Sohn be­hält kran­ke Mut­ter per Ka­me­ra im Blick

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON STE­FA­NI GEILHAUSEN

Das Über­wa­chungs­sys­tem hat jetzt Trick­die­be beim Durch­su­chen der Woh­nung ab­ge­lich­tet.

Oh­ne rich­ter­li­che Er­laub­nis darf die Po­li­zei die Fo­tos nicht ver­öf­fent­li­chen, die drei feis­te Män­ner auf Die­bes­tour in der Woh­nung ei­ner 85Jäh­ri­gen zei­gen. Da­bei sind die Bil­der wohl mit die bes­ten, die von ei­ner sol­chen Tat ge­macht wur­den. Soll­te die Po­li­zei durch die Ver­öf­fent­li­chung die Die­be tat­säch­lich fas­sen kön­nen, dann ist das Jörg Wich­mann zu ver­dan­ken – und sei­ner eher un­ge­wöhn­li­che Me­tho­de, sei­ne leicht de­men­te Mut­ter im Au­ge zu be­hal­ten.

Seit drei Jah­ren hat er die Woh­nung der al­ten Da­me mit meh­re­ren Ka­me­ras aus­ge­stat­tet. Die wer­den durch Be­we­gungs­sen­so­ren aus­ge­löst, schi­cken Wich­mann ein Bild auf den PC. Be­wegt sich nichts in der Woh­nung, blei­ben die Bil­der aus. Dann hat der Sohn Grund, sich zu sor­gen, wie da­mals, als sie mit ei- ner Lun­gen­ent­zün­dung im Bett blieb. „Ich bin be­rufs­tä­tig, und wenn ich erst nach Fei­er­abend zu ihr ge­fah­ren wä­re, hät­te es schlim­mer kom­men kön­nen“, sagt der Sohn. So hat­te er sich früh­zei­tig ge­wun­dert, dass von sei­ner Mut­ter nichts zu se­hen war. „Da hat­te sich das schon ge­lohnt.“

An­fangs sei die al­te Da­me nicht gera­de be­geis­tert von der Idee ge­we­sen, „sie hat so­gar ein paar Ta­ge nicht mehr mit mir ge­re­det“, doch in­zwi­schen, sagt Wich­mann, se­he sie auch die Vor­tei­le der Tech­nik. „Ich kon­trol­lie­re sie nicht, will sie auch nicht dau­ernd im Au­ge be­hal­ten, son­dern nur wis­sen, dass es ihr gut geht“, sagt er. Der Pfle­ge­dienst wis­se Be­scheid, die meis­ten Be­treu­er hät­ten mit den Ka­me­ras auch kein Pro­blem.

Se­nio­ren­be­ra­ter Horst Grass hat­te von der Me­tho­de noch nie ge­hört. „Wenn die Mut­ter ein­ge­wil­ligt hat, dann kann es durch­aus von Vor­teil sein“, sagt er. Denn wenn die Ka­me­ras er­mög­li­chen, dass ein al­ter Mensch in sei­nen ei­ge­nen vier Wän­den le­ben kann, dann „wür­de ich das be­für­wor­ten“.

Wich­manns Mut­ter ist bis auf die leich­te De­menz noch sehr fit, nimmt mü­he­los die Trep­pen bis in den vier­ten Stock. Doch seit ih­rem drit­ten Herz­in­farkt fühlt sich der Sohn mit der Ka­me­ra­tech­nik ein- fach woh­ler. Den Coup der Trick­die­be, die sich als Was­ser­wer­ker aus­ga­ben, um dann nach Wert­sa­chen zu su­chen, konn­te n die Ka­me­ras zwar nicht ver­hin­dern. Aber vi­el­leicht hel­fen sie noch bei der Klä­rung.

FO­TO: H.-J. BAU­ER

Jörg Wich­mann be­kommt die durch Be­we­gung aus­ge­lös­ten Ka­me­ra­bil­der per Mail. Von den Trick­die­ben sen­de­ten die Ka­me­ras über 80 Fo­tos.

Ein Dieb bau­te ei­ne Ka­me­ra ab, wur­de da­bei von ei­ner an­de­ren ge­filmt.

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