Pro­fis ma­chen die Mü­cke

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON GI­AN­NI COS­TA

Im­mer mehr Top­stars sa­gen ih­re Teil­nah­me in Rio ab – of­fi­zi­ell aus Angst vor dem ge­fähr­li­chen Zi­ka-Vi­rus. Tat­säch­lich pas­sen die Olym­pi­schen Spie­le (5. bis 21. Au­gust) nicht in den Ter­min­plan.

RIO DE JANEI­RO/DÜS­SEL­DORF Mi­los Rao­nic hat es sich na­tür­lich nicht leicht ge­macht. Sagt er zu­min­dest. „Schwe­ren Her­zens nach vie­len lan­gen Ge­sprä­chen mit Freun­den und Trai­nern“– so der Wort­laut in sei­ner Stel­lung­nah­me. Der Ka­na­di­er Rao­nic ist ak­tu­ell die Num­mer sie­ben der Welt, am vor­ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de stand er noch im End-

Beim Olym­pi­schen Ten­nis-Tur­nier gibt es dies­mal kei­ne Punk­te für die

Welt­rang­lis­te

spiel von Wim­ble­don. Beim Olym­pi­schen Ten­nis-Tur­nier will er aber lie­ber nicht mit­spie­len. Aus „meh­re­ren ge­sund­heit­li­chen Grün­den. Die Un­si­cher­heit um das Zi­ka-Vi­rus spiel­te da­bei auch ei­ne Rol­le.“So wie Rao­nic ha­ben auch vie­le an­de­re Top­stars ih­ren Ver­zicht be­grün­det.

Das olym­pi­sche Golf­tur­nier hat be­son­ders stark ge­lit­ten. Un­ter an­de­rem die Top-4-Spie­ler Ja­son Day (Aus­tra­li­en), Jor­dan Spieth, Dus­tin John­son (bei­de USA) und Ro­ry McIl­roy (Nord­ir­land) hat­ten ih­ren Ver­zicht für Rio er­klärt. Die bra­si­lia­ni­sche Stadt am Zu­cker­hut gilt als ei­nes der Epi­zen­tren des so ge­n­an­ten Zi­ka-Vi­rus, das durch Mü­cken über­tra­gen wird. Ei­ne Grup­pe von 150 Ärz­ten hat­ten un­längst ge­for­dert, die Spie­le in ei­nem an­de­ren Land aus­zu­tra­gen oder zu ver­schie­ben. Bra­si­li­en sei der­zeit ein zu un­si­che­res Pflas­ter.

Nicht ganz so über­ra­schend fand das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee (IOC) die­sen Vor­schlag über­haupt nicht gut und hat seit­her vie­le Me­di­zi­ner nach vor­ne ge­schickt, um zu ver­si­chern, dass der Stand­ort ab­so­lut un­be­denk­lich sei. Es be­ste­he, wie das IOC mit­teilt, „kei­ne Ge­fähr­dung der öf­fent­li­chen Ge­sund­heit, die es recht­fer­ti­gen wür­de, die Olym­pi­schen Spie­le ab­zu­sa­gen oder zu ver­ta­gen“. Ähn­lich ar­gu­men­tiert der DOSB-Vor­stands­vor- sit­zen­de Micha­el Ve­sper: „Al­le Sport­ler wer­den op­ti­mal me­di­zi­nisch be­treut und sehr gut auf­ge­klärt. Wir sind zu­ver­sicht­lich, dass wir die­ses Ri­si­ko tra­gen und be­herr­schen kön­nen.“Was ihn so si­cher macht, dar­über über­mit­tel­te Ve­sper al­ler­dings kei­ne ge­si­cher­ten Er­kennt­nis­se.

Tat­säch­lich geht es vie­len Pro­fis über­haupt nicht um das Zi­ka-Vi­rus – sie ma­chen die Mü­cke, weil sich die Olym­pi­schen Spie­le nicht für sie rech­nen. Der in­ter­na­tio­na­le Ten­nis­ver­band (ITF) hat­te sich zum Bei­spiel nicht mit den Pro­fi-Or­ga­ni­sa- je­ne aus der Kern­sport­art Leicht­ath­le­tik. Doch der Markt hat sich ra­di­kal ge­än­dert. Zu­min­dest für vie­le Ath­le­ten in Sport­ar­ten, die so­wie­so je­den Tag im Blick­punkt ste­hen und ab­kas­sie­ren. Bei Olym­pia ge­hen sie in der Re­gel nur für die Eh­re an den Start – es sei denn, es gibt Ab­spra­chen mit Spon­so­ren. Durch vie­le von Funk­tio­nä­ren ver­ur­sach­ten Skan­da­le ha­ben aber et­li­che Fir­men über­haupt kein ge­stei­ger­tes In­ter­es­se, im Um­feld der Spie­le auf­zu­tre­ten. Dar­über re­det na­tür­lich kei­ner of­fen.

Es gibt ja die Mü­cke.

FOTO: IM­A­GO

Im Wim­ble­don-Fi­na­le noch en­ga­giert bei der Sa­che: Mi­los Rao­nic.

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