Tech­no mit Fri­ka­del­len

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON KLAS LIBUDA

Zum Mu­sik­fes­ti­val „Parookaville“ka­men am Wo­che­n­en­de 50.000 Men­schen ins nie­der­rhei­ni­sche Wee­ze.

WEE­ZE Um halb zehn ist end­lich Ru­he. Denn da schrau­ben sie auf der Haupt­büh­ne die Bäs­se raus und bit­ten dar­um, dass sich nun al­le ein­mal hin­set­zen mö­gen. Zehn- bis zwan­zig­tau­send Men­schen mö­gen das sein, die nun sit­zen, es ist über­all voll. Fünf Se­kun­den spä­ter don­nert’s, der Bass kehrt zu­rück, es gibt jetzt kein Hal­ten mehr. Ab­sprung in die letz­te Nacht von Wee­ze.

Am Wo­che­n­en­de ging dort das „Parookaville“-Fes­ti­val über die Büh­nen, 50.000 Men­schen sind in die 10.000-Ein­woh­ner-Ge­mein­de am Nie­der­rhein ge­kom­men, für mehr als hun­dert Disc­jo­ckeys, für die Kir­che, das Post­amt und die Knast-Ku­lis­se. Im Ge­fäng­nis, das kei­nes ist, kann man sich hin­ter Git­ter­stä­ben die Haa­re auf drei Mil­li­me­ter sche­ren und das Lo­go des Fes­ti­vals auf die Wa­de tä­to­wie­ren las­sen. 30 Eu­ro kos­tet das. Macht doch kei­ner – denkt, wer sich halb­wegs bei Ver­stand fühlt –, geht ja nie wie­der weg. Doch die Schlan­ge an der An­mel­dung ist lang, da wo die Ein­ver­ständ­nis­er­klä­run­gen aus­ge­ge­ben wer­den. Man muss un­ter­schrei­ben, dass man bei Sin­nen ist.

Das „Parookaville“ist in NRW et­was Be­son­de­res, weil es so ein Mu­sik­fes­ti­val in der Re­gi­on noch nicht gab und das ra­send schnell wächst. 25.000 Men­schen ka­men zur Pre­mie­re im ver­gan­ge­nen Jahr, nun wur­de die Ka­pa­zi­tät ver­dop­pelt. Trotz­dem mel­de­ten die Ver­an­stal­ter, die vor fünf Jah­ren mit Be­achPar­tys auf dem Wee­zer Rat­haus­platz an­fin­gen, wie­der: al­les weg. Kurz nach Ver­kaufs­start im Ok­to­ber wa­ren die Kar­ten aus­ver­kauft.

Nun al­so gibt es die zwei­te Auf­la­ge, ge­spielt wird beim „Parookaville“elek­tro­ni­sche Tanz­mu­sik, aber man soll­te da­bei nicht an Kraft­werk den­ken, son­dern an das, was auf Kir­mes­plät­zen bei den Über­schlag-Ge­rä­ten läuft. Das ist Tech­no mit mes­ser­schar­fen Syn­thie-Flä­chen und Bäs­sen, die in der Ma­gen­ge­gend ein­schla­gen. In ei­ner Hal­le spielt am Sams­tag­abend ei­ner, der sich Va­len­ti­no Kahn nennt und die Takt­schlä­ge in sei­nen Songs auf min­des­tens 180 pro Mi­nu­te be­schleu­nigt. In der Pop­mu­sik ist das Licht­ge­schwin­dig­keit. Eben­dort, in der „Cloud Fac­to­ry“, so heißt die Hal­le, de­ren De­cke mit Knub­belWölk­chen ver­han­gen wur­de, spiel­te schon am Frei­tag DJ Fe­lix Ja­ehn. Da war’s so voll, dass gar nichts mehr ging, er­zäh­len die, die drau­ßen blei­ben muss­ten. Ja­ehn ist zur­zeit ei­ner der ge­frag­tes­ten Künst­ler sei­nes Fachs. Vor zwei Jah­ren schaff­te er,

FOTO: G. SEYBERT

Feu­er­spu­cken­de Haupt­büh­ne beim „Parookaville“-Fes­ti­val. 50.000 Men­schen fei­er­ten am Wo­che­n­en­de auf dem ehe­ma­li­gen Mi­li­tär­ge­län­de in Wee­ze.

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