Kaum ei­ner schaut beim Ten­nis auf der Kir­mes wirk­lich zu

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER RHEINKIRMES -

Neu­er Spaß muss sein

(wa.) Ja­na (7) guckt skep­tisch ih­re Mut­ter an. „Darf ich das auch mal pro­bie­ren?“, fragt sie und fügt hin­zu: „Ist das teu­er?“Leicht ver­un­si­chert und ir­ri­tiert schlen­dern die Kir­mes­be­su­cher am Cen­ter­court vor­bei: ein rich­ti­ges Ten­nis­feld, ein Hart­platz in Ori­gi­nal­grö­ße, da­zu zwei Tri­bü­nen mit rund 120 Sitz­plät­zen und ein paar Steh­ti­schen. Viel los war dort am Wo­che­n­en­de al­ler­dings nicht, ob­wohl die Ver­an­stal­ter im Vor­feld or­dent­lich die Wer­be­trom­mel ge­rührt hat­ten. Aber Ja­na darf aufs Spiel­feld, und – wie ih­re Mut­ter er­fah­ren konn­te – es kos­tet auch nichts.

Wie Ja­na üb­ten auf dem Platz ein paar Kids, ein paar Ju­gend­li­che ver­such­ten an­schlie­ßend her­aus­zu­fin­den, wer den stärks­ten Auf­schlag hat. „First Ser­ve Chal­len­ge“nen­nen das die Ver­an­stal­ter. Rund 80 Teil­neh­mer wa­ren es am Sams­tag in­ner­halb ei­ner St­un­de. Und nicht je­der war treff­si­cher.

Zu­schau­er wa­ren bei die­sem Er­eig­nis Man­gel­wa­re. Da stan­den zwar ei­ni­ge an der Ban­de, blick­ten kurz über die Schul­ter, um dann dem Ten­nis­court den Rü­cken zu­zu- dre­hen. Was gleich ge­gen­über pas­sier­te, war für die meis­ten we­sent­lich in­ter­es­san­ter: Dort steht das Fahr­ge­schäft „In­fi­ni­ty“, mit dem es bei bis zu 120 Ki­lo­me­tern pro St­un­de in al­le Rich­tun­gen und bis zu 65 Me­ter in die Hö­he geht. Gleich um die Ecke be­fin­den sich wei­te­re ra­san­te Fahr­ge­schäf­te wie „Break­dance“und „Skoo­ter“.

Und auf dem Platz? Da spiel­te am Abend der Kroa­te Da­mir Bul­je­vic, der in frü­he­ren Zei­ten Micha­el Stich ein­mal ge­schla­gen hat und Welt­meis­ter im „Hin­ter-dem-Rü­ckenSpie­len“ist. Er lie­fer­te sich ei­nen Satz ge­gen den Abitu­ri­en­ten Bi­jan Mok­ha­be­ri. Der soll nach An­ga­ben von Fortu­na-Sta­di­on­spre­cher An­dré Scheidt, der die Ver­an­stal­tung ein biss­chen mo­de­rier­te, ein „Rie­sen­ta­lent“sein. Die we­ni­gen Zu­schau­er, die dann doch auf der Tri­bü­ne Platz nah­men, in­ter­es­sier­te es we­nig. Die meis­ten spiel­ten dort lie­ber mit ih­ren Smart­pho­nes.

Auch ges­tern war auf dem Cen­ter­court nicht viel los, ob­wohl ab 19 Uhr die Fortu­na auf­schlug. Ka­pi­tän Oli­ver Fink ver­trat den Fuß­bal­lZweit­li­gis­ten wür­dig.

Dass das Volks­fest auf den Rhein­wie­sen schon lan­ge den Ti­tel „Größ­te Kir­mes am Rhein“trägt, hat ei­ne ganz we­sent­li­che Ur­sa­che: den Mut zum Ex­pe­ri­ment bei Ma­chern und Schau­stel­lern. Es nützt nichts, lan­ge dar­über zu theo­re­ti­sie­ren, wel­che At­trak­tio­nen neu kom­men, wel­che man noch be­hal­ten und wel­che man wie­der mal zu­rück­brin­gen soll­te. Man muss es aus­pro­bie­ren und die Ab­stim­mung mit den Fü­ßen ab­war­ten. Wahr­schein­lich hat es selbst vor dem ers­ten Gast­spiel ei­ner Ach­ter­bahn mal Dis­kus­sio­nen ge­ge­ben, ob das denn nun das Rich­ti­ge für die Kir­mes ist. Eben die­se Er­fah­rung sam­meln nun die Ma­cher des Ten­nis-Courts auf den Rhein­wie­sen. Ih­re At­trak­ti­on ist noch nicht gut be­sucht, die pro­mi­nen­te Plat­zie­rung noch nicht ge­recht­fer­tigt. Die Idee ist un­ge­wöhn­lich und mu­tig – ob sich das aus­zahlt, müs­sen die Ver­ant­wort­li­chen nach nächs­tem Sonn­tag ent­schei­den. chris­ti­an.herrendorf

@rheinische-post.de

DNächs­tes Jahr ei­ne Sprung­schan­ze

ie War­te­lis­te der Aus­stel­ler, die auf die „Größ­te Kir­mes am Rhein“wol­len, ist lang. Ver­geb­lich be­mü­hen sich man­che Schau­stel­ler seit Jah­ren. Und da hat jetzt ein Neu­ling gleich ei­nen Platz be­kom­men, und zwar ei­nen gro­ßen: Zwi­schen ra­san­ten Fahr­ge­schäf­ten und Brat­wurst­bu­den wird auf der Rh­ein­kir­mes Ten­nis ge­spielt. So will man den Wei­ßen Sport wie­der at­trak­ti­ver ma­chen, heißt sei­tens der Ver­an­stal­ter, und die Schüt­zen ma­chen mit. Nicht aber die Be­su­cher. Die nut­zen die Tri­bü­nen höchs­ten mal für ei­ne Ver­schnauf­pau­se. Da hel­fen auch kei­ne Na­men von so ge­nann­ten Pro­mi­nen­ten wie Oli­ver Po­cher, die mal eben die Filz­ku­gel übers Netz brin­gen. Wie wä­re es denn im nächs­ten Jahr mit ei­ner Ski­sprung-Schan­ze über den Rhein, oder ei­nem Be­cken für Syn­chron­schwim­mer? Auch die­se Sport­ar­ten er­freu­en sich im Rhein­land nicht un­be­dingt gro­ßer Be­liebt­heit.

bir­git.wanninger @rheinische-post.de

Die Plät­ze am Ran­de des Cen­ter­courts sind bis­her kaum be­legt, die Spie­ler kön­nen meist in Ru­he üben.

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