Kin­der wan­dern 30 Ki­lo­me­ter bei 30 Grad

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFE­GER FO­TO: DPA

Zum 100. Mal fin­det ab heu­te rund um Nim­we­gen die Vier­da­agse statt. An dem vier­tä­gi­gen Wan­de­rer­eig­nis neh­men vie­le Men­schen vom Nie­der­rhein teil, dar­un­ter Schü­ler aus Kle­ve. Grund zur Sor­ge be­rei­ten die ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren.

KLE­VE/NIM­WE­GEN Ob­wohl Schul­fe­ri­en sind, muss Char­lot­te heu­te schon um 5 Uhr auf­ste­hen. Um 6 Uhr geht be­reits der Bus von Kle­ve nach Nim­we­gen, den die 13-Jäh­ri­ge er­wi­schen muss. In der nie­der­län­di­schen Stadt nimmt sie mit 30 Klas­sen­ka­me­ra­den der ach­ten Jahr­gangs­stu­fe des Kle­ver Frei­herr-vomSt­ein-Gym­na­si­ums am so­ge­nann­ten Vier­da­agse teil, ei­nem vier­tä­gi­gen Wan­der­tag, bei dem die Schü­ler täg­lich 30 Ki­lo­me­ter zu­rück­le­gen müs­sen. „Ich bin top­fit, aber et­was auf­ge­regt“, sagt Char­lot­te. Für die Wan­der­tour hat sie nur ein Ziel: „Ich will an­kom­men.“

Der Vier­da­agse ist die welt­weit größ­te Wan­der­ver­an­stal­tung. In die­sem Jahr fin­det die Wan­de­rung zum 100. Mal statt. 50.000 Teil­neh­mer wer­den an den Start ge­hen – von Jung bis Alt. Vie­le kom­men vom Nie­der­rhein, aus Kle­ve, Gel­dern, der deutsch-nie­der­län­di­schen Grenz­re­gi­on. „Eh­ren­gast wird an­läss­lich des Ju­bi­lä­ums Kö­nig Wil­lem-Alex­an­der sein“, sagt der Bür- ger­meis­ter von Nim­we­gen, Hu­bert Bruls. Wann ge­nau er kom­men wird, möch­te Bruls noch nicht sa­gen. Er be­fürch­tet, dass sonst noch mehr Men­schen, ins­be­son­de­re An­hän­ger des nie­der­län­di­schen Kö­nigs­hau­ses, nach Nim­we­gen kom­men und die Stra­ßen ver­stop­fen.

Char­lot­te ist es re­la­tiv egal, wann der Kö­nig kommt. Oder ob er über­haupt kom­men wird. Mo­men­tan in­ter­es­siert sie das Wet­ter viel mehr als Wil­lem-Alex­an­der. „Es wird sehr heiß. Und dar­auf muss man sich vor­be­rei­ten.“Die Me­teo­ro­lo­gen sa­gen für heu­te und mor­gen Tem­pe­ra­tu­ren von mehr als 30 Grad vor­aus. Ex­tre­me Be­din­gun­gen für die Wan- de­rer. „Ich wer­de im­mer ei­nen Li­ter Was­ser bei mir ha­ben“, sagt die 13Jäh­ri­ge. Ihr Klas­sen­leh­rer Micha­el Thöl­king, der seit sechs Jah­ren am Vier­da­agse teil­nimmt, wird auf­pas­sen, dass die Schü­ler im­mer aus­rei­chend Flüs­sig­keit zu sich neh­men. „Zu­dem müs­sen sie Kap­pen auf­set­zen, die sie vor der Son­ne schüt­zen“, sagt Thöl­king. Die Ver­an­stal­ter wer­den we­gen der er­war­te­ten Hit­ze zu­sätz­li­che Ver­pfle­gungs­sta­tio­nen ent­lang der Stre­cke er­rich­ten, den Wan­de­rern dar­über hin­aus im­mer wie­der Was­ser­fla­schen rei­chen. Der­zeit er­wä­gen die Pla­ner, den Start­zeit­punkt der mor­gi­gen Etap­pe we­gen der Wär­me um ei­ne St­un­de vor­zu­ver­le­gen. Man möch­te nicht noch ein­mal, dass Wan­de­rer bei dem Lauf ums Le­ben kom­men – so wie vor zehn Jah­ren. Da­mals sind zwei äl­te­re Läu­fer we­gen Hit­ze um­ge­kippt und an Herz­ver­sa­gen ge­stor­ben, 30 wei­te­re Per­so­nen ka­men ins Kran­ken­haus.

Thöl­king er­war­tet, dass sei­ne Schü­ler für die 30 Ki­lo­me­ter un­ge­fähr acht St­un­den brau­chen wer­den – in­klu­si­ve Pau­sen. Seit Ja­nu­ar hat sich die Schul­klas­se auf das Wan­de­rer­eig­nis vor­be­rei­tet. „Zwei- bis drei­mal die Wo­che bin ich seit­dem ge­wan­dert“, sagt Char­lot­te. „Nur zu­letzt nicht mehr so viel, weil ich vor dem Start kei­ne Ver­let­zung ris­kie­ren woll­te.“

Auf ei­ne Wan­de­rung be­rei­tet man sich so ähn­lich vor wie auf ei­nen Ma­ra­thon. Man be­ginnt das Auf­bau­trai­ning mit ei­ner ein­stün­di­gen Wan­de­rung, in der man fünf Ki­lo­me­ter zu­rück­legt. Die Dis­tanz wird dann von Wo­che zu Wo­che lang­sam ge­stei­gert – bis man die Stre­cke be­wäl­ti­gen kann, im Fall der Kle­ver Ju­gend­li­chen 30 Ki­lo­me­ter. „Zu­sam­men­ge­rech­net sind al­le 31 Schü­ler an den Trai­nings­grup­pen­ta­gen rund 5700 Ki­lo­me­ter ge­wan­dert“, be­rich­tet Thöl­king. Hin­zu kä­men aber noch vie­le wei­te­re Ki­lo­me­ter, die sie in ih­rer Frei­zeit zu­rück­ge­legt hät­ten. Thöl­king fin­det es be­mer­kens­wert, dass die Schü­ler frei­wil­lig an der Wan­de­rung teil­neh­men, ei­ni­ge so­gar schon zum zwei­ten und drit­ten Mal. „Das ist nicht selbst­ver­ständ­lich“, fin­det er.

Der Start­punkt der Vier­da­agse ist an al­len vier Ta­gen der­sel­be. Im­mer in Nim­we­gen. Ge­lau­fen wird aber je­weils in an­de­re Rich­tun­gen. Die Läu­fer ori­en­tie­ren sich an far­bi­gen Mar­kie­run­gen. Wäh­rend die Er­wach­se­nen, die 50 Ki­lo­me­ter ge­hen, ro­ten Pfei­len fol­gen, müs­sen Char­lot­te und ih­re Klas­sen­ka­me­ra­den auf blaue Zei­chen ach­ten. Nach der Wan­de­rung fah­ren die Teil­neh­mer nach Hau­se, kom­men am fol­gen­den Tag zu­rück. Für Char­lot­te heißt das, dass sie auch mor­gen um 5 Uhr auf­ste­hen muss, ob­wohl Fe­ri­en sind.

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