Au­ßen­mi­nis­ter be­ra­ten über Fol­gen der Kri­se

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - PUTSCH IN DER TÜRKEI - VON MAR­KUS GRABITZ

Durch die Fest­nah­men nach dem Putsch­ver­such sei die Na­to-Mit­glied­schaft der Tür­kei ge­fähr­det, warnt US-Au­ßen­mi­nis­ter John Ker­ry.

BRÜS­SEL In der Kri­se kann der Rat­schlag ei­nes gu­ten Freun­des hilf­reich sein. US-Au­ßen­mi­nis­ter John Ker­ry über­nimmt es, den EU-Au­ßen­mi­nis­tern den Rü­cken zu stär­ken. Bei de­ren Tref­fen in Brüs­sel ist die An­span­nung deut­lich zu spü­ren: Der Ter­ror in Niz­za, die Po­li­zis­ten­Mor­de in den USA, der di­let­tan­ti­sche Putsch­ver­such in der Tür­kei so­wie die Säu­be­rungs­ak­tio­nen durch das Re­gime Er­do­gan for­dern Eu­ro­pa her­aus. Ein glück­li­cher Zu­fall ist es da, dass sich Ker­ry als Gast bei den EU-Au­ßen­mi­nis­tern an­ge­sagt hat. Zum ers­ten Mal über­haupt und an­ge­sichts des be­vor­ste­hen­den En­des der Oba­ma-Amts­zeit ver­mut­lich auch das ein­zi­ge Mal.

Ame­ri­ka­ner kön­nen Pa­thos. Ker­ry schlägt ei­nen wei­ten Bo­gen – von den Schlacht­fel­dern des Zwei­ten Welt­kriegs über den Wie­der­auf­bau des zer­stör­ten Eu­ro­pa, Bau und Sturz der Ber­li­ner Mau­er bis zu den Bür­ger­krie­gen auf dem Bal­kan: „Die Part­ner­schaft zwi­schen Ame­ri­ka und der EU ist stark und un­ver­brüch­lich. Wir wer­den die Her­aus­for­de­run­gen meis­tern.“

An die Adres­se des tür­ki­schen Staats­chefs Re­cep Tay­yip Er­do­gan sen­den die Au­ßen­mi­nis­ter deut­li­che Warn­si­gna­le. Ker­ry gibt ei­nen Hin­weis, dass letzt­lich auch die NatoMit­glied­schaft der Tür­kei in Ge­fahr sei: „Die Na­to wird sehr sorg­fäl­tig die Maß­nah­men in der Tür­kei be­ur­tei­len.“Er ha­be in den ver­gan­ge­nen St­un­den drei­mal mit dem tür­ki- schen Au­ßen­mi­nis­ter ge­spro­chen. Er hof­fe, dass der Pro­zess kon­struk­tiv ab­lau­fe. Die EU-Au­ßen­mi­nis­ter sind alar­miert von den Mas­senFest­nah­men und Ent­las­sun­gen un­ter Rich­tern, Staats­an­wäl­ten und Mi­li­tärs, die un­mit­tel­bar nach dem Putsch­ver­such in der Tür­kei statt­ge­fun­den ha­ben. Je­der vier­te Ju­rist im Staats­dienst wird mitt­ler­wei­le von der tür­ki­schen Re­gie­rung be­schul­digt, mit den Auf­stän­di­schen un­ter ei­ner De­cke zu ste­cken. Lu­xem­burgs Au­ßen­mi­nis­ter Je­an As­sel­born macht kei­nen Hehl aus sei­ner Ver­är­ge­rung: „Es passt nicht zu­sam­men, wenn schon kurz nach dem ge­schei­ter­ten Putsch Tau­sen­de von Rich­tern ih­ren Job ver­lie­ren.“Noch här­ter äu­ßern sich die Mi­nis­ter zu Er­wä­gun­gen in der Tür­kei, die 2004 end­gül­tig ab­ge­schaff­te To­des­stra­fe wie­der ein­zu­füh­ren. Die EU-Au­ßen­be­auf­trag­te Fe­de­ri­ca Mo­g­her­i­ni zieht ei­ne ro­te Li­nie: „Es wird kein Land Mit­glied der EU, das die To­des­stra­fe ein­führt.“Die Ita­lie­ne­rin warnt die tür­ki­sche Re­gie­rung, den Putsch­ver­such aus­zu­nut­zen: „Die La­ge darf kein Vor­wand sein, um de­mo­kra­ti­sche Rech­te au­ßer Kraft zu set­zen.“

Die Mi­nis­ter aus der EU und den USA ma­chen sich dar­auf ge­fasst, dass die oh­ne­hin schwie­ri­gen Be­zie­hun­gen zur Tür­kei noch be­las­te­ter wer­den. Er­do­gan macht den Is­lam­ge­lehr­ten Fe­thul­lah Gü­len für den Um­sturz­ver­such ver­ant­wort­lich, der seit 2007 in den USA lebt. Die Tür­kei ver­langt seit Län­ge­rem sei­ne Aus­lie­fe­rung.

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