Pracht­vol­le his­to­ri­sche P

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER RHEINKIRMES - VON BIR­GIT WANNINGER UND ANDRE­AS BRETZ (FOTOS)

Zum Ju­bi­lä­ums­jahr leg­te der St. Se­bas­tia­nus Schüt­zen­ver­ein von 1316 no

Er ist seit 50 Jah­ren im Of­fi­ziers­korps und seit 35 Jah­ren Oberst. Und aus­ge­rech­net im Ju­bi­lä­ums­jahr be­nö­tig­te Gün­ther Pan­nen­be­cker zwei An­läu­fe, um Schüt­zen­chef Lothar In­den zu mel­den, dass das Re­gi­ment voll­zäh­lig an­ge­tre­ten sei. 3000 Schüt­zen hör­ten ges­tern auf sein Kom­man­do – nur Frie­sen­hengst Wi­cki nicht. Der war zum ers­ten Mal bei der Pa­ra­de da­bei und zeig­te sich sto­isch, woll­te nicht in die Nä­he der Eh­ren­tri­bü­ne auf der Rei­tal­lee, so dass Pan­nen­be­cker er­klär­te: „Ich ver­such es noch mal.“Er ga­lop­pier­te zu­rück und hat­te beim zwei­ten An­lauf, bei dem ihm Schütz­chef In­den ent­ge­gen­kam, fast al­les un­ter Kon­trol­le – sehr zur Er­leich­te­rung der zahl­rei­chen Be­su­cher an der Rei­tal­lee und auf der Eh­ren­tri­bü­ne. Dort sa­ßen die meis­ten Her­ren in dunk­len An­zü­gen, die Da­men wa­ren schick be­hü­tet, wie zum Bei­spiel Uschi Pan­nen­be­cker. Die Ehe­frau des Oberst kauft sich je­des Jahr ei­nen neu­en Hut, dies­mal in Knall­rot. OB-Gat­tin Ve­ra Gei­sel setz­te auf ein de­zen­tes Grün.

Un­ter den Eh­ren­gäs­ten aus Po­li­tik, Ver­wal­tung und Brauch­tum wa­ren auch drei Geist­li­che: Stadt­de­chant Ul­rich Hen­nes, der zum ers­ten Mal an der Pa­ra­de teil­nahm, sein Vor­gän­ger Rolf St­ein­häu­ser, Eh­ren­mit­glied des St. Se­bas­tia­nus Schüt­zen­ver­eins und in­zwi­schen Weih­bi­schof, war aus Köln an­ge­reist, und den wei­tes­ten Weg hat­te Hei­ner Koch. Der ge­bür­ti­ge Düs­sel­dor­fer und heu­ti­ge Erz­bi­schof kam ei­gens aus Ber­lin.

Sie al­le sa­hen ein far­ben­präch­ti­ges Spek­ta­kel, das fast zwei St­un­den dau­er­te. Die Schüt­zen­pa­ra­de bot von al­lem ein biss­chen: Za­cki­ges für die Oh­ren und De­ko­ra­ti­ves für die Au­gen. Uni­for­men aus na­po­leo­ni­schen, ve­ne­zia­ni­schen und rus­si­schen Epo­chen er­in­ner­ten an ver­gan­ge­ne Düs­sel­dor­fer Zei­ten. Zum Ju­bi­lä­um soll­ten es noch ein paar mehr und al­les noch ein biss­chen bun­ter und pracht­vol­ler sein.

Den An­fang mach­ten – wie im­mer – sechs He­rol­de hoch zu Ross in schmu­cken Uni­for­men. Dann ka­men die Sap­peu­re, ein Au­gen­schmaus in Blau und Weiß mit der ro­ten Bürs­te als Kopf­be­de­ckung; ge­folgt von den Gre­na­die­ren im ele­gan­ten schwar­zen Cut zur wei­ßen Ho­se und mit ei­ner ro­ten Nel­ke im Re­vers als Farb­tup­fer. Die trug auch Ni­k­las Voll­mer, Sohn des Haupt­mann Tobias, der mit sei­nen drei Jah­ren zum ers­ten Mal da­bei war und stolz sei­nen Zy­lin­der trug. „Im nächs­ten Jahr will ich wie­der mit­mar­schie­ren“, sag­te der klei­ne Mann leicht er­schöpft.

Ähn­lich ging es am En­de auch Do­mi­ni­que St­ein­stra­ßer. Die 20-Jäh­ri­ge ist Fähn­rich bei der neu ge­grün­de­ten Da­men­kom­pa­nie „Ja­ko­be von Ba­den“. Zwar gab es die Kom­pa­nie, die den Na­men der ers­ten Schüt­zen­kö­ni­gin (1594) trägt, be­reits von 1928 bis in die 90er Jah­re, aber da­mals wa­ren es nur Män­ner. Heu­te sind es 17 Frau­en im Al­ter zwi­schen 16 und 62 Jah­ren. St­ein­stra­ßer durf­te die Fah­ne tra­gen, die neun Ki­lo­gramm wiegt. Da zit­ter­te ihr die Hand schließ­lich ganz schön vor An­stren­gung, und sie war froh, dass es vor­bei war.

Wie auch al­le an­de­ren, die bei klas­si­schem Schüt­zen­wet­ter, da­nach wei­ter zur Kir­mes zo­gen.

Klei­ner Schüt­ze ganz groß. Ge­mein­sam mit sei­nem Ka­me­ra­den schrei­tet der Ju­ni­or noch vo der ro­ten Bürs­ten auf ih­ren Kopf­be­de­ckun­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.