Mut­maß­li­cher Dieb schlägt Se­ni­or nie­der

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

We­gen der Faust­hie­be ge­gen den 81-Jäh­ri­gen wur­de der Mann jetzt ver­ur­teilt.

(wuk) Mit 81 Jah­ren hat ein Rent­ner ei­nen 50 Jah­re jün­ge­ren Mann in der Alt­stadt zu Fuß ver­folgt, ihn ge­stellt und bis zur An­kunft der Po­li­zei fest­ge­hal­ten. Ein Jahr da­nach sa­hen sich die un­glei­chen Geg­ner ges­tern vorm Amts­ge­richt wie­der. Dort leug­ne­te der jun­ge An­ge­klag­te aber, dem Se­ni­or vor ei­nem Eis­ca­fé aus dem Fahr­rad­korb ei­ne Tü­te mit Wein und Brot ge­stoh­len zu ha­ben. Ge­stan­den hat er nur, dass er dem 81-Jäh­ri­gen nach des­sen Ver­fol­gung zwei Faust­schlä­ge ins Ge­sicht ver­setz­te. Al­lein da­für gab’s ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe von sie­ben Mo­na­ten für den viel­fach als Dieb vor­be­straf­ten 31-Jäh­ri­gen. Ob der Se­ni­or in so ei­ner Si­tua­ti­on noch­mal hin­ter­her­lau­fen wür­de? „Spon­tan ja“, sag­te der 81-Jäh­ri­ge nach dem Ur­teil.

Mit sei­ner Gat­tin hat­te der Rent­ner da­mals bei ei­ner Rad-Tour in der Alt­stadt auf der Ter­ras­se ei­nes Eis­ca­fés Halt ge­macht. Ei­ne Plas­tik­tü­te mit Rot­wein und Brot ließ er im Fahr­rad­korb sei­ner Frau zu­rück. Im­mer­hin hat­te das Paar die Rä­der an der Ber­ger Stra­ße ge­nau im Blick­feld. Als aber zwei Män­ner vor­bei­ka­men und das Ein­kaufs­körb­chen am Rad dann plötz­lich leer war, „bin ich auf­ge­sprun­gen und de­nen nach­ge­lau­fen“, so der 81-Jäh­ri­ge. Nur den An­ge­klag­ten be­kam er tat­säch­lich zu fas­sen, der hat­te auch die Tü­te in der Hand, prompt hat der Se­ni­or im un­glei­chen Ger­an­gel die Tü­te zu­rück er­obert. Bei ei­ner Aus­hol­be­we­gung hat er den 31-Jäh­ri­gen mit der Tü­te dann wohl am Kopf ge­trof­fen, sag­ten Zeu­gen. Denn Alt­stadt­gäs­te ka­men dem Se­ni­or da­mals zu Hil­fe. Der An­ge­klag­te be­haup­te­te al­ler­dings, er sei un­ter Ko­ka­in- und Al­ko­hol­ein­fluss mit ei­nem ob­dach­lo­sen Kum­pel am Eis­ca­fé vor­bei ge­kom­men, der Kum­pel ha­be die Tü­te steh­len wol­len, der An­ge­klag­te ha­be das aber ver­hin­dert. Erst, als der Kum­pel ei­ni­ge Me­ter zu­rück­blieb und dem An­ge­klag­ten plötz­lich doch die Tü­te in die Hand drück­te, sei es un­ge­müt­lich ge­wor­den. Ge­schla­gen ha­be er ih­ren auf­ge­brach­ten Ver­fol­ger aber nur, um den Se­ni­or von wei­te­ren Schlä­gen mit der vol­len Tü­te ab­zu­hal­ten. Das hat­ten Au­gen­zeu­gen aber nicht so be­wer­tet. Sie gin­gen da­von aus, dass der An­ge­klag­te „aus Wut“auf den cou­ra­gier­ten Rent­ner ein­ge­prü­gelt, ihm da­bei ei­ne Kno­chen­ab­split­te­rung am Au­ge zu­ge­fügt ha­be. Der Dieb­stahl der Tü­te war dem 31-Jäh­ri­gen aus Sicht des Rich­ters aber nicht nach­zu­wei­sen. Al­so er­ging das Be­wäh­rungs-Ur­teil nur we­gen der Faust­hie­be des An­ge­klag­ten ge­gen den kör­per­lich ein­deu­tig un­ter­le­ge­nen Rent­ner.

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