Zen­trum für Tür­kei­stu­di­en ge­gen Ver­schwö­rungs­theo­rie

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - PUTSCH IN DER TÜRKEI - VON DET­LEV HÜWEL

DÜS­SEL­DORF Die Lis­ten mit Tau­sen­den Na­men von Rich­tern und Be­am­ten, die nun in der Tür­kei ab­ge­setzt wer­den sol­len, sind nach Ex­per­ten­mei­nung schon vor dem Putsch­ver­such auf­ge­stellt wor­den. „Der Staats­ap­pa­rat weiß na­tür­lich, wer ihn kri­ti­siert. Das Im­pe­ri­um schlägt zu­rück. Jetzt fol­gen har­te Sank­tio­nen“, sag­te der Lei­ter des Es­se­ner Zen­trums für Tür­kei­stu­di­en und In­te­gra­ti­ons­for­schung (ZfTI), Ha­ci Ha­lil Us­lu­can, un­se­rer Re­dak­ti­on. Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, wo­nach Staats­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan selbst hin­ter dem Putsch ste­cke, wies er zu­rück. Er ha­be den Ein­druck, dass Er­do­gan die La­ge in­zwi­schen im Griff ha­be, nach­dem er bei sei­nem nächt­li­chen Ap­pell an die tür­ki­schen Bür­ger noch „sicht­lich mit­ge­nom­men“ge­wirkt ha­be.

Die in der Tür­kei kur­sie­ren­de Vermutung, dass Er­do­gans Wi­der­sa- cher Fe­thul­lah Gü­len hin­ter dem Putsch­ver­such ste­cke, hält Us­lu­can für ei­ne Ver­ein­fa­chung. Tat­säch­lich ge­be es im Land auch oh­ne Gü­lenBe­we­gung gro­ße Span­nun­gen: „Dort ha­ben wir es mit ei­nem star­ken Stadt-Land-Ge­fäl­le und ei­nem Ost-West-Ge­fäl­le zu tun. Die Ar­mut und die Flücht­lings­pro­ble­ma­tik – all das stellt die Tür­kei vor ei­ne Zer­reiß­pro­be.“Us­lu­can glaubt auch nicht, dass es Aus­wir­kun­gen auf das Flücht­lings­ab­kom­men zwi­schen der Tür­kei und der Bun­dess­re­pu­blik ge­ben wird. Schließ­lich ha­be sich Ber­lin ein­deu­tig ge­gen den Um­sturz­ver­such po­si­tio­niert.

Er ha­be kei­ner­lei Hin­wei­se, dass es in den Ur­laubs­re­gio­nen, vor al­lem an der tür­ki­schen Ri­vie­ra, we­gen des Putsch­ver­suchs zu Un­ru­hen ge­kom­men sei, so der ZfTI-Lei­ter, der an der Uni­ver­si­tät Duis­burg lehrt. Das In­sti­tut, das ei­ne Stif­tung des Lan­des ist, wer­de nicht von der Tür­kei fi­nan­zi­ell un­ter­stützt.

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