bay­er Leverkusen zu­rück­ge­kehrt, Jan­nik Ves­ter­gaard aus Bre­men ge­kom­men und Tobias Strobl aus Hof­fen­heim, zu­dem in­ves­tier­te Sport­di­rek­tor Max Eberl in die Zu­kunft: Ma­ma­dou Dou­cou­ré (18, Ver­tei­di­ger, von Paris Saint Ger­main) und Lazs­lo Be­nés (18, Mit­tel­feld, MSK Zi­li­na) sind zwei jun­ge Män­ner für die Zu­kunft. Ei­ne neue Ach­se muss

An­dré Schu­bert wach­sen, und auch neue Struk­tu­ren im Team.

Schon in der ver­gan­ge­nen Sai­son, als er am fünf­ten Spiel­tag nach fünf Nie­der­la­gen (plus ei­ner in der Cham­pi­ons Le­ague) und Fav­res plötz­li­chem Ab­gang die Bo­rus­sen über­nahm, hat Schu­bert den Um- bruch ein­ge­lei­tet, per­so­nell und tak­tisch. Er führ­te die de­fen­si­ve Drei­er­ket­te ein und ein in­ter­es­san­tes Drei­er­kon­strukt in der Of­fen­si­ve mit wahl­wei­se drei Zeh­ner-Ty­pen oder zwei Zeh­nern und ei­nem Stoß­stür­mer. „Vie­le sa­gen ja, die Drei­er­ket­te sei de­fen­siv, aber in der Art, wie wir sie spie­len, ist sie es nicht“, sagt Schu­bert. Die Drei­er­ket­te ist ak­tu­ell das Leit­pro­gramm in Glad­bach, „dar­an sol­len sich die Neu­en erst mal ge­wöh­nen“, sagt Schu­bert. Nach wie vor zählt er aber auch das un­ter Fav­re ty­pi­sche 4-4-2 zum Re­per­toire.

Für die neue Sai­son hat er ei­ne er­gän­zen­de tak­ti­sche Idee. Auch ein 4-3-3 ist künf­tig vor­stell­bar, so­gar in ver­schie­de­nen Au­s­prä­gun­gen: mit klas­si­schen Flü­gel­stür­mern und ei­nem Stoß­stür­mer oder aber mit ge­ball­ter Spiel­freu­de im Zen­trum. Das Mit­tel­feld kann mit ei­nem Sech­ser und zwei Um­schalt­spie­lern be­stückt sein. Oder eben mit ei­nem vor­ge­zo­ge­nen Mann und zwei de­fen­si­ve­ren Spie­lern da­hin­ter. „Die Jungs sind sehr fle­xi­bel“, weiß Schu­bert. Er will die Brei­te des Ka­ders, die noch mal ge­wach­sen ist im Ver­gleich zum Vor­jahr, nut­zen. „Wir ha­ben 15, 16, 17 Spie­ler, die es, wenn sie in Top­ver­fas­sung sind, al­le ver­die­nen, im­mer zu spie­len“, sagt Schu­bert. Dass je­der Spie­ler Ta­len­te mit­bringt, die ei­ne Sys­te­maus­prä­gung im De­tail ver­än­dern kön­nen, will er aus­führ­lich nut­zen.

Ent­schei­dend sei, in der Rück­wärts­be­we­gung kompakt zu sein und die Räu­me zu ver­dich­ten und nach vorn Lö­sun­gen zu fin­den, um die mas­sier­ten Ab­wehr­stra­te­gi­en der Geg­ner aus­zu­he­beln. Mit viel Ball­be­sitz soll Schu­berts Bo­rus­sia die Kon­kur­ren­ten be­spie­len. Und wenn der Ball weg ist, „wer­den wir ihn ja­gen“.

Wann, wie und wo at­ta­ckiert wer­den soll, wel­che Räu­me be­setzt wer­den, dar­an ar­bei­tet er nun mit dem Team am Te­gern­see. Je­de Tak­tik­ta­fel-Theo­rie ist nur so gut wie die Um­set­zung in der Rea­li­tät. „Na­tür­lich rich­tet man die Ide­en an den Spie­lern aus. Es ist wie beim Schach, du nutzt die Mög­lich­kei­ten, die du hast. Und die, die nicht in­fra­ge kom­men, lässt du weg“, sagt Schu­bert.

„Wenn der Ball weg ist, wer­den wir ihn ja­gen“

Trai­ner Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach

FOTO: IM­A­GO

Auf dem Trai­nings­platz in Rottach-Egern (von links): Chris­toph Kramer, To­ny Jantsch­ke und Ibra­hi­ma Trao­re.

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