NRW zahlt 5,5 Mil­lio­nen Eu­ro an Un­wet­ter­ge­schä­dig­te

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON OLI­VER BURWIG

Die An­trags­frist für die Un­wet­ter-So­fort­hil­fe ist für fast al­le be­trof­fe­nen Krei­se in der ver­gan­ge­nen Wo­che ab­ge­lau­fen.

DÜS­SEL­DORF Hun­der­te Pri­vat­per­so­nen und Land­wir­te kön­nen auf Geld vom Land hof­fen, das ih­nen den Neu­auf­bau nach dem Un­wet­ter­mo­nat Ju­ni er­leich­tern soll. Am ver­gan­ge­nen Frei­tag ist die An­trags­frist für So­fort­hil­fen in Ge­samt­hö­he von 5,5 Mil­lio­nen Eu­ro, die NRW Pri­vat­haus­hal­ten und Be­trie­ben zur Ver­fü­gung stellt, ab­ge­lau­fen. In An­spruch neh­men konn­te die­se, wer zwi­schen dem 31. Mai und 8. Ju­ni durch das Wet­ter Schä­den hin­neh­men muss­te, die nicht ver­si­cher­bar wa­ren. Pri­vat­per­so­nen er­hiel­ten zwi­schen 1000 und 5000 Eu­ro, Be­trie­be 5000 Eu­ro, wenn der Scha­den min­des­tens 10.000 Eu­ro be­trug – vor­aus­ge­setzt, der Be­trieb be­schäf­tigt höchs­tens zehn Mit­ar­bei­ter. Trotz die­ser Be­schrän­kung kam rund die Hälf­te der Hilfs­an­trä­ge aus der per­so­nal­in­ten­si­ven Land­wirt­schaft. Im Kreis Bor­ken läuft die Frist noch bis zum 31. Ju­li.

Dem NRW-In­nen­mi­nis­te­ri­um zu­fol­ge, das kei­ne ak­tu­el­le­ren Zah­len nen­nen konn­te, hat­ten die Krei­se Bor­ken, Kle­ve, Rhein-Sieg und We­sel so­wie die Stadt Bonn bis zum 5. Ju­li ins­ge­samt 662 An­trags­stel­ler ge­zählt. Un­ter ih­nen wa­ren 322 Pri­vat­haus­hal­te (rund 49 Pro­zent), 318 Land­wirt­schafts­be­trie­be (48 Pro­zent) und 22 Klein­ge­wer­be­trei­ben­de (drei Pro­zent). Vie­le Be­trie­be wie Gar­ten­bau­un­ter­neh­men, die trotz über­schau­ba­ren Um­sat­zes meist mehr als zehn An­ge­stell­te zäh­len, konn­ten die Hil­fe nicht in An­spruch neh­men. Gel­dern, das trotz lo­ka­ler Un­wet­ter­schä­den nicht in die För­de­rungs­lis­te des Krei­ses Kle­ve auf­ge­nom­men wur­de, ging so­gar ganz leer aus.

„Das kann man den Leu­ten na­tür­lich schwer er­klä­ren“, sagt Pankraz Gas­se­ling, Zier­pflan­zen­be­ra­ter der Land­wirt­schafts­kam­mer NRW. Er schätzt die Zahl der ge­schä­dig­ten Gar­ten­bau­be­trie­be in den ge­nann­ten Krei­sen auf 100, die Schä­den sei­en in die Mil­lio­nen ge­gan­gen. Be­son- ders stark traf es Züch­ter, die – auch auf­grund nied­ri­ger Mar­gen – auf den An­bau im Ge­wächs­haus ver­zich­te­ten. Ro­sen­züch­ter, die im Jahr nur zwei bis drei „Flo­re“, al­so Aus­trie­be, schnei­den kön­nen, hät­ten 30 Pro­zent ih­res Um­sat­zes ein­ge­büßt. „Ge­gen Ha­gel sind die meis­ten ver­si­chert“, sagt Gas­se­ling, ge­gen Re­gen lie­ße sich in der Frei­land­zucht aber kei­ne Ver­si­che­rung ab­schlie­ßen. Durch die Mit­ar­bei­ter­be­schrän­kung ha­be nur ein ein­zi­ger ihm be­kann­ter Blu­men­be­trieb in Wee­ze An­trag auf So­fort­hil­fe ge­stellt. Oh­ne­hin sei­en die 5000 Eu­ro zwar gut ge­meint, blie­ben für ge­schä­dig­te Be­trie­be aber „ein Trop­fen auf dem hei­ßen St­ein“.

Land­wir­te und Pflan­zen­züch­ter äch­zen noch im­mer un­ter den Fol­gen des Un­wet­ters, das En­de Mai und An­fang Ju­ni vor al­lem in den Krei­sen Kle­ve und We­sel gro­ße Schä­den an­rich­te­te. Auf die Stark­re­gen­fäl­le folg­te ei­ne Tro­cken­zeit, die die Bö­den stark ver­dich­te­te und da­für sorg­te, dass selbst Bau­ern und Züch­ter, de­ren Pflan­zen die Un­wet­ter über­stan­den ha­ben, noch ban­gen müs­sen. Gas­se­ling rech­net da­mit, dass sich zu­min­dest der Blu­men­markt bis Au­gust sta­bi­li­siert hat und die Nach­fra­ge größ­ten­teils ge­deckt wer­den kann: „Das wa­ren au­ßer­or­dent­li­che Er­eig­nis­se, aber das Le­ben geht wei­ter.“

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