SCHEFFLER „Stadt­spar­kas­se braucht Me­dia­tor“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

Der Grü­nen-Rats­herr sitzt im Ver­wal­tungs­rat der Stadt­spar­kas­se und ist Vor­sit­zen­der des Schul­aus­schus­ses. Streits wie die jüngs­ten im Kre­dit­in­sti­tut oder im Gör­res-Gym­na­si­um hat er in sei­ner lan­gen po­li­ti­schen Kar­rie­re noch nicht er­lebt.

Herr Scheffler, Sie sind 1989 erst­mals in den Stadt­rat ge­wählt wor­den. Sie ha­ben sich jetzt über Mo­na­te mit den Zer­würf­nis­sen bei der Stadt­spar­kas­se und beim Gör­res-Gym­na­si­um be­schäf­tigt. Ha­ben Sie sol­che Fäl­le von Zwie­tracht zu­vor er­lebt? SCHEFFLER Nein. In bin seit zwölf Jah­ren im Ver­wal­tungs­rat und eben­so lan­ge Vor­sit­zen­der des Schul­aus­schus­ses. Bei­de Fäl­le ste­hen für ver­lo­ren ge­gan­ge­ne Mög­lich­kei­ten der Kom­mu­ni­ka­ti­on, zer­stör­tes Ver­trau­en und Kon­fron­ta­tio­nen, die mir bis­lang un­be­kannt wa­ren. Beim Streit um die Hö­he der Aus­schüt­tung bei der Stadt­spar­kas­se ha­ben Sie zu­letzt von ei­nem Kin­der­gar­ten ge­spro­chen. War­um? SCHEFFLER Es gab von bei­den Sei­ten kaum Be­we­gung und we­nig Be­reit­schaft zur Ei­ni­gung. Im De­zem­ber hat Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel an­ge­bo­ten, mit elf Mil­lio­nen Eu­ro Ab­füh­rung an die Stadt für das Jahr 2014 zu­frie­den zu sein. Das hat der Spar­kas­sen-Vor­stand ab­ge­lehnt. Im Ja­nu­ar dann gab es den Kom­pro­miss, 17 Mil­lio­nen Eu­ro zu zah­len und künf­tig fünf Pro­zent des Jah­res­ge­winns. Dies­mal war Gei­sel da­ge­gen - als Ein­zi­ger. Da ist Ih­nen die Hut­schnur ge­platzt. SCHEFFLER Es war ei­ne Pro­be-Ab­stim­mung von 14:1 in­ner­halb des Ver­wal­tungs­ra­tes, nur Gei­sel war da­ge­gen. Man muss­te doch aus der Tat­sa­che, dass das In­sti­tut seit Mo­na­ten Scha­den nimmt, ir­gend­wann die rich­ti­gen Schlüs­se zie­hen. Als die Si­tua­ti­on völ­lig ver­fah­ren war, ha­be ich bei­den – dem Vor­stands­chef der Stadt­spar­kas­se, Arndt Hall­mann, und Gei­sel – ge­sagt, dass ihr Ver­hal­ten in mei­nen Au­gen un­po­li­tisch, un­rea­lis­tisch und un­rhei­nisch ist. Der Ober­bür­ger­meis­ter hat nicht ver­stan­den, was un­rhei­nisch ist. Wie ha­ben Sie es er­klärt? SCHEFFLER Wir las­sen im Rhein­land im­mer ei­ne Tü­re of­fen, da­mit man wie­der rein­kom­men und über ei­nen Kom­pro­miss spre­chen kann. Das ist auch ein We­sens­zug gu­ter Po­li­tik. Zur Ei­ni­gung ge­hö­ren aber im­mer zwei. Wel­chen Feh­ler hat die Stadt­spar­kas­se ge­macht? SCHEFFLER Der Kon­flikt hat ja viel frü­her an­ge­fan­gen. Gei­sel ist dem ver­stor­be­nen OB Er­win nicht un­ähn­lich. Der woll­te ei­ne Ge­winn­ab- füh­rung, um die Ki­ta-Ge­büh­ren ab­schaf­fen zu kön­nen. Es ist viel­leicht ein Ver­säum­nis, dass Gei­sel in die­ser Hin­sicht nichts vor­ge­bracht hat. Viel­leicht wä­re ei­ne Zu­stim­mung dann leich­ter ge­fal­len. Die Idee, dass die Stadt­spar­kas­se 25 Mil­lio­nen Eu­ro an die Stif­tung Mu­se­um Kunst­pa­last gibt, kam zu spät und war nicht taug­lich. Dass bei Hall­mann und Gei­sel zwei Wel­ten auf­ein­an­der tref­fen, war früh zu be­mer­ken. Gei­sel kommt aus ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft, da war es für ihn nor­mal, über die Ver­wen­dung des Ge­winns re­den zu wol­len. Für die Spar­kas­se sieht das ganz an­ders aus. Dort kann man sich nicht vor­stel­len, auch mal als Bank be­trach­tet zu wer­den. Und dann be­gann der Kin­der­gar­ten­be­trieb? SCHEFFLER Der grund­sätz­li­che Dis­sens spie­gel­te sich in vie­len De­tails. Nur ein Bei­spiel: Die üb­li­che Re­ge­lung, dass ein Mit­ar­bei­ter der Stadt­spar­kas­se das Pro­to­koll der Ver­wal­tungs­rats­sit­zun­gen an­fer­tigt, wur­de in­fra­ge ge­stellt. Statt­des­sen kam ei­ne Mit­ar­bei­te­rin aus dem Rat­haus. Die wur­de nach wei­te­ren Dis­kus­sio­nen durch ei­nen An­walt aus ei­ner Kanz­lei ab­ge­löst, die für den Ver­wal­tungs­rat ar­bei­tet. Ist denn Mit­re­den un­er­wünscht? SCHEFFLER Spar­kas­sen-Vor­stän­de al­ter Schu­le wa­ren ver­schnupft, wenn man sich in­ten­siv mit der Ma­te­rie be­schäf­tig­te und nach­bohr­te. Die­se Men­ta­li­tät hallt noch nach. Es gab Zei­ten, da la­gen wich­ti­ge Un­ter­la­gen nur zur Ein­sicht in ei­nem Raum be­reit. Ir­gend­wann ist her­aus­ge­kom­men, dass die meis­ten An­ga­ben nicht ge­heim ge­hal­ten wer­den müs­sen. Wir neh­men un­se­re Auf­ga­be ernst, bil­den uns fort, ich ma­che im Herbst wie­der zwei Se­mi­na­re. Ent­schei­dend ist: Wenn man ei­nen Kon­flikt hat, muss man sich auf ei­ne sach­li­che Ba­sis be­ge­ben, auf der man den Streit lö­sen kann. Der nächs­te ist pro­gram­miert. Es muss ge­re­gelt wer­den, auf wel­che Wei­se künf­tig über den Ge­winn ent­schie­den wird. Wie soll das lau­fen? SCHEFFLER Ich wä­re da­für, ei­nen Me­dia­tor ein­zu­schal­ten, der Vor­stand und Ver­wal­tungs­rats­spit­ze schon bei der Stra­te­gie­pla­nung und der Auf­stel­lung der Bi­lanz zu­sam­men­bringt. So wer­den Kon­flik­te früh ent­schärft. Noch ein­mal soll­ten wir uns ein sol­ches Thea­ter nicht leis­ten. Die Stadt­spar­kas­se stellt ih­re Ge­schäfts­plä­ne an­hand ma­the­ma­ti­scher Mo­del­le auf, die bei­spiels­wei­se mit dem Phä­no­men Ne­ga­tiv­zins nicht wirk­lich et­was an­fan­gen kön­nen. Dann muss man als Vor­stand auch mal selbst ei­ne Pro­gno­se ab­ge­ben. Die Er­war­tun­gen des Vor­stan­des und das tat­säch­li­che Er­geb­nis ha­ben mehr­fach zu stark dif­fe­riert. Jetzt muss neu­es Ver­trau­en auf­ge­baut wer­den. Ver­trau­en fehlt auch am Gör­resGym­na­si­um. Ih­re zwei­te Groß­bau­stel­le. Wie sieht es da aus? SCHEFFLER Das Gör­res ist sehr spe­zi­ell, vie­le ein­fluss­rei­che Düs­sel­dor­fer Fa­mi­li­en ha­ben dort ih­re Kin­der un­ter­ge­bracht. Ich war in al­len Düs­sel­dor­fer Gym­na­si­en an Schul­kon­fe­ren­zen be­tei­ligt, aber das Ge­sche­hen dort ist ein­ma­lig. Es gibt Grup­pie­run­gen bei El­tern und Leh­rern, zwi­schen de­nen teils blan­ker Hass herrscht. Da sit­zen Leu­te ge­mein­sam in ei­nem Gre­mi­um und sa­gen, sie woll­ten nicht mit­ein­an­der spre­chen. Das ist nicht ak­zep­ta­bel. Seit sie­ben Jah­ren gibt es Que­re­len und Pro­ble­me, sich mit ei­ner Schul­lei- tung zu ar­ran­gie­ren. Jetzt soll ein Me­dia­tor hel­fen, das hal­te ich für sehr rich­tig. Was muss an der Schu­le ge­sche­hen? SCHEFFLER Meh­re­re Kan­di­da­ten für den Rek­to­ren­pos­ten sind von der Schul­kon­fe­renz ab­ge­lehnt wor­den oder ha­ben zu­rück­ge­zo­gen. Man hat sich dar­an ge­wöhnt, als El­tern­schaft und Leh­rer­kol­le­gi­um al­les selbst zu ma­chen. Es soll­te als Ers­tes die Ein­sicht bei Leh­rern und El­tern grei­fen, dass ei­ne Schu­le ei­ne Füh­rung braucht. Es in­ter­es­siert sich doch kein Kan­di­dat mehr für das Gör­res-Gym­na­si­um, wenn er be­fürch­ten muss, von der Schul­kon­fe­renz zer­legt zu wer­den. Spar­kas­se und Gör­res: Sind dort zu vie­le Men­schen auf dem Ego-Trip? SCHEFFLER Den Ein­druck ha­be ich. An vie­len Stel­len kann man se­hen, dass un­se­re Ge­sell­schaft auf dem Ego-Trip ist. Es ist müh­sam, das Ver­ständ­nis für das grö­ße­re Ge­mein­in­ter­es­se zu ent­wi­ckeln, vie­le se­hen sich selbst als das Wich­tigs­te an. An die Schu­len kom­men jetzt vie­le Leh­rer, die als Ein­zel­kin­der groß ge­wor­den und sehr dy­na­misch sind. Sie müs­sen vie­le Son­der­auf­ga­ben über­neh­men, auch El­tern sind durch das Abitur nach acht Jah­ren stär­ker ein­ge­spannt. UWE-JENS RUHNAU FÜHR­TE DAS GE­SPRÄCH.

RP-FOTO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Das Ver­hal­ten der Par­tei­en im Streit um die Spar­kas­sen-Aus­schüt­tung sei „un­rhei­nisch“ge­we­sen, be­klagt Wolf­gang Scheffler.

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