SO WOHNT DÜS­SEL­DORF Ein Si­gnal in Rot

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT - VON UTE RASCH

Die Sied­lung „Am Zoll­haus“in Ger­res­heim wur­de 1930 fer­tig. 101 Häu­ser in Reih’ und Glied, nur ein Eck­ge­bäu­de tanzt farb­lich aus der Rei­he. Zu den Vor­schrif­ten der Stadt ge­hör­te, dass je­des Ge­bäu­de im Gar­ten Platz für ei­nen Hüh­ner­stall hat­te.

Es ist nicht zu über­se­hen, die­ses Haus. Schon we­gen der Fas­sa­de im mar­kan­ten Rot. Ei­ne Far­be wie ein Si­gnal. Au­ßer­dem über­ragt die­ses Ge­bäu­de sei­ne Nach­bar­schaft um ein Stock­werk, ist brei­ter, hat ei­nen grö­ße­ren Gar­ten. Und doch ist die­ser ro­te Eck­pfei­ler Teil ei­nes Gan­zen: der Sied­lung „Am Zoll­haus“in Ger­res­heim. 101 Häu­ser mit ge­mein­sa­mer Ver­gan­gen­heit.

Es war die Zeit der gro­ßen Woh­nungs­not, als Ar­chi­tekt Hein­rich de Fries 1929 ein Kon­zept ent­wi­ckel­te, nach­dem er „die Wohn­sit­ten die­ser gro­ßen Ar­mee von klei­nen Leu­ten“stu­diert hat­te. In nur ei­nem Jahr Bau­zeit hat­te er sei­ne Er­kennt­nis­se in St­ein ze­men­tiert. Ei­ne Düs­sel­dor­fer Zei­tung ti­tel­te: „Woh­nun­gen in luf­ti­ger Hö­he“, als ober­halb der Torf­bruch­stra­ße die „Reichs­heim­stät­ten-Sied­lung“be­zugs­fer­tig war. Häu­ser in Reih’ und Glied, mit Flach­dä­chern, grau ver­putz­ten Fas­sa­den, Klin­ker­rah­men um die Fens­ter. Und schon bald soll­ten Ha­ken­kreuz­fah­nen über den schma­len Haus­tü­ren flat­tern.

Bau­her­rin war die Düs­sel­dor­fer Bü­ro­h­aus­ge­sell­schaft, die be­reits das Wil­helm-Marx-Haus als ers­tes Bü­ro­hoch­haus Deutsch­lands rea­li­siert hat­te. „Die Stadt als Mit­ei­gen­tü­me­rin“, so der His­to­ri­ker Pe­ter Hen­kel, „mach­te kla­re Vor­ga­ben.“Da­nach la­gen al­le Wohn­räu­me zum Gar­ten, in dem Platz für ei­nen Hüh­ner­stall und ei­ne Lau­be war, im Zen­trum der Erd­ge­schos­se war die Wohn­kü­che, über die der Ar­chi­tekt sag­te: „Sie ist weit we­ni­ger ver­ab­scheu­ungs­wür­dig als nach den Pro­gram­men der Sied­lungs­apos­tel.“

Je­des Haus hat­te ein ei­ge­nes Bad, ei­nen Wasch- und Tro­cken­kel­ler. Hen­kel: „Mit ei­ner Grö­ße zwi­schen neun und 15 Qua­drat­me­ter wa­ren die Räu­me groß­zü­gig ge­schnit­ten.“14 000 Reichs­mark wa­ren für ein Vier-Zim­mer-Haus samt Grund­stück fäl­lig, ab­ge­zahlt wur­de die Sum­me mit 54 Reichs­mark im Mo­nat. Da­mit war die wich­tigs­te For­de­rung er­füllt: Die Kos­ten soll­ten die üb­li­chen Mie­ten nicht über­stei­gen. Wie er­folg­reich das Kon­zept war, be­weist die Nach­fra­ge: 360 Fa­mi­li­en be­war­ben sich um die 101 Häu­ser.

Nach heu­ti­gen Maß­stä­ben wir­ken die Häu­ser klein und be­schei­den. Das ein­heit­li­che Er­schei­nungs­bild der Sied­lung ist längst ver­schwun­den, je­de Fas­sa­de spie­gelt nun die Vor­lie­ben ih­rer Be­woh­ner. Heißt: Je­der macht, was er will. Veil­chen­blau ne­ben Weiß, Klin­ker ne­ben Efeu­ran­ken, man­cher An­strich wirkt frisch, an­de­re hät­ten ei­ne Auf­fri­schung nö­tig. Und dann ist da die­ses ro­te Haus, zu dem es auf der an-

RP-FOTOS: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Frü­her ver­mit­tel­te die Sied­lung ein ein­heit­li­ches Bild, heu­te spie­geln die Fas­sa­den die Vor­lie­ben ih­rer Be­woh­ner. Das ro­te Haus der La­fe­ris ge­wann so­gar schon ei­nen Preis.

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