Da­ten­pan­ne bei Tau­sen­den Com­di­rect-Kon­ten

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WINTERS

Kun­den hat­ten Zu­griff auf frem­de Da­ten und Kon­to­stän­de. Schuld war ein Soft­ware-Up­date. Ei­nen Scha­den gibt es nicht.

DÜS­SEL­DORF Wie­der schreckt ei­ne Da­ten­pan­ne bei ei­ner deut­schen Groß­bank Kun­den auf: Nach ei­nem Soft­ware-Up­date bei der Com­merz­bank-Toch­ter Com­di­rect hat­ten ges­tern über mehr als zwei St­un­den hin­weg Kun­den, die sich über ih­re per­sön­li­che Ken­nung ein­logg­ten, Zu­griff auf frem­de Kon­ten. Das heißt: Sie konn­ten sämt­li­che Da­ten an­de­rer Com­di­rect-Nut­zers ein­se­hen, ein­schließ­lich des Kon­to­stan­des. Ge­gen 11.20 Uhr ha­be das Un­ter­neh­men die Pro­ble­me wie­der im Griff ge­habt, sag­te ein Com­di­rec­tSpre­cher auf An­fra­ge. Ein ma­te­ri­el­ler Scha­den sei nicht ent­stan­den.

Be­trof­fen wa­ren nach An­ga­ben der Bank „ei­ni­ge tau­send Kun­den“. Die Com­di­rect-Home­page sei aus Si­cher­heits­grün­den für ei­ne hal­be St­un­de nicht er­reich­bar ge­we­sen. In der Zeit konn­ten Kun­den mit der Di­rekt­bank nur über Te­le­fon und Fax kom­mu­ni­zie­ren. Der Feh­ler sei be­ho­ben und kön­ne in die­ser Form nicht wie­der pas­sie­ren, sag­te der Spre­cher. Pas­siert sei er bei ei­nem re­gel­mä­ßi­gen Soft­ware-Up­date, das bei Com­di­rect mehr­mals pro Wo­che ge­macht wer­de.

Kun­den, die nach dem Ein­log­gen auf ei­nem frem­den Kon­to ge­lan­det sei­en, hät­ten dort kei­ne Trans­ak­tio­nen nach drau­ßen vor­neh­men kön­nen, be­tont die Bank. Das heißt: Es war zwar mög­lich, Geld et­wa vom Gi­ro­kon­to des tat­säch­li­chen Kon­to­in­ha­bers auf des­sen Ta­ges­geld­kon­to zu über­wei­sen (al­so oh­ne Ver­lust für den Kon­to­in­ha­ber), aber nicht auf das Kon­to ei­nes an­de­ren Kun­den. Zu­dem wa­ren Trans­ak­tio­nen auf ei­ne Sum­me von 1000 Eu­ro be­grenzt, die bei Com­di­rect oh­ne Trans­ak­ti­ons­num­mer (Tan) über­tra­gen wer­den kann.

Die Pan­ne wirft er­neut Fra­gen nach der Si­cher­heit des On­li­neBan­king auf. An ei­nen Ver­trau­ens­ver­lust bei den Kun­den in­fol­ge der Da­ten­pan­ne glaubt das Un­ter­neh­men selbst aber nicht. „Wir ha­ben die Pan­ne ja auch schnell be­ho­ben“, sagt der Com­di­rect-Spre­cher. Die On­li­ne-Bank be­treut ins­ge­samt rund zwei Mil­lio­nen Pri­vat­kun­den und ver­wal­tet für sie knapp 1,3 Mil­lio­nen Gi­ro­kon­ten und mehr als 950.000 De­pots. Das be­treu­te Ver­mö­gen be­trug nach An­ga­ben des In- sti­tuts En­de März et­wa 39,8 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Der Sys­tem­feh­ler bei Com­di­rect ist die zwei­te Da­ten­pan­ne bei ei­ner deut­schen Groß­bank bin­nen we­ni­ger Wo­chen. An­fang Ju­ni hat­te es bei der Deut­schen Bank bei fast drei Mil­lio­nen Kun­den Fehl­bu­chun­gen ge­ge­ben. An ei­nem Tag wa­ren auf Kon­to­aus­zü­gen Ab­bu­chun­gen und Ein­zah­lun­gen dop­pelt er­schie­nen. Bei man­chen Kun­den war ein hö­he­rer Kon­to­stand dar­ge­stellt wor­den, an­de­re Kon­ten wa­ren ins Mi­nus ge­rutscht. Ei­ni­ge Kun­den hat­ten ge­klagt, sie hät­ten an Au­to­ma­ten kein Geld zie­hen oder nicht mehr mit Kar­te zah­len kön­nen. Ins­ge­samt ha­be es et­wa 13 Mil­lio­nen Fehl­bu­chun­gen ge­ge­ben, hat­te die Bank da­mals ein­ge­räumt.

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