Vi­el­leicht mag ich dich mor­gen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - UNTERHALTUNG - AUS DEM ENG­LI­SCHEN VON KA­RIN DUFNER

Noch da­zu fand die Vor­stel­lung im Don­mar Wareh­ou­se statt, und da hat­te sie schon im­mer ein­mal hin­ge­wollt. Was stand mor­gen Abend al­ter­na­tiv auf dem Pro­gramm? Sup­pe aus der Mi­kro­wel­le und ei­ne DVD aus der neu­es­ten Box.

Al­so ver­fass­te sie ei­ne Mail an Ag­gy und Mi­chel­le und teil­te ih­nen mit, sie ha­be zwei Kar­ten zu bie­ten. In­ter­es­se? In­ner­halb von zwan­zig Mi­nu­ten tra­fen zwei kla­re und deut­li­che Ant­wor­ten ein:

OMEINGOTTECHT? ACH, DU SCHEISSE, ICH WERD VER­RÜCKT! ICH LIE­BE DY­LAN KEL­LY! FÜR IM­MER! WAS SOLL ICH AN­ZIE­HEN?!! Xxx

Ag­gy, im Thea­ter funk­tio­niert es so, dass du zwar ihn siehst, aber er dich nicht. Ich ver­ste­he das als Ja.

Ein di­cker Kuss von dei­ner su­per­ver­nünf­ti­gen schnö­se­li­gen Schwes­ter X

Und von Mi­chel­le:

Aber klar, ver­dammt. Ich drü­cke die Schicht mei­nem Sous­chef aufs Au­ge. Er kann nicht ab­leh­nen, weil ich ihn da­bei er­tappt ha­be, wie er es un­se­rer letz­ten Hilfs­kö­chin nach Lo­kal­schluss im Gast­raum von hin­ten be­sorgt hat. Über­wa­chungs­ka­me­ras sind echt fies (und ich auch). M xx

Ge­schickt von mei­nem iDi­ot

Mi­chel­le hat­te die An­ge­wohn­heit, täg­lich die Si­gna­tur ih­res iPho­nes zu än­dern.

An­na, die es glück­lich mach­te, so viel Freu­de zu ver­brei­ten, schrieb Ja­mes, sie neh­me die Ein­la­dung gern an. Er ant­wor­te­te nur we­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter und ent­geg­ne­te, er freue sich, er wer­de auch kom­men und ha­be nur sei­nen Freund Lau­rence über­re­den kön­nen, ihn zu be­glei­ten. Hof­fent­lich ist das okay. Aha. Ach, herr­je. Dum­mer­wei­se hat­te An­na gar nicht da­ran ge­dacht, dass Ja­mes selbst hin­ge­hen könn­te. War das schlimm? Er wür­de Ag­gy be­geg­nen und um­ge­kehrt. Und Lau­rence? Der wür­de noch ei­ne Ge­le­gen­heit er­hal­ten her­aus­zu­krie­gen, wer sie war. Ein un­nö­ti­ges Ri­si­ko.

Al­ler­dings wand­te die Stim­me der Ver­nunft ein, dass Lau­rence das Rät­sel al­ler Wahr­schein­lich­keit nicht in­ner­halb von zwei St­un­den und bei na­he­zu völ­li­ger Dun­kel­heit lö­sen wür­de. Schließ­lich hat­te es Ja­mes nicht ein­mal am hell­lich­ten Tag ge­lüf­tet, trotz meh­re­rer Tref­fen und ob­wohl er ih­ren Fa­mi­li­en­na­men kann­te. An­na war zu der Über­zeu­gung ge­langt, dass er sie nie­mals iden­ti­fi­zie­ren wür­de. Ei­ne so­wohl er­leich­tern­de als auch ver­wir­ren­de Er­kennt­nis.

Den­noch muss­te sie Mi­chel­le und ins­be­son­de­re ih­rer Schwes­ter die Mög­lich­keit ge­ben, die­se neue In­for­ma­ti­on zu ver­dau­en. Al­so schrieb sie den bei­den noch ei­ne Mail:

Ja­mes Fra­ser und Lau­rence ge­hen auch hin. Ist das für euch bei­de in Ord­nung? Er weiß noch im­mer nicht, wer ich bin, und wir sind höf­lich zu­ein­an­der.

Wenn du mit­kommst, bin ich da­bei. Dann kann ich ihn we­nigs­tens an­gaf­fen. Sor­ry, ich weiß, dass er ein Drecks­kerl ist, aber Drecks­ker­le ha­ben manch­mal ih­ren Reiz. So wie John­ny Depp, als er Sweeney Todd ge­spielt hat. Ag­gy Xx

Schlie­ße mich ih­rer Mei­nung an. In al­lem. Mi­chel­le Xx

An­na ant­wor­te­te brav, al­les sei bes­tens, und er­in­ner­te ih­re Schwes­ter dann da­ran, auf even­tu­el­le Fra­gen, wo­her sie kä­me, aus­wei­chend mit „Tot­ten­ham“zu re­agie­ren.

Patrick klopf­te an die Tür und steck­te den Kopf her­ein.

„Ist es er­laubt, die Kom­man­do­zen­tra­le der Aven­gers zu be­tre­ten?“

„Er­laub­nis er­teilt“, er­wi­der­te An­na.

„Lust auf ei­ne Tas­se Tee?“, frag­te er.

„O ja“, ant­wor­te­te sie mit ei­nem Sei­ten­blick zum Bild­schirm. Ja­mes’ E€Mail war noch of­fen und die Fo­tos mit Lu­ther zu se­hen. Sie ki­cher­te.

„Was ist das?“, er­kun­dig­te sich Patrick. „Hat wie­der mal ein Stu­dent ei­nen Bei­trag für die Ko­lum­ne Die doofs­ten Ant­wor­ten in TV und Ra­dio ge­leis­tet? Zeig her. Ich spie­le mit dem Ge­dan­ken, ei­ne Lis­te zu­sam­men­zu­stel­len. Ro­ger hat­te letz­tens ei­nen Spe­zia­lis­ten, der Sa­vo­na­ro­la tat­säch­lich ,Sa­van­nah’ und ,Rol­ler’ ge­schrie­ben hat. Ver­mut­lich hat der Typ an ei­ne rie­si­ge Ma­schi­ne mit Rä­dern zum Platt­wal­zen ket­ze­ri­scher The­sen ge­dacht.“

„Nein, nein. Nur Pho­to­shopScherz­chen. Er­in­nerst du dich an Ja­mes von Par­lez?“„Den bö­sen Schul­jun­gen?“„Ja. Ich ha­be sei­ne Kat­ze vor dem Über­fah­ren­wer­den ge­ret­tet. Jetzt hat er mir ei­ne wit­zi­ge Mail ge­schickt.“

„Oh.“Patrick zog ei­ne Au­gen­braue hoch.

Ein kaum wahr­zu­neh­men­der küh­ler Luft­hauch weh­te durch den Raum.

„All­mäh­lich scheint er dir ans Herz zu wach­sen.“

„Ein biss­chen. Ein ganz klei­nes biss­chen.“

„Ver­giss nicht, wenn Leu­te wie er ih­ren Charme spie­len las­sen, füh­ren sie nor­ma­ler­wei­se et­was im Schil­de. Und zwar et­was, das du erst viel spä­ter her­aus­fin­dest.“Patricks Kopf ver­schwand ei­lig. An­nas Lä­cheln ver­flog. Sie hat­te ein mul­mi­ges Ge­fühl und den lei­sen Ver­dacht, dass Patrick mit sei­nem Zy­nis­mus recht be­hal­ten könn­te.

Mit ei­nem Pling er­schien ei­ne neue Mail. BDSM-Neil. Wah­re Hel­den lie­ßen sich nicht un­ter­krie­gen. Lie­be An­na, nicht zu fas­sen – noch mehr Sar­kas­mus, of­fen­bar dei­ne Lieb­lings­waf­fe, nach dem Mot­to „An­griff ist die bes­te Ver­tei­di­gung“. An­schei­nend hast du ein ab­so­lut ge­stör­tes Ver­hält­nis zum an­de­ren Ge­schlecht und ei­ne noch grö­ße­re Angst vor Of­fen­heit, als ich ge­dacht ha­be. Ich möch­te ein­mal ei­ne Vor­her­sa­ge tref­fen: In ein paar Mo­na­ten wirst du noch im­mer on­li­ne sein. Und vi­el­leicht wirst du dir wün­schen, du hät­test mein An­ge­bot an­ge­nom­men, dich noch ein­mal mit mir zu tref­fen . . . Bis spä­ter al­so. Falls ich dann noch sing­le sein soll­te, na­tür­lich :-). Al­ler­bes­te Grü­ße Neil xxx

Dan­ke, dass du das für mich tust, Kum­pel“, sag­te Lau­rence, wäh­rend sie sich in der ge­steckt vol­len Bar des Don­mar ein Bier ge­neh­mig­ten. Ein hal­ber Li­ter Flüs­sig­keit, der ih­nen si­cher auf die Bla­se drü­cken wür­de, so­bald sich der Vor­hang ge­ho­ben hat­te.

„Kein Pro­blem. Ich hat­te Lust, mir das Stück an­zu­schau­en.“Ja­mes zuck­te die Ach­seln. Er war nicht ganz si­cher, ob es ei­ne gu­te Idee ge­we­sen war, Loz zu die­sem Tref­fen zu ver­hel­fen. (Fort­set­zung folgt)

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