Brau­se-Sau­se zum 15. Ver­eins-Ge­burts­tag

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER RHEINKIRMES - VON SA­RAH SCHNEIDEREIT

Mit Kirsch­kern­weit­spu­cken, ei­nem Bob­by­car-Ren­nen und viel Li­ve-Mu­sik hat der Kul­tur­ver­ein Metzgerei Schnit­zel sein 15-jäh­ri­ges Be­ste­hen ge­fei­ert. Das Ver­eins­heim „Brau­se“ist seit Jah­ren ein Treff­punkt für Nach­wuchs­künst­ler.

FRIED­RICH­STADT Die Zi­el­li­nie ist schon in Sicht. Mi­mi gibt mit ih­rem ro­ten Bob­by­car noch ein­mal so rich­tig Gas. Mit ei­nem Bein kniet sie auf dem Ge­fährt, mit dem an­de­ren ver­sucht sie, im­mer wie­der zu be­schleu­ni­gen. Selbst als sie aus dem Tritt kommt und halb vom Fahr­zeug rutscht, hech­tet sie mit dem Lenk­rad in der Hand wei­ter. Doch dann kommt der Sturz. Mi­mi liegt la­chend auf dem Bo­den, wäh­rend Jür­gen auf den letz­ten Me­tern vorm Ziel noch vor­bei­zieht und das Ren­nen für sich ent­schei­det. Die Men­ge ju­belt.

Das Bob­by­car-Ren­nen war der Hö­he­punkt der gro­ßen „Brau­seSau­se“am Sams­tag. 20 Teil­neh­mer hat­ten sich für den Wett­be­werb an­ge­mel­det, bei dem größ­ten­teils Er­wach­se­ne wie Jür­gen und Mi­mi ge­gen­ein­an­der an­tra­ten. „Mit so viel Zu­lauf hat­ten wir ei­gent­lich gar nicht ge­rech­net“, sag­te An­na Popp vom Kul­tur­ver­ein Metzgerei Schnit­zel kurz vor dem Start des Ren­nens. Doch der aus­ge­fal­le­ne Wett­be­werb traf wohl wie auch das Kirsch­kern­weit­spu­cken voll den Ge­schmack der Gäs­te.

Den Ver­ein Metzgerei Schnit­zel gibt es schon seit 15 Jah­ren. Ge­grün­det wur­de er, um die Künst­ler-Sze­ne in der Stadt zu för­dern und zu stär­ken. Der Ver­ein or­ga­ni­siert re­gel­mä­ßig Kon­zer­te, Le­sun­gen oder SlamAbend in sei­nem klei­nen Ver­eins­heim „Brau­se“in der Bil­ker Al­lee 233. Auch wenn der Raum in der al­ten Tank­stel­le nur 33 Qua­drat­me­ter groß ist, sind hier schon ei­ni­ge be­kann­te und we­ni­ger be­kann­te Künst­ler auf­ge­tre­ten. Der Ein­tritt in der „Brau­se“kos­tet im­mer nur ein Lä­cheln.

Der un­ge­wöhn­li­che Ver­eins­na­me hat nichts mit Fleisch zu tun. „Es heißt, dass der Na­me aus der Co­mic-Se­rie Tim und Strup­pi ent­lehnt wur­de“, so An­na Popp, die seit Kur- zen im Ver­eins­vor­stand ist. Auch der Na­me „Brau­se“hat sei­ne ganz ei­ge­ne Ge­schich­te. „Die Grün­der ha­ben da­mals im Sperr­müll ein paar gro­ße Buch­sta­ben ge­fun­den, aus de­nen sie ei­nen Na­men ma­chen woll­ten. Da war nur ,sau­ber’ oder ,Brau­se’ mög­lich“, sag­te Vor­stands­mit­glied An­dré Jans­sen.

Mit dem Stra­ßen­fest am Sams­tag woll­te der Ver­ein aber nicht nur sein 15-jäh­ri­ges Be­ste­hen fei­ern. „Wir sind seit En­de letz­ten Jah­res wie­der schul­den­frei. Das ist auch ein Grund zur Freu­de“, sag­te Jans­sen. Da der Ver­ein sich nur über Mit­glieds­bei­trä­ge und an­de­re fi­nan­zi­el­len Un­ter­stüt­zun­gen ab­lehnt, hat­te er in der Ver­gan­gen­heit oft Schwie­rig­kei­ten. „Das ge­hört jetzt aber zum Glück der Ver­gan­gen­heit an“, so Jans­sen.

Bei der „Brau­se-Sau­se“fei­er­ten nicht nur die der­zei­ti­gen 115 Ver­eins­mit­glie­der mit. Auch zahl­rei­che An­woh­ner ka­men vor­bei. Ma­rei­ke Wie­se war zum Bei­spiel ei­gent­lich ge­ra­de auf dem Weg zum Ein­kau­fen, als sie die Mu­sik hör­te und die gro­ße Gi­raf­fen-Hüpf­burg an der Bil­ker Al­lee sah. „Ich bin ein­fach aus Neu­gier vor­bei­ge­kom­men und fin­de das Fest hier rich­tig klas­se“, mein­te die 20-jäh­ri­ge Stu­den­tin.

„Die Ver­an­stal­tung ist auch ei­ne Art Nach­bar­schafts­fest“, sag­te An­na Popp. Sie freu­te es be­son­ders, dass ein La­den­in­ha­ber, der noch neu im Vier­tel ist, kur­zer­hand sein Ge­schäft schloss und vor­bei­kam. „Der Mann woll­te ein­fach nur se­hen, was hier los ist. Und er hat uns an­ge­bo­ten, auf­zu­tre­ten, falls wir noch Mu­si­ker bräuch­ten.“

Wie es in Zu­kunft mit der „Brau­se“wei­ter­ge­hen soll, wis­sen die Ver­eins­mit­glie­der noch nicht ge­nau. „Un­ser An­ge­bot ist auch im­mer ab­hän­gig von den Leu­ten, die ge­ra­de mit­ma­chen“, sag­te Jans­sen. Im Sep­tem­ber über­ge­ben die jet­zi­gen „Brau­se“-Mit­glie­der in Sa­chen Pro­gramm aber an die Grün­der. „Dann gibt es ei­ne Wo­che vol­ler Nost­al­gie.“

RP-FOTO: AN­NE ORTHEN

Chris­to­pher Kat­zy (links) und Flo­ri­an Hart­mann hat­ten rich­tig Spaß beim Bob­by­car-Wett­ren­nen und ga­ben or­dent­lich Gas.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.