Bo­nus nur, wenn es Mit­ar­bei­tern gut geht

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST - VON CHRIS­TI­AN HERRENDORF

Die bei­den Vor­stän­de der Rhein­bahn ha­ben ei­ne be­son­de­re Klau­sel in ih­ren Ver­trä­gen: Ei­nen we­sent­li­chen Teil ih­rer Bo­nus-Zah­lung er­hal­ten sie nur, wenn die Be­leg­schaft gu­te No­ten gibt.

Ne­ben der Zahl der ver­kauf­ten Ti­ckets und dem Kos­ten­de­ckungs­grad gibt es für die Chefs der Rhein­bahn auch ein un­ge­wöhn­li­ches Kri­te­ri­um, an dem ihr Er­folg ge­mes­sen wird: die Zuf­rie­den­heit der Mit­ar­bei­ter. Vor­stands­spre­cher Micha­el Claus­ecker und Ar­beits­di­rek­tor Klaus Klar er­hal­ten ein Drit­tel ih­res Bo­nus nur, wenn die­ser in ei­ner Um­fra­ge er­ho­be­ne Wert steigt. Oh­ne die Hö­he des Bo­nus zu nen­nen, sagt Klar: „Das wür­de rich­tig weh tun. Und das muss es auch.“

Das Kon­zept hat die Rhein­bahn mit ei­nem fin­ni­schen Wis­sen­schaft­ler ent­wi­ckelt. Ju­ha­ni Il­ma­ri­nens Mo­dell für Un­ter­neh­men heißt „Haus der Ar­beits­fä­hig­keit“. Da­nach hängt die Ar­beits­fä­hig­keit von vier Fak­to­ren ab: Ge­sund­heit, Wert­schät­zung, Fort­bil­dung und Füh­rungs­stil. Für die Rhein­bahn ist Ar­beits­fä­hig­keit schon aus ei­nem ein­fa­chen Grund ein wich­ti­ges The­ma: Die Un­ter­neh­mens­zu­ge­hö­rig­keit be­trägt im Schnitt 19,2 Jah­re, ent­spre­chend hoch ist das Durch­schnitts­al­ter. Im Fahr­dienst ist je­der zwei­te Mit­ar­bei­ter äl­ter als 50. Zugleich ist die Be­las­tung, et­wa durch die neue U-Bahn, ge­wach­sen.

Nach Il­ma­ri­nens Vor­ga­ben hat die Rhein­bahn in ei­ner Um­fra­ge er­mit­telt, wie die Mit­ar­bei­ter ih­re Ar­beits­fä­hig­keit ein­schät­zen. Nun er­greift sie Maß­nah­men, um Pro­b­le- me zu be­he­ben, und führt dann wie­der ei­ne Um­fra­ge durch. Die ers­te Run­de brach­te zum Teil über­ra­schen­de Er­kennt­nis­se: Die Ver­ant­wort­li­chen gin­gen bis­her da­von aus, dass Fah­rer, die so­wohl Bus­se als Bah­nen len­ken, zu­frie­de­ner sind, weil die Ab­wech­se­lung grö­ßer ist. Tat­säch­lich lei­den die­se Fah­rer un­ter mehr Stress, weil sie stän­dig über­all ein­ge­setzt wer­den kön­nen – und wer­den. Als Re­ak­ti­on auf die Er­geb­nis­se hat die Rhein­bahn zum Bei­spiel nun die Zahl der lan­gen Di­ens­te be­grenzt und plant bis zu 30 Neu­ein­stel­lun­gen. Ob die Maß­nah­men wir­ken, wird die zwei­te Um­fra­ge zei­gen. Und im Zwei­fel der Kon­to­aus­zug der Vor­stän­de.

Dass die Rhein­bahn ei­nen be­son­de­ren Weg geht, zeigt der Blick auf an­de­re Un­ter­neh­men. Stadt­spar­kas­se und Mes­se er­klär­ten auf An­fra­ge, dass es sol­che Re­ge­lun­gen bei ih­nen nicht gibt und dass es auch kei­ne ent­spre­chen­den Über- le­gun­gen ge­be. Ein ver­gleich­ba­res Vor­ge­hen gibt es bei Düs­sel­dor­fer Un­ter­neh­men, die als Ar­beit­ge­ber des Jah­res aus­ge­zeich­net wur­den. „Die Mit­ar­bei­ter­zu­frie­den­heit ist ein we­sent­li­cher Be­stand­teil un­se­rer Ma­nage­ment­phi­lo­so­phie und ist in den je­wei­li­gen Ma­nage­ment­zie­len der Mit­ar­bei­ter mit Füh­rungs­ver­ant­wor­tung ver­an­kert. Das Er­rei­chen der Zie­le be­stimmt auch die Hö­he des Bo­nus, den es am Jah­res­en­de gibt“, sagt Micha

el Stin­ner, Ge­schäfts­füh­rer von Te­le2 Deutsch­land.

Bei gro­ßen deut­schen Fir­men lie­gen Ide­en wie die der Rhein­bahn im Trend. Das be­stä­tigt die Un­ter­neh­mens­be­ra­tung HKP aus Frank­furt, die un­ter an­de­rem auf Fra­gen der Ma­nage­ment­ver­gü­tung spe­zia­li­siert ist. „Mehr als die Hälf­te der Dax-Un­ter­neh­men hat in sei­nem va­ria­blen Ver­gü­tungs­sys­tem auch wei­che Fak­to­ren. Das reicht von der Mit­ar­bei­ter- und Kun­den­zu­frie­den­heit bis zur Nach­hal­tig­keit“, sagt Re­gi­ne Siep­mann, Se­ni­or-Ma­na­ge­rin bei HKP. Es han­de­le sich da­bei nicht um ei­ne Mo­de­er­schei­nung, son­dern um ein In­stru­ment,

das sich auch be­triebs­wirt­schaft­lich be­merk­bar ma­che, wenn es Mit­ar­bei­tern bes­ser ge­he. Zu­dem för­de­re es das Image all­ge­mein und den Ruf des Un­ter­neh­mens als Ar­beit­ge­ber. „Das ist mehr als ,nice to ha­ve’, des­halb ra­ten wir un­se­ren Kun­den auch aus­drück­lich zu sol­chen In­stru­men­ten“, sagt Siep­mann.

Wert­schät­zung ist wirt­schaft­lich

Die Bür­ger ha­ben kla­re Wün­sche an die Rhein­bahn: Pünkt­lich und sau­ber sol­len die Zü­ge sein, freund­lich die Fah­rer, und der gan­ze Be­trieb soll mög­lichst we­nig Steu­er­gel­der er­for­dern. Dass das al­les zu­sam­men­hängt, über­se­hen da­bei vie­le. Wenn Füh­rung ein­sei­tig von Um­sät­zen (im Fall ei­nes Nah­ver­kehrs­un­ter­neh­mens vom Kos­ten­de­ckungs­grad) ab­hängt, ver­schlech­tert sich die Kul­tur in ei­nem Un­ter­neh­men. Das ver­ur­sacht letzt­lich ei­nen be­triebs­wirt­schaft­li­chen Scha­den. Wenn das Un­ter­neh­men sich aber um die Ge­sund­heit küm­mert und Mit­ar­bei­tern Wert­schät­zung zu­teil wer­den lässt, kommt die Mehr­heit von ih­nen lie­ber und häu­fi­ger zur Ar­beit. Über Qua­li­tät muss man da nicht mal spe­ku­lie­ren. chris­ti­an.herrendorf @rheinische-post.de

Der Rhein­bahn-Vor­stand: Klaus Klar (l.) und Micha­el Claus­ecker

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