KURZ­KRI­TI­KEN

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR -

Sach­buch Er gilt als der gro­ße Zer­trüm­me­rer, als der­ber Pro­vo­ka­teur, der ge­prägt hat, was wir heu­te das post­dra­ma­ti­sche Thea­ter nen­nen: Frank Cas­torf. In ei­ner Zeit, da man sich im Stil­len dar­auf ge­ei­nigt hat, dass die Zeit des so­ge­nann­ten Re­gie-Thea­ters vor­bei sei und ei­ne neue De­mut vor dem Au­tor und sei­nem Text vom Pu­bli­kum ho­no­riert wird, ist es er­hel­lend, sich mit dem po­li­ti­schen An­lie­gen Cas­torfs zu be­schäf­ti­gen und zu über­den­ken, wel­che äs­the­ti­schen Schlüs­se er dar­aus zieht. Da­zu hält ein neu­es Buch an, das in der Rei­he der Ar­beits­bü­cher des Fach­ver­lags „Thea­ter der Zeit“er­schie­nen ist („Cas­torf“, Thea­ter der Zeit, 184 Sei­ten, 24,50 Eu­ro) – mit Bei­trä­gen un­ter an­de­rem von Bo­ris Groys, Durs Grün­bein, Carl He­ge­mann, Staf­fan Val­de­mar Holm, Meng Jing­hui, Alex­an­der Klu­ge, Mat­thi­as Li­li­en­thal, Olaf Ni­co­lai, Tho­mas Os­ter­mei­er, Bert Pa­pen­fuß, Oli­vier Py, Ra­fa­el Sp­re­gel­burd und Kr­zy­sz­tof War­li­kow­ski.

Do­ro­thee Krings Gi­tar­ren­rock Neu­lich ha­ben die Markt­for­scher, die die Hit­pa­ra­den er­stel­len, ge­sagt, was der Som­mer­hit ist. Es ist ir­gend­ein Lied, das „Don’t Be So Shy“heißt, und das, glaubt man den For­schern, fol­gen­de Kri­te­ri­en er­füllt: Es ist ein­gän­gig und regt zum Tan­zen an, ver­brei­tet Ur­laubs­stim­mung, wird rauf und run­ter ge­spielt und ist über­haupt ir­re er­folg­reich. Das al­les trifft an­schei­nend auf „Don’t Be So Shy“zu, kei­ne Ah­nung, ich ha­be das nie ge­hört. Denn bei mir läuft nur noch Wee­zer und nichts an­de­res mehr, denn für den Som­mer gibt es die­ses Jahr nichts Bes­se­res, da kön­nen die­se Leu­te mir er­zäh­len, was sie wol­len. Man soll­te die­sen For­schern al­lein den ers­ten Song die­ser Plat­te vor­spie­len, der heißt „Ca­li­for­nia Kids“und ist ge­nau der Sound, den man braucht für die Fahrt zum Bag­ger­see oder an die Ost­see. Es folgt „Wind In Our Sail“, und ein­mal brin­gen Wee­zer dar­in die Gi­tar­ren zum Klin­gen, und Ri­vers Cuo­mo singt, dass Si­sy­phos den St­ein halt rol­len las­sen soll, und dann liegt er eben un­ten.

Wee­zer ha­ben die­se ei­gent­lich na­men­lo­se Plat­te als „Whi­te Al­bum“de­kla­riert. Es gibt auch schon ein grü­nes, ein ro­tes und das blaue, auf dem „Bud­dy Hol­ly“war und „Ho­li­day“, das sie auf „far away“und Bio­gra­fie Orches­ter­mu­si­ker ho­cken im Gra­ben und be­kom­men von der Opern­büh­ne nichts mit? Das ist ein Irr­tum: Meis­tens ha­ben sie näm­lich ein sehr di­rek­tes und in­tui­ti­ves Ver­hält­nis zu al­lem, was über ih­nen und in ih­rem Rü­cken pas­siert. Man­che sind dar­über hin­aus Opern­ken­ner und ver­ste­hen auch mu­sik­wis­sen­schaft­lich et­was von den Kom­po­nis­ten. So wie Ul­rich Drü­ner – er war 33 Jah­re Brat­schist in der Staats­oper Stuttgart; au­ßer­dem hat er über Richard Wa­gner pro­mo­viert. Dem wid­met er jetzt ein groß­ar­ti­ges Buch: „Richard Wa­gner – die Ins­ze­nie­rung ei­nes Le­bens“. Ein­drucks­voll schil­dert Drü­ner Wa­g­ners Le­ben und Wir­ken als fort­ge­setzt thea­tra­li­schen Vor­gang. Un­ter den vie­len Wa­gner-Bio­gra­fi­en ist dies das Werk ei­nes Ex­per­ten, der auch von Mu­sik et­was ver­steht. Das ist ei­ne Sel­ten­heit im Wa­gnerSchrift­tum, in dem an­sons­ten vie­les nach­ge­plap­pert wird. Taugt die­ser groß­ar­ti­ge Wäl­zer zur Som­mer­lek­tü­re? Un­be­dingt. Wolf­ram Go­ertz

Ul­rich Drü­ner,

Der Som­mer kommt mit Wee­zer

„to­day“reim­ten. Sie woll­ten ganz weit weg und zwar so­fort. Wie schon 1994, als der Song er­schie­nen ist, spie­len Wee­zer heu­te im­mer noch Gi­tar­ren­rock, der ziem­lich un­be­schwert klingt und es zu­meist auch ist. Klas­si­scher als Wee­zer kann ei­ne Band auch gar nicht auf­tre­ten: Schlag­zeug, Bass und zwei Gi­tar­ren, ei­ner singt. Auf ih­rem neu­en Al­bum rappt Sän­ger Cuo­mo so- gar ein­mal, und auch das be­kommt er hin. Das Lied heißt „Thank God For Girls“. Zu­ge­ge­ben, das „Whi­te Al­bum“ist schon vor ei­ni­gen Wo­chen er­schie­nen, aber da war das Wet­ter noch mie­ser als zu­letzt. Nun sind ja zu­min­dest gro­ße Fe­ri­en, da stellt sich der Som­mer schon noch ein. Dar­um macht es über­haupt nichts, die­se Plat­te erst jetzt zu ent­de­cken, und wer die Band viel­leicht noch nicht kann­te, neh­me auch die neun vor­he­ri­gen Al­ben zur Hand. Das reicht dann schon für ein gan­zes Stück des We­ges hin zur Son­ne, und wer ein­mal durch ist, fan­ge vor­ne wie­der an. Klas Libuda

FOTO: DPA

Frank Cas­torf.

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