EZB: Zehn Mil­li­ar­den für Fir­men­an­lei­hen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WINTERS

Erst­mals hat die Bun­des­bank ei­ne Lis­te mit Fir­men­pa­pie­ren ver­öf­fent­licht, die sie und an­de­re eu­ro­päi­sche No­ten­ban­ken im Auf­trag der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank kau­fen. Sie will da­mit die Kre­dit­ver­ga­be an­kur­beln.

FRANK­FURT Seit­dem die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) im März den Leit­zins auf Null ge­senkt hat, gibt es für sie über die Zins­po­li­tik kei­ne Mög­lich­keit mehr, die Kre­dit­ver­ga­be in der Eu­ro-Zo­ne an­zu­kur­beln. Was sie kann: An­lei­hen kau­fen – sol­che von Staa­ten, von Bun­des­län­dern und von Un­ter­neh­men. Letz­te­re wer­den seit dem 8. Ju­ni ge­kauft, und zwar von sechs eu­ro­päi­schen No­ten­ban­ken, die sie da­mit be­auf­tragt hat. Zu die­sem Sex­tett ge­hört die Deut­sche Bun­des­bank, die ges­tern erst­mals ei­ne Lis­te mit den ge­kauf­ten Un­ter­neh­mens­an­lei­hen ver­öf­fent­licht hat.

Rund zehn Mil­li­ar­den Eu­ro ha­ben die No­ten­ban­ken bis­her in die Un­ter­neh­mens­an­lei­hen ge­steckt. Knapp zwei Mil­li­ar­den Eu­ro wa­ren es in der ver­gan­ge­nen Wo­che, rund 13 Pro­zent mehr als in der Wo­chen da­vor. Das heißt: Das Tem­po bei den An­lei­hen-Käu­fen steigt.

Da­zu ge­hö­ren vie­le Dax-Un­ter­neh­men wie die Au­to­bau­er Daim­ler, VW und BMW, der Le­ver­ku­se­ner Bay­er-Kon­zern, die in die Kri­se ge­ra­te­nen Ener­gie­ver­sor­ger Eon und RWE, Sie­mens, die Te­le­kom und die Post – aber auch pro­mi­nen­te Un­ter­neh­men aus der Re­gi­on, die der­zeit an der Bör­se nur in der zwei­ten Li­ga spie­len wie Lan­xess und Me­tro. War­um kauft die EZB über­haupt? Seit März des ver­gan­ge­nen Jah­res kauft die Zen­tral­bank Staats­an­lei­hen, um die Ka­pi­tal­markt­zin­sen wei­ter zu drü­cken und da­mit die Kre­dit­fi­nan­zie­rung an­zu­schie­ben. Ih­re Rech­nung: Die In­ves­to­ren be­kom­men Geld und ste­cken die­ses in Kre­di­te oder Fir­men­an­tei­le. Das soll noch bis En­de März so wei­ter­ge­hen, und ins­ge­samt will die No­ten­bank dann Pa­pie­re für mehr als 1,7 Bil­lio­nen Eu­ro ge­kauft ha­ben – et­wa 80 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Mo­nat. Die Wäh­rungs­hü­ter hof­fen auf mehr Wachs­tum, weil das auch da­zu bei­tra­gen soll, die Prei­se stei­gen zu las­sen, die In­fla­ti­ons­ra­te so in die Nä­he der Zwei-Pro­zent-Gren­ze zu­rück­zu­brin­gen und De­fla­ti­ons­ge­fah­ren ent­ge­gen­zu­wir­ken. War­um auch Fir­men­an­lei­hen? Da­bei ver­folgt die No­ten­bank zwei Stoß­rich­tun­gen: Zum ei­nen ver­schafft sie den Un­ter­neh­men über die sin­ken­den An­lei­he­zin­sen ei­ne güns­ti­ge Re­fi­nan­zie­rung, zum an-

Ma­rio Draghi, Chef der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank de­ren ver­schafft sie sich mehr Spiel­raum bei ih­ren Käu­fen. Denn bei den Staats­pa­pie­ren ge­hen der EZB we­gen der ne­ga­ti­ven Ren­di­ten mitt­ler­wei­le die Ziel­ob­jek­te aus. Und für Ban­ken, die Fir­men­an­lei­hen hal­ten, lohnt es sich mit­un­ter nicht mehr, die­se Pa­pie­re zu hal­ten. Die Hoff­nung der EZB: Die Kre­dit­in­sti­tu­te ste­cken das Geld statt­des­sen in die Kre­di­te.

Ob das so kommt, ist al­ler­dings of­fen. Die Zins­po­li­tik in der Eu­roZo­ne hat das Wachs­tum bis­her nicht neu ent­facht, weil es in man­chen Län­dern nicht an Geld für die Kre­di­te, son­dern an struk­tu­rel­len Re­for­men fehlt, die das Wachs­tum an­schie­ben könn­ten. In­so­fern be­ste­hen wei­ter­hin er­heb­li­che Zwei­fel an der Wirk­sam­keit der EZB-Maß­nah­men. Was darf die EZB da­bei kau­fen? Bei den Fir­men­pa­pie­ren ist die Zen­tral­bank ver­pflich­tet, nur sol­che mit In­vest­ment­gra­de zu kau­fen. Das wur­de zu­letzt al­ler­dings bei RWE kniff­lig. Denn im Ur­teil der Ra­tin­gA­gen­tu­ren Stan­dard & Poor’s und Moo­dy’s be­weg­te sich RWE zu­letzt nur noch kurz vor dem Eti­kett „Nicht als In­vest­ment ge­eig­net“. Der Kauf von Bank­an­lei­hen ist aus­ge­schlos­sen. Die An­lei­hen sol­len ei­ne Lauf­zeit zwi­schen ei­nem hal- ben Jahr und zwei­ein­halb Jah­ren ha­ben. An­de­rer­seits darf die Zen­tral­bank bei den Un­ter­neh­men an­ders als bei Staats­an­lei­hen auch Pa­pie­re kau­fen, die neu auf den Markt kom­men. Bei den Staats­pa­pie­ren ist das nicht er­laubt, weil es sich bei ei­nem sol­chen Kauf um di­rek­te Staats­fi­nan­zie­rung durch die No­ten­bank han­deln wür­de. Wel­che No­ten­ban­ken kau­fen? Ne­ben der Bun­des­bank be­tei­li­gen sich die Zen­tral­ban­ken Ita­li­ens, Frank­reichs, Spa­ni­ens, Bel­gi­ens und Finn­lands an den von der EZB in Auf­trag ge­ge­be­nen Fir­men­an­lei­hen-Käu­fen.

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